Spanien, Zugunglück Urda

Zugunglück in Spanien: Verkehrsminister Puente tritt zurück

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 22:23 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Nach dem Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge bei Urda übernimmt Spaniens Verkehrsminister politische Verantwortung und zieht sich auch aus der vorgezogenen Parlamentswahl zurück. Zugleich beschließt die Regierung Sicherheitsmaßnahmen und ein Hilfspaket für Opfer und Angehörige.

Folgen für Regierung und Bahnverkehr

  • Óscar Puente erklärte nach seiner Anhörung in Madrid seinen Rücktritt als Verkehrsminister.
  • Bei der vorgezogenen Parlamentswahl am 29. November will er nicht mehr kandidieren.
  • 37 der rund 200 Verletzten werden weiterhin in Krankenhäusern behandelt.
  • Der Rücktritt kam überraschend. - Bild: Diego Radamés/EUROPA PRESS/dpa
  • 37 Verletzte werden noch in Krankenhäusern behandelt. (Archivbild) - Bild: Manu Fernandez/AP/dpa
  • Alle 69 Todesopfer wurden inzwischen identifiziert. (Archivbild) - Bild: Joaquín Corchero/EUROPA PRESS/dpa
  • Die Regierung von Pedro Sánchez verspricht Hilfe in Höhe von 30 Millionen Euro. (Archivbild) - Bild: Alejandro Martínez Vélez/EUROPA PRESS/dpa
Der Rücktritt kam überraschend. - Bild: Diego Radamés/EUROPA PRESS/dpa 37 Verletzte werden noch in Krankenhäusern behandelt. (Archivbild) - Bild: Manu Fernandez/AP/dpa Alle 69 Todesopfer wurden inzwischen identifiziert. (Archivbild) - Bild: Joaquín Corchero/EUROPA PRESS/dpa Die Regierung von Pedro Sánchez verspricht Hilfe in Höhe von 30 Millionen Euro. (Archivbild) - Bild: Alejandro Martínez Vélez/EUROPA PRESS/dpa

Rücktritt nach dem Zugunglück bei Urda

Knapp eine Woche nach dem Zugunglück mit 69 Toten hat Spaniens Verkehrsminister Óscar Puente seinen Rücktritt erklärt. Er kündigte am späten Abend außerdem an, bei der vorgezogenen Parlamentswahl am 29. November nicht mehr zu kandidieren.

Puente übernimmt politische Verantwortung

Puente erklärte seinen Schritt zum Abschluss seiner Anhörung vor dem Parlamentsausschuss in Madrid. Ein Minister könne nach zwei Unglücken dieser Schwere innerhalb von weniger als einem Jahr nicht im Amt bleiben, sagte er.

Der Rücktritt kam überraschend, weil Puente und Ministerpräsident Pedro Sánchez ihn in den vergangenen Tagen mehrfach ausgeschlossen hatten. Alle Oppositionsparteien hatten den Verkehrsminister zum Rücktritt aufgefordert.

Zwei Züge kollidierten nahe Urda

Am Mittwoch vergangener Woche war ein Hochgeschwindigkeitszug der staatlichen Bahngesellschaft Renfe nahe der Gemeinde Urda rund 130 Kilometer südlich von Madrid auf einen stehenden Zug des privaten Betreibers Iryo aufgefahren. Es war das zweite schwere Zugunglück in Spanien innerhalb von neun Monaten.

Im Januar waren bei einem Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge in Adamuz in Andalusien 46 Menschen ums Leben gekommen. Im Fall von Adamuz gilt unter anderem ein Gleisbruch als Ursache; bei Urda konzentrieren sich die Ermittlungen auf den Ausfall des Zugsicherungssystems LZB und mögliche Fehler bei Anweisungen aus dem Kontrollzentrum des Netzbetreibers Adif.

Regierung beschließt Sicherheitsmaßnahmen

Die spanische Regierung beschloss am selben Tag ein Hilfspaket von 30 Millionen Euro für Opfer und Angehörige. Vorgesehen sind direkte staatliche Hilfen, Vorschüsse auf spätere Entschädigungszahlungen und eine Verdoppelung der Leistungen aus der gesetzlichen Fahrgastversicherung.

Die Zahl der Züge zwischen Madrid und Sevilla soll bis zur Inbetriebnahme des europäischen Zugsicherungssystems ERTMS reduziert werden. Bei einem Ausfall des bisherigen LZB-Systems soll künftig ein zweiter Mitarbeiter im Kontrollzentrum die Anweisungen an Lokführer überprüfen und bestätigen.

Opfer identifiziert, Verletzte weiter in Behandlung

Die Regierung will zudem die Personalstärke in den Kontrollzentren erhöhen und die Arbeitsbedingungen verbessern. Für alternative Verkehrsmittel während der Sperrung der Unfallstrecke zwischen Madrid und Sevilla wurden Preisobergrenzen beschlossen.

Alle 69 Todesopfer wurden identifiziert. Unter den 40 Männern und 29 Frauen waren keine Deutschen und keine Minderjährigen; 54 Todesopfer waren spanische Staatsangehörige, vier weitere US-Bürger.

Je zwei Opfer stammten aus Japan und Australien, die übrigen aus Kanada, Frankreich, Tschechien, Portugal, Argentinien, Mexiko und Tunesien. 37 der insgesamt rund 200 Verletzten werden noch in Krankenhäusern behandelt.

Der Rücktritt von Óscar Puente folgt auf zwei schwere Unfälle im spanischen Hochgeschwindigkeitsverkehr innerhalb von weniger als einem Jahr. Beim Unglück von Adamuz in Andalusien starben im Januar 46 Menschen; nun kamen bei Urda 69 Menschen ums Leben. Damit steht nicht nur die unmittelbare Unfallursache im Mittelpunkt, sondern auch die Frage, ob technische Sicherungen, betriebliche Abläufe und politische Kontrolle ausreichend ineinandergreifen.

Sicherheitsfragen im Mittelpunkt

Die Ermittlungen zu Urda konzentrieren sich auf den möglichen Ausfall des LZB-Systems und auf Anweisungen aus dem Kontrollzentrum des Netzbetreibers Adif. Die angekündigten Gegenmaßnahmen setzen deshalb an mehreren Stellen an: Weniger Zugverbindungen sollen die Strecke bis zur Inbetriebnahme von ERTMS entlasten, bei einem Ausfall der Sicherungstechnik soll künftig ein zweiter Mitarbeiter kritische Anweisungen bestätigen.

Für Reisende bedeutet das zunächst Einschränkungen auf der Verbindung zwischen Madrid und Sevilla. Preisobergrenzen für alternative Verkehrsmittel sollen zusätzliche Belastungen während der Streckensperrung begrenzen. Die 30 Millionen Euro staatlicher Hilfen sollen Opfer und Angehörige kurzfristig unterstützen; hinzu kommen Vorschüsse auf Entschädigungen und höhere Leistungen aus der gesetzlichen Fahrgastversicherung.

Politische Folgen und offene Fragen

Puentes Rücktritt beendet die politische Verantwortung nicht. Entscheidend bleibt, ob die Untersuchungen technische Mängel, organisatorische Fehler oder ein Zusammenwirken mehrerer Faktoren ergeben. Die Identifizierung aller 69 Todesopfer schafft für die Angehörigen Gewissheit, während die Behandlung von Verletzten und die Aufarbeitung des Unglücks weitergehen.

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