Frage, Motiv

Frage zu Motiv im Fokus nach Gewalttat in Aschaffenburg

23.01.2025 - 04:00:43

Wieder eine Messerattacke, wieder Tote: Heute dĂŒrfte der TatverdĂ€chtige dem Haftrichter vorgefĂŒhrt werden. Mit Spannung wird erwartet, ob das Tatmotiv öffentlich wird.

  • Der Tatort liegt in der Innenstadt. - Foto: Ralf Hettler/dpa

    Ralf Hettler/dpa

  • Nach dem Messerangriff in Aschaffenburg sind nun die Behörden gefragt. - Foto: Ralf Hettler/dpa

    Ralf Hettler/dpa

Der Tatort liegt in der Innenstadt. - Foto: Ralf Hettler/dpaNach dem Messerangriff in Aschaffenburg sind nun die Behörden gefragt. - Foto: Ralf Hettler/dpa

Nach der Gewalttat mit zwei Toten und drei Verletzten im frĂ€nkischen Aschaffenburg steht die Suche nach dem Tatmotiv im Fokus der Ermittler. Zeugen mĂŒssen befragt und Spuren ausgewertet werden. Zudem dĂŒrfte der verdĂ€chtige 28-JĂ€hrige einem Haftrichter vorgefĂŒhrt werden. Ob er gewillt ist, sich dort zu seinen GrĂŒnden fĂŒr die Attacke zu Ă€ußern, ist ungewiss.

Auch die Frage nach seiner SchuldfĂ€higkeit zur Tatzeit dĂŒrfte die Ermittler beschĂ€ftigen. Zudem werden sich Behörden Fragen gefallen lassen mĂŒssen, warum der ausreisepflichtige mutmaßliche TĂ€ter noch in Deutschland war. 

Plötzlicher Angriff auf Wehrlose 

Der womöglich psychisch labile Afghane soll am Mittwochmittag in einem beliebten Innenstadtpark einen Jungen einer Kindergartengruppe mit einem KĂŒchenmesser angegriffen haben - «unvermittelt und gezielt», wie Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) nach der Tat sagte. Ein ZweijĂ€hriger marokkanischer Herkunft starb. 

Zudem wurde ein 41-jÀhriger Deutscher tödlich verletzt. «Wir gehen gegenwÀrtig davon aus, dass dieser Mann zum Schutz der anderen Kinder mutig eingeschritten ist, sich gegen den TÀter gewandt hat und dann von diesem TÀter selbst tödlich verletzt wurde», sagte Herrmann.

Verletzt wurden zudem ein zweijÀhriges MÀdchen aus Syrien und ein 72-jÀhriger Mann. Eine 59 Jahre alte Erzieherin der Kinder brach sich bei ihrer Flucht einen Arm. 

Der VerdÀchtige konnte kurz nach der Gewalttat festgenommen, das Messer sichergestellt werden. Die Polizei sperrte den Park stundenlang ab und sicherte Spuren.

Fragen zur Ausreisepflicht

Am Donnerstag dĂŒrfte die Debatte Fahrt aufnehmen, warum der VerdĂ€chtige noch in Deutschland war. Laut Bayerns Innenminister Herrmann hatte es ein Dublin-Verfahren gegeben, das aber nicht zeitgerecht abgeschlossen werden konnte. Das Dublin-Verfahren ist ein Bestandteil des gemeinsamen europĂ€ischen Asylsystems. Eine der Regelungen besagt, dass in vielen FĂ€llen der Staat fĂŒr die Abwicklung des Asylverfahrens zustĂ€ndig ist, in dem der GeflĂŒchtete zuerst EU-Boden betreten hat. 

Zwar hatte der Mann nach seiner Einreise im November 2022 einen Asylantrag gestellt, wie Herrmann sagte. Doch sein Verfahren sei abgeschlossen worden, nachdem er selbst Anfang Dezember 2024 den Behörden schriftlich angekĂŒndigt habe, ausreisen zu wollen. 

Laut Herrmann gab er dabei an, beim afghanischen Generalkonsulat die nötigen Papiere besorgen zu wollen. Daraufhin sei er vom Bundesamt fĂŒr Migration und FlĂŒchtlinge (Bamf) zur Ausreise aufgefordert worden. Ausgereist sei er zunĂ€chst aber noch nicht, laut Herrmann war er «weiter offensichtlich auch in psychiatrischer Behandlung». Die weiteren Details mĂŒssten in den nĂ€chsten Tagen noch genau geklĂ€rt werden.

Den Angaben zufolge war der 28-JÀhrige bereits dreimal wegen Gewalttaten aufgefallen. Deshalb sei er jeweils zur psychiatrischen Behandlung in Einrichtungen eingewiesen worden, dann aber wieder entlassen worden. Laut Polizei und Staatsanwaltschaft gab es bislang allerdings keine Hinweise auf eine radikale Gesinnung des Mannes. 

Forderungen nach Konsequenzen aus der Politik

Bundeskanzler Olaf Scholz teilte am Abend nach einem Treffen mit den Chefs des Verfassungsschutzes, des Bundeskriminalamts und der Bundespolizei im Kanzleramt mit: «Wir werden diesen Fall schnell aufklÀren und die nötigen Konsequenzen ziehen. Jetzt.» 

CDU-Chef Friedrich Merz forderte «politische klare Antworten». «Wir werden darĂŒber sprechen mĂŒssen, sobald die UmstĂ€nde dieser schrecklichen Tat aufgeklĂ€rt sind», sagte der Kanzlerkandidat der Union. 

FDP-Fraktionschef Christian DĂŒrr forderte schnellstmöglich ein Treffen der Innenminister von Bund und LĂ€ndern. «Die Politik muss darauf reagieren. Die Innenminister von Bund und LĂ€ndern mĂŒssen so schnell wie möglich zu einer Sonderkonferenz zusammenkommen», sagte DĂŒrr dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Messerattacke erinnert an Fall in WĂŒrzburg

Die Tat erinnert an einen tödlichen Messerangriff auf Passanten in WĂŒrzburg am 25. Juni 2021. Damals hatte ein psychisch kranker Mann arglose Menschen in der Innenstadt mit einem Messer attackiert. Drei Frauen starben, neun Menschen wurden verletzt und viele weitere traumatisiert.

@ dpa.de