Rekord-Dax muss sich RealitÀts-Check stellen
29.12.2023 - 14:48:05 | dpa.de
Nach einem Rekordhoch des Dax kurz vor dem Ende des Börsenjahres 2023 könnte das neue Jahr so ruhig beginnen wie das alte geendet ist. Viele Marktakteure werden erfahrungsgemÀà erst in der zweiten oder dritten Januarwoche wieder an die HandelsplĂ€tze zurĂŒckkehren.
Am Freitag schloss der deutsche Leitindex nach einem verkĂŒrzten Handelstag mit einem moderaten Plus von 0,30 Prozent auf 16.752 Punkte. Damit blieb er nahe an seinem Rekordhoch, das Mitte Dezember bei etwas ĂŒber 17.000 Punkten erreicht wurde.
Mögliche Zinssenkungen befeuern Jahresendrallys
Mit einem Gewinn von rund 20 Prozent war 2023 das zweitbeste Jahr fĂŒr den Dax in den vergangenen zehn Jahren. «Sobald im neuen Jahr alle aus ihrem Urlaub zurĂŒckkommen, steht dann der RealitĂ€tscheck fĂŒr die Jahresendrallys am Aktien- und Rentenmarkt an», schrieb Analyst Thomas Altmann von QC Partners. Dann mĂŒsse sich zeigen, wie sehr die Börsianer zum Jahresstart ins Risiko gehen und ob sie bereit seien, auf den aktuellen Kursniveaus auch gröĂere Summen zu investieren.
Angetrieben wurden die Aktienkurse im November und Dezember vor allem vom Szenario wieder sinkender Leitzinsen, vor allem in den USA. Deshalb dĂŒrfte am Mittwochabend den Investoren das Protokoll der jĂŒngsten Sitzung der US-Notenbank Fed einen Blick wert sein.
Auf dem Treffen Mitte Dezember hatte die Fed Zinssenkungen im kommenden Jahr in Aussicht gestellt. Etliche Beobachter rechnen bereits fĂŒr die Fed-Sitzung im MĂ€rz mit einer Zinssenkung. An den MĂ€rkten wird man daher den Wortlaut des Protokolls genauestens auf Hinweise zur zukĂŒnftigen Geldpolitik analysieren.
Mit Blick auf den deutschen Aktienmarkt dĂŒrfte es interessant zu beobachten sein, ob sich die Favoriten des alten Jahres auch im neuen der Gunst der Anleger erfreuen oder ob Investoren die Pferde wechseln.
Gewinner
- Rheinmetall - plus 54,3 Prozent: Nach einer Kursverdopplung 2022 waren die Aktien des RĂŒstungskonzerns auch 2023 gefragt. Dank der Kursgewinne stieg das Unternehmen im MĂ€rz in den Dax auf. Westliche LĂ€nder stecken aktuell mehr Geld in die RĂŒstung - eine Folge des Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine. Im November prĂ€sentierte Konzernchef Armin Papperger dann auch optimistische Wachstumsziele fĂŒr die kommenden Jahre.
- Heidelberg Materials - plus 51,9 Prozent: Der Baustoffkonzern profitiert von einer guten Auftragslage bei Infrastrukturprojekten sowie Teilen des Gewerbebaus. Das gleicht teilweise RĂŒckgĂ€nge im Wohnungsbau aus. Zudem entspannte sich die Lage bei den Energiepreisen.
- SAP - plus 44,7 Prozent: Europas gröĂter Softwarehersteller profitiert vom Wachstum seines zukunftstrĂ€chtigen CloudgeschĂ€fts. Kunden, die SAP-Software cloudbasiert nutzen, zahlen einen geringeren Betrag ĂŒber eine Laufzeit von in der Regel drei Jahren - bleiben aber dann oft lĂ€nger Kunde, weil sie ohne Vertrag die Software nicht mehr nutzen können.
Verlierer
- Zalando - minus 35,2 Prozent: Nach einem Kurseinbruch um mehr als die HĂ€lfte im Vorjahr war auch 2023 ein Jahr zum Vergessen fĂŒr die AktionĂ€re des Online-ModehĂ€ndlers. KaufzurĂŒckhaltung der Kunden angesichts hoher Inflation und wirtschaftlicher Unsicherheiten, hohe LagerbestĂ€nde und Verkauf mit hohen Rabatten waren die GrĂŒnde. FĂŒr den Online-Handel sind die goldenen Zeiten der Corona-Pandemie vorbei.
- Siemens Energy - minus 31,7 Prozent: Dem Energietechnikkonzern macht sein verlustreiches WindkraftgeschĂ€ft zu schaffen. Die Tochter Siemens Gamesa kĂ€mpft mit QualitĂ€tsproblemen bei Landturbinen, Anlaufschwierigkeiten bei Meeresanlagen (Offshore) und höheren Kosten. All das brockte Siemens Energy im jĂŒngsten GeschĂ€ftsjahr einen Milliardenverlust ein, obwohl das ĂŒbrige GeschĂ€ft rund um Gas, Netze und Industrietransformation deutlich besser lĂ€uft. Da half auch ein riesiger Auftragsbestand nichts.
- Bayer - minus 30,4 Prozent: FĂŒr den Chemie- und Pharmakonzern kamen ungĂŒnstige Faktoren zusammen. Die 2022 auĂergewöhnlich hohen Preise fĂŒr den Unkrautvernichter Glyphosat fielen rasch. Zur Jahresmitte war eine Milliardenabschreibung auf das GlyphosatgeschĂ€ft nötig. Die Pharmasparte schockte die Anleger im November mit einem Fehlschlag bei der Entwicklung eines wichtigen Medikaments, des Blutgerinnungshemmers Asundexian.
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