ROUNDUP, Faeser

Faeser ordnet mehr Grenzkontrollen ab nÀchster Woche an

09.09.2024 - 17:25:51

(Aktualisierung: durchgehend aktualisiert mit Aussagen Faeser und Österreichs Minister Karner)BERLIN - Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hat vorĂŒbergehende Kontrollen an allen deutschen Landgrenzen angeordnet, um die Zahl unerlaubter Einreisen stĂ€rker einzudĂ€mmen.

(Aktualisierung: durchgehend aktualisiert mit Aussagen Faeser und Österreichs Minister Karner)

BERLIN (dpa-AFX) - Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hat vorĂŒbergehende Kontrollen an allen deutschen Landgrenzen angeordnet, um die Zahl unerlaubter Einreisen stĂ€rker einzudĂ€mmen. Die zusĂ€tzlichen Kontrollen sollen am 16. September beginnen und zunĂ€chst sechs Monate andauern, wie das Bundesinnenministerium am Montag mitteilte. Als GrĂŒnde fĂŒr die nun angeordneten Kontrollen nannte das Ministerium neben der Begrenzung der irregulĂ€ren Migration auch der Schutz der inneren Sicherheit vor aktuellen Bedrohungen durch den islamistischen Terrorismus und vor grenzĂŒberschreitender KriminalitĂ€t. "Wir tun alles, um die Menschen in unserem Land dagegen zu schĂŒtzen", sagte Faeser.

Nach dem Migrationstreffen mit Unionsfraktion und LĂ€ndervertretern in der vergangenen Woche habe die Regierung nun zudem ein "Modell fĂŒr europarechtskonforme und effektive ZurĂŒckweisungen entwickelt", hieß es vom Ministerium. Dieses Modell gehe ĂŒber die derzeit erfolgenden ZurĂŒckweisungen hinaus. Faeser sagte, sie habe dies der Unionsfraktion mitgeteilt und vertrauliche GesprĂ€che dazu angeboten. Ein solches GesprĂ€ch mit der CDU/CSU-Fraktion und dem Vorsitz der MinisterprĂ€sidentenkonferenz ist fĂŒr diesen Dienstag anvisiert.

ZurĂŒckweisungen an deutschen Landgrenzen gibt es derzeit nur in bestimmten FĂ€llen: wenn jemand mit einer Einreisesperre belegt ist oder kein Asyl beantragt. ZurĂŒckweisungen an den deutschen Binnengrenzen sind grundsĂ€tzlich nur da möglich, wo es Kontrollen direkt an der Grenze gibt.

Seit Oktober sind laut Bundesinnenministerium mehr als 30.000 Menschen zurĂŒckgewiesen worden. Mitte Oktober 2023 hatte Bundesinnenministerin Faeser stationĂ€re Kontrollen an den Grenzen zu Polen, Tschechien und der Schweiz angeordnet. An der deutsch-österreichischen Landgrenze gibt es solche Kontrollen, die mit der irregulĂ€ren Migration begrĂŒndet werden, bereits seit September 2015. Die neu angeordneten Kontrollen direkt an der Grenze betreffen die Landgrenzen zu Frankreich, DĂ€nemark, Belgien, den Niederlanden und Luxemburg.

Wie der neue Vorschlag der Bundesregierung zu den ZurĂŒckweisungen genau aussieht, ließ Faeser zunĂ€chst offen. Diesen wolle sie zuerst der Union vorstellen, sagte die Innenministerin. Sie habe dazu mit dem Parlamentarischen GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Unionsfraktion, Thorsten Frei (CDU), telefoniert. In der Vergangenheit hatte es aus dem politischen Raum unterschiedliche Ideen gegeben, etwa dass diese auf alle AuslĂ€nder ohne Ausweispapiere ausgedehnt werden sollten oder auf Asylbewerber, die bereits in einem Land als Schutzsuchende registriert wurden.

Österreich will aber "keine Personen entgegennehmen, die aus Deutschland zurĂŒckgewiesen werden", wie der konservative Innenminister Gerhard Karner in der "Bild" und der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sagte. "Da gibt es keinen Spielraum."

Karner argumentiert, dass Deutschland zwar das Recht habe, Menschen zurĂŒckzuschicken, wenn ein anderes EU-Land fĂŒr ihren Asylantrag zustĂ€ndig ist. DafĂŒr sei aber ein formelles Verfahren und die Zustimmung des betroffenen Mitgliedstaates nötig. ZurĂŒckweisungen im Rahmen von Kontrollen an den EU-Binnengrenzen seien nicht erlaubt, sagt Karner drei Wochen vor der österreichischen Parlamentswahl.

@ dpa.de