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WDH / ROUNDUP 2: Inflation fÀllt auf 2,2 Prozent - Dienstleistungen teurer

01.07.2024 - 19:59:15

(2. Absatz, 1. Satz: Schreibweise Nachname Dekabank-Chefvolkswirt korrigiert: Kater; ausgefallene "2" in Überschrift ergĂ€nzt))WIESBADEN - Die Inflation in Deutschland sinkt spĂŒrbar.

(2. Absatz, 1. Satz: Schreibweise Nachname Dekabank-Chefvolkswirt korrigiert: Kater; ausgefallene "2" in Überschrift ergĂ€nzt))

WIESBADEN (dpa-AFX) - Die Inflation in Deutschland sinkt spĂŒrbar. Im Juni lagen die Verbraucherpreise um 2,2 Prozent ĂŒber dem Niveau des Vorjahresmonats - nach 2,4 Prozent im Mai, wie das Statistische Bundesamt auf Basis vorlĂ€ufiger Zahlen in Wiesbaden mitteilt. Nach EinschĂ€tzung von Ökonomen dĂŒrfte sich der Trend zu stabilen Preisen im Sommer fortsetzen: Sie erwarten schon bald Raten unter zwei Prozent. Die Fußball-Europameisterschaft hat demnach nur einen geringen Einfluss auf die Verbraucherpreise.

"Die Inflation geht in die Sommerpause", kommentierte Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank. Der Ökonom Sebastian Dullien vom gewerkschaftsnahen Institut fĂŒr Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) nannte den Anstieg im Mai einen Ausreißer. "Der AbwĂ€rtstrend bei der Inflation ist intakt und hat sich im Juni nun wieder durchgesetzt."

Die viel umjubelte Fußball-EM hat nach EinschĂ€tzung der Volkswirtin Ulrike Kastens von der Fondsgesellschaft DWS nur einen sehr geringen Einfluss auf die Teuerung, etwa mit steigenden Preisen fĂŒr HotelĂŒbernachtungen.

WĂ€hrend sich vor allem Dienstleistungen den Statistikern zufolge im Juni krĂ€ftig verteuerten, wurde Energie binnen Jahresfrist um 2,1 Prozent gĂŒnstiger. Bei den Nahrungsmitteln gab es nach krĂ€ftigen PreisaufschlĂ€gen nur noch moderate ZuwĂ€chse (plus 1,1 Prozent). Die Inflationsrate ohne die schwankungsanfĂ€lligen Preise fĂŒr Nahrungsmittel und Energie - die Kerninflation - betrĂ€gt demnach 2,9 Prozent. Das war etwas weniger als im Vormonat Mai.

Ifo erwartet weiteres Abebben der Inflation

Das MĂŒnchner Ifo-Institut erwartet nach einer aktuellen Umfrage unter Unternehmen zu ihren PreisplĂ€nen, dass die Inflation weiter zurĂŒckgeht. Die Inflationsrate dĂŒrfte ihren RĂŒckgang langsam fortsetzen und "im August erstmals seit MĂ€rz 2021 unter die Zwei-Prozent-Marke sinken", meint Ifo-Konjunkturchef Timo WollmershĂ€user. Zu einer Ă€hnlichen EinschĂ€tzung kommt die Deutsche Bank angesichts sinkender Energiepreise und einer "Beruhigung bei der Nahrungsmittelinflation". Allerdings bleibe die Kerninflation mit 2,9 Prozent recht hoch, schreibt Volkswirt Sebastian Becker.

Zwar sind die extrem hohen Inflationsraten der vergangenen beiden Jahre Geschichte. Im Jahresschnitt erwarteten fĂŒhrende Wirtschaftsforschungsinstitute eine deutliche AbschwĂ€chung der Inflation in Deutschland auf 2,3 Prozent - nach 5,9 Prozent 2023. Doch zuletzt verlief der RĂŒckgang zĂ€h. Noch im Mai hatte die Inflation erstmals in diesem Jahr wieder an Tempo gewonnen - vor allem wegen teurerer Dienstleistungen. Bereits im April war der RĂŒckgang der Inflation bei einer Rate von 2,2 Prozent ins Stocken geraten. Volkswirte verwiesen auf gestiegene Löhne, die zu Preiserhöhungen von Unternehmen fĂŒhren können.

Auch spĂŒren Verbraucher beim Einkaufen nach wie vor krĂ€ftig gestiegene Preise. Nahrungsmittel haben sich in den vergangenen Jahren im Schnitt um mehr als 30 Prozent verteuert, zeigt eine Sonderauswertung des Statistischen Bundesamtes fĂŒr den Zeitraum von Januar 2020 bis Mai 2024. Sie lag der "Wirtschaftswoche" vor.

Hohe TarifabschlĂŒsse und steigende Renten stĂ€rken Kaufkraft

Sinkt die Inflation in Deutschland wie auch im Euroraum insgesamt, gĂ€be das der EuropĂ€ischen Zentralbank im Jahresverlauf Spielraum fĂŒr weitere Leitzinssenkungen. Sie hat im Juni erstmals seit der Inflationswelle im WĂ€hrungsraum die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte gesenkt. EZB-PrĂ€sidentin Christine Lagarde dĂ€mpfte zugleich die Erwartung an weitere Zinsschritte. "Das Inflationsproblem ist noch nicht gelöst, die EZB kann sich noch nicht entspannen", meint Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg KrĂ€mer.

Höhere Teuerungsraten schwĂ€chen die Kaufkraft von Verbraucherinnen und Verbrauchern. Das bremst den privaten Konsum, der eine wichtige StĂŒtze der Konjunktur in Deutschland ist. Gewerkschaften versuchen, die PreissprĂŒnge mit hohen TarifabschlĂŒssen auszugleichen. Auch steigen die Renten deutlich: Die BezĂŒge fĂŒr mehr als 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner in Deutschland legen zum 1. Juli um 4,57 Prozent zu.

Inflationswelle nach Ukraine-Krieg belastet Haushalte

Auf lĂ€ngere Sicht aber ist die Kaufkraft der Verbraucher angesichts der enormen Inflation der vergangenen Jahre gesunken. Zwar wuchs das mittlere Haushaltseinkommen nach Angaben des Statistischen Bundesamts von 2022 auf 2023 um 5,1 Prozent - die Teuerungsrate lag aber bei 5,9 Prozent. Das zeigen jĂŒngste Daten, die das BĂŒndnis Sahra Wagenknecht (BSW) bei der Behörde abgefragt hat. Vergleicht man die Jahre 2021 und 2023, ist die LĂŒcke noch grĂ¶ĂŸer. "Die Deutschen sind deutlich Ă€rmer geworden", sagt Wagenknecht.

Die Inflation hatte sich nach dem russischen Angriff auf die Ukraine Anfang 2022 rasant beschleunigt, weil Energie und in der Folge auch Produktion und importierte Waren viel teurer wurden. Die EuropĂ€ische Union hatte Ölimporte aus Russland eingeschrĂ€nkt und weitere Sanktionen verhĂ€ngt. Moskau wiederum stoppte den Gasexport nach Deutschland ĂŒber die Nord-Stream-Pipelines.

@ dpa.de