Wolfgang Petry mit 75: Neues Album über Alter, Familie und Abschied von der Tour
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 06:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSWolfgang Petry ist 75 Jahre alt geworden und veröffentlicht an diesem Freitag sein neues Album „Ein Leben lang“, auf dem er über das Älterwerden, seine Karriere und seine Familie singt.
Selbstironie über das Alter
Das Album beginnt mit einer musikalischen Bestandsaufnahme: Petry singt über 100 Stufen im Treppenhaus, Rückenschmerzen und die Erleichterung, einen Aufzug zu sehen. Aus dem früheren Rockschlager wird dabei mit Selbstironie ein „Rückenschlager“.
Eine vertonte Senioren-Zeitschrift sei die Platte jedoch nicht, sondern ein munteres Spätwerk über Leben, Liebe und die Veränderungen des Alters. Auf einen Hit müsse er nicht mehr schielen, sagt Petry der Deutschen Presse-Agentur: „Ich schreibe einfach, was mir gefällt und mich beschäftigt.“
50 Jahre auf der Bühne
Der 22. September markierte Petrys 75. Geburtstag; zugleich blickt er auf 50 Bühnenjahre zurück. Seine Debütsingle „Sommer in der Stadt“ von 1976 nahm er für das Album als Jubiläumsversion neu auf.
Zu den neuen Liedern gehören das Liebeslied „Wegen dir“ und das Klavierstück „Ich hab ein Leben lang gewartet“, in dem es um Liebe, Vertrauen und Freundschaft geht. „Morgen Gold“ knüpft mit den Zeilen „Gestern war Bronze, heute ist Silber, morgen ist Gold!“ an seinen früheren Hit „Bronze, Silber und Gold“ an.
Enkel Giorgio singt mit
Besonders persönlich ist „Weiter immer weiter“. Neben Petry und seinem Sohn Achim, der ebenfalls Schlagersänger ist, wirkt auch sein Enkel Giorgio mit. Der Student habe zuvor noch nie vor einem Mikrofon gestanden, berichtet Petry. Nach kurzer Anleitung habe er ohne Nervosität seine Strophen und den Refrain eingesungen.
Auch seinen Umgang mit der modernen Alltagswelt verarbeitet Petry musikalisch. Im Lied „Zehn Mark“ besingt er die Sehnsucht nach einer übersichtlicheren Zeit und nennt Supermärkte, digitale Kassen und vegane Kennzeichnungen. Das sei mit einem Augenzwinkern gemeint, enthalte aber auch viel Wahrheit, sagt er.
Keine neue Tour
Als Beispiel nennt Petry, dass er keine Kreditkarte und kein Handy besitze und einmal nicht aus einem Parkhaus gekommen sei. Deshalb müsse seine Frau inzwischen mitfahren, damit sie ihn im Notfall befreien könne.
Musikalisch sieht sich Petry dagegen weiterhin in der Lage, gute Refrains zu schreiben. Eine neue Tour werde es von ihm jedoch nicht geben: „Das bleibt nur noch in der Erinnerung.“
Spätwerk zwischen Rückblick und Gegenwart
Wolfgang Petrys neues Album verbindet zwei Markierungen seiner Karriere: den 75. Geburtstag und das 50. Bühnenjubiläum. Die Jubiläumsversion von „Sommer in der Stadt“ verweist auf den Beginn seiner Laufbahn, während neue Lieder Erfahrungen des Älterwerdens, Liebe und familiäre Beziehungen aufnehmen.
Damit folgt die Veröffentlichung einem Muster, das bei langjährig erfolgreichen Künstlern häufig zu beobachten ist: Das frühere Repertoire bleibt der wichtigste Bezugspunkt, wird aber durch persönlicher gefärbte Gegenwartsthemen ergänzt. Petry stellt dabei nicht die Rückkehr auf die große Bühne in Aussicht, sondern positioniert das Album als eigenständige Fortsetzung seines musikalischen Schaffens.
Familie als musikalische Verbindung
Die Beteiligung seines Sohnes Achim und seines Enkels Giorgio erweitert den Rückblick um eine familiäre Perspektive. Der gemeinsame Song macht aus dem Jubiläumsprojekt zugleich ein Generationenstück und zeigt, wie musikalische Tradition innerhalb der Familie weitergegeben werden kann.
Alltagsthemen statt Hochglanzbild
Die Lieder über Rückenbeschwerden, Aufzüge, fehlende digitale Zahlungsmittel und komplizierte Supermärkte greifen konkrete Alltagserfahrungen auf. Gerade diese Selbstironie unterscheidet das Album von einer reinen Werkschau: Petry nutzt bekannte Schlagerformen, um Veränderungen im Alter und den Abstand zur technisierten Gegenwart zu verarbeiten.
