Schweizer bekommen 13. Rentenzahlung
03.03.2024 - 16:05:28(aktualisierte Fassung)
BERN (dpa-AFX) - Die Schweizer haben bei einer Volksabstimmung eine 13. Rentenzahlung pro Jahr durchgesetzt. Die Initiative der Gewerkschaften wurde mit rund 58 Prozent der Stimmen angenommen, wie sich am Sonntagnachmittag abzeichnete. Der Moderator des Schweizer Fernsehens sprach von einer Sensation, weil noch nie seit EinfĂŒhrung des Initiativrechts vor mehr als 130 Jahren eine linke Volksinitiative zum Sozialausbau erfolgreich war.
Die Regierung und das konservativ dominierte Parlament hatten die Initiative als zu teuer abgelehnt. Die Gewerkschaft schlĂ€gt vor, höhere BeitrĂ€ge im Arbeitsleben fĂŒr die Rentenkasse zu erheben.
Die Initiative fand auch Zustimmung in mehr als der HĂ€lfte der 26 Kantone - eine HĂŒrde, an der andere Initiativen sonst oft gescheitert sind. Konservative Kantone wie Appenzell Innerrhoden, die auch dieses Mal mit mehr als 68 Prozent "Nein" stimmten, waren in der Minderheit.
Damit erhöht sich die Jahresrente aus der staatlichen Rentenkasse AHV um 8,3 Prozent. 2021 lag die durchschnittliche monatliche Gesamtrente in der Schweiz laut Bundesamt fĂŒr Statistik fĂŒr MĂ€nner bei rund 4400 Franken (knapp 4600 Euro), fĂŒr Frauen bei rund 3000 Franken. Sie setzt sich aus AHV-Rente und einer zweiten SĂ€ule zusammen, in die Arbeitgeber und Arbeitnehmer wĂ€hrend des Erwerbslebens gemeinsam einzahlen. Die Zahlung aus der zweiten SĂ€ule ist oft höher als die AHV-Rente.
Die Gesamtjahresrente ist im Vergleich zu Deutschland hoch. Aber in der Schweiz sind auch die Lebenshaltungskosten deutlich höher, nach SchĂ€tzungen mindestens 50 Prozent. Es gibt zum Beispiel weder fĂŒr Arbeitende noch fĂŒr Rentner ZuschĂŒsse zu KrankenkassenbeitrĂ€gen und keine "Krankenkasse der Rentner". Einige andere LĂ€nder haben bereits mehr als zwölf Rentenzahlungen im Jahr, darunter Liechtenstein, Polen oder Ăsterreich, nicht aber Deutschland.
Das Thema hatte die Bevölkerung elektrisiert. Die Wahlbeteiligung lag ungewöhnlich hoch bei rund 59 Prozent. Es gibt meist vier Volksabstimmungen im Jahr, und oft stimmt nur rund die HĂ€lfte der StimmbĂŒrger ab.
Eine zweite Volksinitiative zur weiteren Erhöhung des Rentenalters ĂŒber 65 hinaus ist deutlich mit rund 75 Prozent der Stimmen abgelehnt worden.
Zu den beiden landesweiten Vorlagen kamen zahlreiche regionale und lokale Anliegen vor das Volk. Im Kanton ZĂŒrich gab die Bevölkerung etwa grĂŒnes Licht fĂŒr den Ausbau von zwei Pisten am Flughafen, der in der NĂ€he der deutschen Grenze liegt.

