Politik fordert AufklÀrung nach Gewalttat in Aschaffenburg
23.01.2025 - 08:04:59Nach der Messerattacke mit zwei Toten und drei Verletzten im bayerischen Aschaffenburg dringen Politiker auf rasche AufklĂ€rung. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) teilte nach einem Treffen mit den Chefs des Verfassungsschutzes, des Bundeskriminalamts und der Bundespolizei im Kanzleramt mit: «Wir werden diesen Fall schnell aufklĂ€ren und die nötigen Konsequenzen ziehen. Jetzt.»Â
In einem Park in Aschaffenburg waren am Mittwoch ein zweijĂ€hriger Junge und ein 41-jĂ€hriger Mann getötet sowie zwei weitere Menschen schwer verletzt worden. VerdĂ€chtig ist ein 28-JĂ€hriger mit afghanischer Staatsangehörigkeit, der festgenommen wurde. Der Mann war laut Bayerns Innenminister Joachim Herrmann ausreisepflichtig. Anfang Dezember 2024 habe er gegenĂŒber den Behörden schriftlich angekĂŒndigt, ausreisen zu wollen.Â
In einem Monat ist Bundestagswahl. Unionskanzlerkandidat Friedrich Merz forderte «politische klare Antworten». Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck - Kanzlerkandidat der GrĂŒnen - mahnte, «die zustĂ€ndigen Behörden in Bayern» mĂŒssten jetzt «unverzĂŒglich aufklĂ€ren». AfD-Kanzlerkandidatin Alice Weidel schrieb bei X: «Meine Gedanken sind bei den Angehörigen & Verletzten. Remigration jetzt!» FDP-Fraktionschef Christian DĂŒrr forderte im Redaktionsnetzwerk Deutschland schnellstmöglich ein Treffen der Innenminister von Bund und LĂ€ndern.Â
Im Fokus der Ermittler steht derweil die Suche nach dem Tatmotiv. Zeugen mĂŒssen befragt und Spuren ausgewertet werden. Zudem dĂŒrfte der verdĂ€chtige 28-JĂ€hrige am Donnerstag einem Haftrichter vorgefĂŒhrt werden. Ob er gewillt ist, sich dort zu seinen GrĂŒnden fĂŒr die Attacke zu Ă€uĂern, ist ungewiss. Auch die Frage nach seiner SchuldfĂ€higkeit zur Tatzeit dĂŒrfte die Ermittler beschĂ€ftigen.Â
Plötzlicher Angriff auf WehrloseÂ
Der womöglich psychisch labile Afghane soll am Mittwochmittag in einem beliebten Innenstadtpark einen Jungen einer Kindergartengruppe mit einem KĂŒchenmesser angegriffen haben - «unvermittelt und gezielt», wie Herrmann nach der Tat sagte. Ein ZweijĂ€hriger marokkanischer Herkunft starb.Â
Zudem wurde ein 41-jÀhriger Deutscher tödlich verletzt. «Wir gehen gegenwÀrtig davon aus, dass dieser Mann zum Schutz der anderen Kinder mutig eingeschritten ist, sich gegen den TÀter gewandt hat und dann von diesem TÀter selbst tödlich verletzt wurde», sagte Herrmann.
Verletzt wurden zudem ein zweijÀhriges MÀdchen aus Syrien und ein 72-jÀhriger Mann. Eine 59 Jahre alte Erzieherin der Kinder brach sich bei ihrer Flucht einen Arm.
Der VerdÀchtige wurde kurz nach der Gewalttat festgenommen, das Messer sichergestellt. Die Polizei sperrte den Park stundenlang ab und sicherte Spuren.
Fragen zur Ausreisepflicht
Laut Herrmann hatte es bei dem TatverdĂ€chtigen ein Dublin-Verfahren gegeben, das aber nicht zeitgerecht abgeschlossen werden konnte. Das Dublin-Verfahren ist ein Bestandteil des gemeinsamen europĂ€ischen Asylsystems. Eine der Regelungen besagt, dass in vielen FĂ€llen der Staat fĂŒr die Abwicklung des Asylverfahrens zustĂ€ndig ist, in dem der GeflĂŒchtete zuerst EU-Boden betreten hat.
Zwar hatte der Mann nach seiner Einreise im November 2022 einen Asylantrag gestellt, wie Herrmann sagte. Doch sein Verfahren sei abgeschlossen worden, nachdem er selbst Anfang Dezember 2024 den Behörden schriftlich angekĂŒndigt habe, ausreisen zu wollen.
Laut Herrmann gab er dabei an, beim afghanischen Generalkonsulat die nötigen Papiere besorgen zu wollen. Daraufhin sei er vom Bundesamt fĂŒr Migration und FlĂŒchtlinge (Bamf) zur Ausreise aufgefordert worden. Ausgereist sei er aber noch nicht, laut Herrmann war er «weiter offensichtlich auch in psychiatrischer Behandlung». Die weiteren Details mĂŒssten in den nĂ€chsten Tagen noch genau geklĂ€rt werden.
Den Angaben zufolge war der 28-JĂ€hrige bereits dreimal wegen Gewalttaten aufgefallen. Deshalb sei er jeweils zur psychiatrischen Behandlung in Einrichtungen eingewiesen worden, dann aber wieder entlassen worden. Laut Polizei und Staatsanwaltschaft gab es bislang allerdings keine Hinweise auf eine radikale Gesinnung des Mannes.Â
Messerattacke erinnert an Fall in WĂŒrzburg
Die Tat erinnert an einen tödlichen Messerangriff auf Passanten in WĂŒrzburg am 25. Juni 2021. Damals hatte ein psychisch kranker Mann arglose Menschen in der Innenstadt mit einem Messer attackiert. Drei Frauen starben, neun Menschen wurden verletzt und viele weitere traumatisiert.





