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China und USA senken Zölle

12.05.2025 - 17:29:49

(Aktualisierung: 3. Absatz: Aussagen von Trump.)GENF - China und die USA haben im laufenden Handelsstreit eine Senkung ihrer gegenseitigen Zölle beschlossen.

(Aktualisierung: 3. Absatz: Aussagen von Trump.)

GENF (dpa-AFX) - China und die USA haben im laufenden Handelsstreit eine Senkung ihrer gegenseitigen Zölle beschlossen. Wie aus einer gemeinsamen ErklĂ€rung der beiden grĂ¶ĂŸten Volkswirtschaften der Erde hervorgeht, gilt die Regelung vorĂŒbergehend fĂŒr 90 Tage.

Demnach sinken US-Zölle auf chinesische Importe auf 30 Prozent. Zuvor lagen diese bei 145 Prozent. Die AufschlĂ€ge Pekings gegen Einfuhren aus den Vereinigten Staaten gehen von 125 Prozent auf 10 Prozent zurĂŒck.

US-PrĂ€sident Donald Trump sprach nach dieser mit China vereinbarten Senkung der gegenseitigen Zölle von einem "vollstĂ€ndigen Neustart" mit dem Land. Die GesprĂ€che in Genf am vergangenen Wochenende bezeichnete er am Montagvormittag (Ortszeit) im Weißen Haus als "sehr freundlich", die Beziehung zu China als "sehr, sehr gut". Er werde mit Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping sprechen, kĂŒndigte Trump an - "vielleicht am Ende der Woche".

In der Schweiz hatten Delegationen beider Seiten im festgefahrenen Zollstreit verhandelt. Zur Veröffentlichung der gemeinsamen ErklÀrung sagte US-Finanzminister Scott Bessent in Genf, man sei sich bei den GesprÀchen schnell einig gewesen, dass keine Seite an einer Entkopplung der Volkswirtschaften interessiert sei. Der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer sagte, der vereinbarte GesprÀchskanal werde verhindern, dass sich eine Eskalation mit Zöllen und Gegenzöllen wie seit April wiederhole.

China sieht positive Entwicklung

In Peking verwies das Außenamt in seinem tĂ€glichen Briefing zunĂ€chst auf die gemeinsame ErklĂ€rung. Nach Angaben des Handelsministeriums in Peking wollen sich die USA und China nun in engem Kontakt weiter austauschen. Teil dessen sollen regelmĂ€ĂŸige Beratungen in China und den USA oder einem Drittstaat sein. China hoffe, dass die USA dieses Treffen als Grundlage nutzen wĂŒrden, um die "fehlerhafte Praxis der einseitigen Zölle grĂŒndlich zu korrigieren", hieß es.

Laut Vize-MinisterprĂ€sident He Lifeng, der die Delegation der Volksrepublik in Genf anfĂŒhrte, war das Treffen ein wichtiger Schritt, um die Meinungsverschiedenheiten durch Dialog zu lösen und die Grundlage zur Vertiefung der Zusammenarbeit zu legen, wie das Staatsfernsehen nach den GesprĂ€chen berichtet hatte.

Erleichterung an den FinanzmÀrkten

Besonders positiv reagierten die MĂ€rkte. So stieg der Aktienkurs des dĂ€nischen Reedereiriesen Maersk im frĂŒhen Handel zunĂ€chst um rund 10 Prozent. Der Dax DE0008469008 legte zum Wochenbeginn auf einen Rekordwert zu. Kurz nach dem Börsenstart sprang der deutsche Leitindex um 1,54 Prozent auf 23.861,01 ZĂ€hler hoch. Auch die MĂ€rkte in Asien bauten ihre Gewinne nach den Neuigkeiten deutlich aus.

"Durch eine Einigung zwischen China und USA wird das Leben fĂŒr die deutsche Autoindustrie erheblich stressfreier", sagte der Direktor des Bochumer Autoinstituts CAR, Ferdinand Dudenhöffer. "BMW DE0005190003 und Mercedes DE0007100000 produzieren SUV in den USA, die auch nach China exportiert werden." Das helfe, die Kosten zu stabilisieren - was wiederum wichtig fĂŒr Erfolg auf dem zentralen Markt China sei, sagte Dudenhöffer. Im ersten Quartal hatten die deutschen Autobauer vor allem wegen Problemen in China deutliche GewinneinbrĂŒche hinnehmen mĂŒssen.

Als "sichere HĂ€fen" bekannte Investments wurden von der chinesisch-amerikanischen Abmachung hingegen belastet. Der Preis fĂŒr Gold, einer beliebten Investment-Alternative in Krisenzeiten, fiel deutlich. Am Morgen sank die Notierung fĂŒr eine Feinunze (etwa 31,1 Gramm) auf rund 3.233 US-Dollar und wurde damit etwa 91 Dollar tiefer gehandelt als am Freitag.

Streit im April eskaliert

Vor den GesprÀchen in Genf waren die Erwartungen an den Ausgang des Treffens zwar hoch, doch eine Senkung der Zölle hatten selbst viele Experten nicht erwartet. Unter den zuvor verhÀngten Zöllen war ein Handel zwischen beiden LÀndern faktisch nicht mehr möglich, was sich auch auf die Weltwirtschaft ausgewirkt hatte.

US-PrĂ€sident Donald Trump will mit Zöllen dafĂŒr sorgen, dass Firmen ihre Produktion in die USA verlagern und damit den Standort stĂ€rken. Besonders China warf er unfairen Handel vor. Auch die chinesische Wirtschaft sei unausgewogen, sagte Finanzminister Bessent und sprach zudem von Überproduktion.

Probleme wurden deutlicher

Peking und Washington hatten seit der Eskalation im Handelsstreit im April jeweils demonstrativ StĂ€rke signalisiert. Doch jĂŒngste Wirtschaftsdaten Chinas zeigten bereits, dass der Handel mit den USA im April eingebrochen war, die Container-Buchungen in die USA stark fielen. Die Stimmung im produzierenden Gewerbe trĂŒbte sich ein.

China kĂ€mpft ohnehin schon lĂ€nger mit wirtschaftlichen Problemen im Inland, obwohl die herrschende Kommunistische Partei fĂŒr dieses Jahr erneut ein ambitioniertes Wachstumsziel von rund fĂŒnf Prozent anpeilt. Das drĂ€ngendste Problem ist der schwache Konsum, den Peking bislang kaum in Gang bekommt. Zudem plagt das Land eine hohe Arbeitslosenrate unter jungen Menschen.

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