Wiesn, Millionen

Wiesn friedlich, fröhlich, sicher - 6,7 Millionen GÀste

06.10.2024 - 13:44:19

Zufriedene Gesichter zum Ende des Oktoberfests: viele Besucher, gute UmsĂ€tze, trotzdem weniger FĂ€lle fĂŒr Polizei und SanitĂ€ter. Und auch die Kirche blickt wohlwollend auf das Volksfest.

  • Tausende verfolgen das Platzkonzert der Wiesnwirte. - Foto: Peter Kneffel/dpa

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  • In den Zelten wird ausgelassen gefeiert.  - Foto: Felix Hörhager/dpa

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  • Die Wiesn verzeichnet noch mehr Besucher als im Vorjahr. - Foto: Christoph Trost/dpa

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  • Hunderte Polizeibeamte sichern das Volksfest. - Foto: Christoph Schmidt/dpa

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  • BöllerschĂŒtzen schießen am letzten Wiesntag Salut.  - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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Tausende verfolgen das Platzkonzert der Wiesnwirte. - Foto: Peter Kneffel/dpaIn den Zelten wird ausgelassen gefeiert.  - Foto: Felix Hörhager/dpaDie Wiesn verzeichnet noch mehr Besucher als im Vorjahr. - Foto: Christoph Trost/dpaHunderte Polizeibeamte sichern das Volksfest. - Foto: Christoph Schmidt/dpaBöllerschĂŒtzen schießen am letzten Wiesntag Salut.  - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

So friedlich, fröhlich und entspannt wie selten geht das MĂŒnchner Oktoberfest zu Ende. 6,7 Millionen GĂ€ste kamen nach einer ersten SchĂ€tzung der Festleitung. Das teils nasse und kĂŒhle Wetter in der zweiten FesthĂ€lfte trĂŒbte die Stimmung kaum. Die Menschen flanierten gemĂŒtlich, verteilten sich auf Zelte, BiergĂ€rten und Straßen. Oft bildeten sich Schlangen an den FahrgeschĂ€ften - auch am letzten Tag.

Dabei gab es deutlich weniger Straftaten, die Wiesn-SanitÀtswache behandelte erheblich weniger Patienten. Und dann kam sogar noch Lob von der Kirche. Besser geht es nicht. 

«QualitÀtsbewusstes Volksfest» 

«Das Oktoberfest war in diesem Jahr besonders entspannt», fasste Festleiter Clemens BaumgÀrtner (CSU) zusammen. Er hoffe, dass sich der Trend zum «qualitÀtsbewussten Volksfest» fortsetze. 

2023 kamen rekordverdĂ€chtige 7,2 Millionen Besucher, damals dauerte die Wiesn zwei Tage lĂ€nger. BaumgĂ€rtner betonte immer, man sei nicht auf Rekordjagd. Es gehe um glĂŒckliche und zufriedene Besucher. 

Polizei lobt achtsame GÀste 

«Es war eine friedliche Wiesn. Und es war eine sichere Wiesn», bilanzierte die Polizei. Appelle und AufklĂ€rung hĂ€tten gefruchtet. Die GĂ€ste hĂ€tten schnell verdĂ€chtige Beobachtungen gemeldet und gegenseitig aufeinander achtgegeben, lobte der Pressesprecher der Polizei, Andreas Franken. Deshalb rĂŒckten die Beamten öfter aus - oft blieb es aber bei Kontrollen.

Öfter als im Vorjahr wurden MaßkrĂŒge als Tatwaffe genutzt. Aus Wut fĂŒr den Verweis aus dem Festzelt warf etwa ein Besucher einen Maßkrug in die Menge. Zwei GĂ€ste wurden am Kopf verletzt. 

Dennoch lautete die Bilanz insgesamt: weniger Körperverletzungen, weniger TaschendiebstĂ€hle, weniger Sexualdelikte - die Zahl der Straftaten sank gegenĂŒber 2023 um rund 25 Prozent auf etwa 700. Bei Verkehrskontrollen rund um das Fest stellte die Polizei gut 200 FĂŒhrerscheine sicher. Dennoch nahm die Zahl der Trunkenheitsfahrten ab, vielleicht eine Folge des Trends zu alkoholfreien GetrĂ€nken. 

Innenminister zufrieden: Spagat gelungen

Die verstĂ€rkten Sicherheitsvorkehrungen, die im Vorfeld des Festes nach dem Terroranschlag von Solingen und den SchĂŒssen in MĂŒnchen breit diskutiert wurden, liefen reibungslos. Die GĂ€ste akzeptierten die Kontrollen an den EingĂ€ngen auch mit Hand-Metalldetektoren. 

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann sprach von einem erfolgreichen Einsatzkonzept. «Der Spagat zwischen hohem Sicherheitsniveau und ausgelassenem Feiern ist hervorragend gelungen.»

Kardinal fasziniert von Vielfalt der Menschen auf dem Fest 

Eine friedliche Wiesn sei eine «Feier des Lebens», lobte der MĂŒnchner Kardinal Reinhard Marx im Bayerischen Rundfunk, und hob das Verbindende und den Gemeinsinn Fördernde von Festen gerade in Krisenzeiten, trotz Kriegen, Terrorismus und UnglĂŒcken hervor. 

Zwar bedeute die Wiesn auch Kommerz und Konsum, sagte der Erzbischof von MĂŒnchen und Freising. Aber auch, wenn nach seiner EinschĂ€tzung wohl nicht alles im rechten Maß sei, fasziniere ihn, dass das Fest «eine solche Vielfalt an Menschen zusammenbringt». Gemeinsam feiern gehöre zum Menschsein und zum Christsein dazu. 

Erstmals mehr GÀste aus Indien 

Zahlreiche GĂ€ste kamen aus dem Ausland, vor allem aus den USA und Italien, aber auch aus Großbritannien, Österreich, Polen, Frankreich, Schweiz, Spanien, den Niederlanden - und erstmals vermehrt aus Indien. Die Mehrzahl warf sich in Lederhose und Dirndl. Die GĂ€ste griffen zunehmend zu höherwertigen Varianten, um komplett in das «Universum Oktoberfest» einzutauchen, wie die Festleitung bemerkte. 

Viele Prominente feierten mit. Mit den Spielern des FC Bayern stieß nach dem 5:0 beim SV Werder Bremen EhrenprĂ€sident Uli Hoeneß an. Unter den GĂ€sten waren Schauspieler Arnold Schwarzenegger, Franz Herzog von Bayern, Moderator Thomas Gottschalk, Volksmusikstar Florian Silbereisen und die US-PopsĂ€ngerin und Schwester von Michael Jackson, La Toya Jackson. Bill Kaulitz, SĂ€nger der Band Tokio Hotel, war mit Model Marc Eggers unterwegs. 

Zum «Almauftrieb» im KÀfer-Zelt kamen unter anderem SkirennlÀufern Maria Höfl-Riesch und der Comedian Oliver Pocher. Cathy Hummels lud zu ihrem Wiesn-Bummel, die Mietwagen-Unternehmerin Regine Sixt zu ihrer «Damenwiesn». 

Besucher mit gutem Appetit und Durst

Die Wirte meldeten ein Plus von rund neun Prozent bei den Speisen. Renner blieb das Hendl, zugleich waren Öko-Produkte sowie vegetarische und vegane Schmankerln zunehmend gefragt. Rund sieben Millionen Maß Bier rannen durch durstige Kehlen.

Ein Drittel weniger Patienten auf SanitÀtsstation

Die Wiesn-SanitĂ€tsstation der Aicher Ambulanz kĂŒmmerte sich um gut 5.300 Patientinnen und Patienten, fast 30 Prozent weniger als im Vorjahr, wie Michel Belcijan, Betriebsleiter der Aicher Ambulanz und Einsatzleiter der SanitĂ€tswache, berichtete. Die Zahl der stark betrunkenen Jugendlichen ging schon im zweiten Jahr zurĂŒck. Einem 16-JĂ€hrigen, der bewusstlos am Boden zusammengesackt war, leistete kĂŒrzlich Wiesnchef BaumgĂ€rtner Erste Hilfe.

Ein Todesfall ĂŒberschattete die vergangenen Tage. Ein 50 Jahre alter Gast erlitt vermutlich eine Lungenembolie und konnte trotz sofortiger Hilfe nicht gerettet werden. 

Bei einem Drittel der Patienten lautete die Diagnose wie jedes Jahr Alkohol-Intoxikation. Die SanitĂ€tsstation war deshalb ĂŒber Nacht in Betrieb. Rund 190 alkoholgeschĂ€digte GĂ€ste hĂ€tten im «Hotel Aicher» ĂŒbernachtet. So wĂŒrden die Kliniken entlastet, sagte Belcijan. FrĂŒher mussten Betrunkene, die nicht nach Hause geschickt werden konnten, in Kliniken verlegt werden. Nun war es umgekehrt: Wenn noch Platz war, nahm die Station unter anderem Betrunkene aus dem Stadtgebiet auf - da ist man schließlich spezialisiert.

Textiler Notfall und «Kopfschuss»

Oft mussten Schnitt- und Platzwunden versorgt werden. Der dafĂŒr vorgesehene Faden kam samt Nadel auch in einem textilen Notfall zum Einsatz: Die SanitĂ€ter nĂ€hten ein am DekolletĂ© aufgerissenes Dirndl wieder zu. 

Auch ein «Kopfschuss» wurde versorgt. Die Betreiberin einer Schießbude war in die Schussbahn geraten. Ein Unfallchirurg entfernte das Projektil, nĂ€hte die Wunde und die Frau verließ die SanitĂ€tswache selbststĂ€ndig.

An den letzten Tagen machten die Helfer immer öfter Bedienungen wieder fit. RĂŒckenschmerzen, Blasen an den FĂŒĂŸen oder Husten und Halsweh - die sogenannte Wiesn-Grippe machte auch vor ihren nicht halt. 

 

@ dpa.de