ADDW-Pflicht ab Juli: Datenschützer geben überraschend Entwarnung
Veröffentlicht: 19.07.2026 um 05:23 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Seit dem 1. Juli müssen alle Neuwagen in der EU mit einem System zur Aufmerksamkeitsüberwachung ausgestattet sein. Datenschützer geben nun überraschend Entwarnung.
Das Advanced Driver Distraction Warning (ADDW) erfasst per Kamera und Infrarotsensor die Blickrichtung des Fahrers. Bei Anzeichen von Ablenkung oder Müdigkeit löst es einen Alarm aus. Der Clou: Die Technologie verstößt nach Einschätzung von Datenschützern nicht generell gegen geltende Bestimmungen.
Strenger Datenschutz als Voraussetzung
Die positive Bewertung steht unter klaren Auflagen. Entscheidend ist: Die erhobenen Daten dürfen ausschließlich lokal im Fahrzeug verarbeitet werden. Eine Übermittlung an Dritte ist gesetzlich verboten. Sämtliche Informationen müssen unmittelbar nach der Verarbeitung gelöscht werden.
Die Kosten für die Integration liegen nach Branchenangaben zwischen 100 und 150 Euro pro Fahrzeug. Fahrer können die Funktion zwar manuell deaktivieren – beim nächsten Motorstart schaltet sie sich jedoch automatisch wieder ein.
Nutzen wissenschaftlich noch nicht belegt
Verkehrspsychologe Michael Praxenthaler vom AZT hält das System grundsätzlich für sinnvoll. Die Technologie könne die Aufmerksamkeit im Straßenverkehr erhöhen. Allerdings räumt er ein: Ein wissenschaftlicher Nachweis, dass ADDW tatsächlich Unfallzahlen reduziert, steht noch aus.
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Die Kombination aus Kamera und Infrarot ermöglicht eine zuverlässige Überwachung auch bei schlechten Lichtverhältnissen. Ziel ist es, Müdigkeit oder Ablenkung durch Smartphones frühzeitig zu erkennen und den Fahrer akustisch oder optisch zu warnen.
Kontrast zu Diskussionen um vernetzte Autos
Die Entwarnung für ADDW steht in scharfem Kontrast zu anhaltenden Debatten über Datensicherheit bei vernetzten Fahrzeugen. Erst Anfang des Jahres hatte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt vor Sicherheitsrisiken gewarnt – insbesondere bei Autos chinesischer Hersteller. Diese generieren umfangreiche Datenmengen, darunter Standortdaten, Kamerabilder und Gesprächsaufnahmen.
Sicherheitsbehörden und Thüringens Verfassungsschutzpräsident Kramer fordern erhöhte Wachsamkeit. Während das Risiko für Privatnutzer als moderat gilt, sehen Experten für Polizei, Bundeswehr und Betreiber kritischer Infrastrukturen eine reale Spionagegefahr. EU-Tech-Kommissarin Virkkunen kündigte bereits strengere Regeln für Fahrzeuge mit Onlinezugang an.
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Nächster Schritt: Automatische Tempobremse
Parallel zur ADDW-Pflicht prüfen die EU-Gremien weitere automatisierte Systeme. Dazu gehört eine satellitengestützte Tempobremse, die Fahrzeuge bei Überschreitung des Tempolimits automatisch drosseln könnte. Kritiker warnen hier vor Hackerangriffen und einer ausufernden Überwachung.
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