Deutschland, Statistik

Historisches Tief bei Zahl der Hochzeiten - mehr Scheidungen

26.06.2026 - 12:45:47 | dpa.de

Vergangenes Jahr wurden so wenige Ehen geschlossen wie noch nie seit 1950 - gleichzeitig scheiterten mehr. Was die Statistik noch zeigt und mit welchen Problemen Paare heute kÀmpfen.

  • Der Blick in die Scheidungsstatistik zeigt einen klaren langfristigen Trend.  (Symbolbild) - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
    Der Blick in die Scheidungsstatistik zeigt einen klaren langfristigen Trend. (Symbolbild) - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
  • Die Zahl der Hochzeiten fiel auf einen Tiefststand. (Symbolbild) - Bild: Christian Lademann/dpa
    Die Zahl der Hochzeiten fiel auf einen Tiefststand. (Symbolbild) - Bild: Christian Lademann/dpa
  • Getrennte Paare setzen heute etwa auf ein Wechselmodell oder wohnen wie in einer WG weiter zusammen – ihren Kindern zuliebe. (Symbolbild) - Bild: Malin Wunderlich/dpa
    Getrennte Paare setzen heute etwa auf ein Wechselmodell oder wohnen wie in einer WG weiter zusammen – ihren Kindern zuliebe. (Symbolbild) - Bild: Malin Wunderlich/dpa
Der Blick in die Scheidungsstatistik zeigt einen klaren langfristigen Trend.  (Symbolbild) - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa Die Zahl der Hochzeiten fiel auf einen Tiefststand. (Symbolbild) - Bild: Christian Lademann/dpa Getrennte Paare setzen heute etwa auf ein Wechselmodell oder wohnen wie in einer WG weiter zusammen – ihren Kindern zuliebe. (Symbolbild) - Bild: Malin Wunderlich/dpa

Die Zahl der Hochzeiten ist vergangenes Jahr in Deutschland auf einen historischen Tiefstand gefallen. 2025 sagten 348.800 Paare «Ja» und damit so wenige wie noch nie seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1950, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. Der niedrige Wert aus dem Vorjahr wurde nochmals um 0,1 Prozent unterboten.

Die Zahl der Eheschließungen ist laut der Statistik langfristig rĂŒcklĂ€ufig. Im Vergleich zum Jahr 2003 betrĂ€gt der RĂŒckgang 8,9 Prozent.

Zudem wurden im vergangenen Jahr etwas mehr Ehen geschieden: 2025 endeten rund 130.100 Ehen durch richterlichen Beschluss, das waren den Angaben zufolge 0,6 Prozent mehr als im Jahr zuvor. 

Langfristig betrachtet geht allerdings auch die Zahl der Scheidungen zurĂŒck: 2025 gab es 39,2 Prozent weniger Scheidungen als 2003, damals war der höchste Stand seit der deutschen Wiedervereinigung erreicht worden. Auf ein Rekordtief 2023 folgte eine leichte Zunahme.

Probleme bei der Kommunikation und beim Thema Sex

Paare kĂ€mpfen nach Erfahrung des Therapeuten Jochen Cunz mit Problemen wie mangelnder Kommunikation, Neugier oder EinfĂŒhlungsvermögen eines Partners. Auch unterschiedliche Vorstellungen von körperlicher NĂ€he und Sex gehören in seiner Praxis seit Jahren zu den Dauerbrennern. 

Den Menschen stehe heute die Welt offen, wĂ€hrend sie frĂŒher bei der Partnersuche lokal eingeschrĂ€nkt gewesen seien. «Da glauben manche, dass es irgendwo doch noch jemanden besseren geben muss», sagt Cunz.

Zudem sei es zunehmend so, dass Frauen unter hoher Arbeitslast litten, da sie trotz BerufstĂ€tigkeit einen großen Anteil der unbezahlten Care-Arbeit in der Familie leisteten - oder die gesamte. «Viele Frauen sagen, "Ich kann nicht mehr"». Auch heute seien es fast ausnahmslos die Frauen, die den Ausschlag zur Paartherapie gĂ€ben, sagt der in Bad Homburg bei Frankfurt praktizierende Therapeut.

Ehe-Aus im Schnitt nach 14 Jahren

Ein weiterer Trend, der sich in der Statistik zeigt: Ehen werden immer spÀter geschieden. Die Scheidung kam vergangenes Jahr im Schnitt nach 14 Jahren und 7 Monaten, 1994 noch nach durchschnittlich 12 Jahren. 

Etwa 16 Prozent der Paare ließen sich 2025 im Jahr ihrer Silberhochzeit nach 25 Jahren Ehe oder spĂ€ter scheiden. In den 1990er Jahren lag dieser Anteil noch unter elf Prozent.

Die Berliner FamilienanwĂ€ltin Alicia von Rosenberg kann dies bestĂ€tigen: «Wenn die Kinder aus dem Haus sind, hat man hat heute noch einen großen Lebensabschnitt vor sich. Zu mir kommen teilweise Menschen, die 70 Jahre alt sind oder Ă€lter, die zusammen Kinder aufgezogen haben und sich dann aber fĂŒr eine Trennung entscheiden.»

«Wir funktionieren als Paar nicht mehr»

Auch Paare mit kleinen Kindern kommen ihr zufolge in ihre Kanzlei. Wie bei den Älteren falle auf, dass hĂ€ufig schon vieles vereinbart sei: «Sie sagen, wir funktionieren als Paar nicht mehr, wollen uns aber die Verantwortung weiter teilen.» Die VĂ€ter bringen sich laut Rosenberg heute sehr viel stĂ€rker ein. 

Sie empfehle betroffenen Eltern eine Beratung dazu, was in Trennungsphasen als Familie wichtig ist und wie man Kinder eine Trennung am besten mitteilt, sagt die AnwÀltin. 

2025 hatten etwas mehr als der HÀlfte der Scheidungspaare minderjÀhrige Kinder: Das Bundesamt gibt ihre die Zahl insgesamt mit etwa 113.400 an.

Eine weitere langfristige Entwicklung laut Bundesamt: Der Anteil der Ehescheidungen mit einem Kind nimmt ab, der Anteil mit zwei oder mehr Kindern nimmt zu. 2025 hatte mehr als jedes zehnte Scheidungspaar drei oder mehr Kinder. 

Wechselmodell oder Eltern-WG zum Wohl der Kinder

Paartherapeut Cunz berichtet, dass die Paare aus seiner Erfahrung Lösungen suchten und fĂ€nden, um die Trennung fĂŒr die Kinder so vertrĂ€glich wie möglich zu machen. So blieben die Kinder im Haus und die Eltern wohnten dort im Wechsel – oder man wohne wie in einer Wohngemeinschaft weiter zusammen, obwohl man kein Paar mehr sei. 

Rund 90 Prozent der ScheidungsantrÀge wurden vergangenes Jahr mit Zustimmung des Ehegatten oder der Ehegattin eingereicht, mit 81 Prozent wurden die meisten Paare nach einer Trennungszeit von einem Jahr geschieden. 

1,3 Prozent der Ehescheidungen betrafen 2025 gleichgeschlechtliche Paare, insgesamt rund 1.700. Der Anstieg im Vorjahresvergleich betrug zehn Prozent. Gleichgeschlechtliche Paare können seit 2017 in Deutschland heiraten. 

2025 wurden 339.900 Ehen zwischen Mann und Frau geschlossen, 8.900 Ehen zwischen Personen gleichen Geschlechts.

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