ROUNDUP, Biden

Biden zieht sich aus US-PrĂ€sidentschaftsrennen zurĂŒck

21.07.2024 - 20:36:59

(Aktualisierung: Vorschlag Biden im 6. Absatz)WASHINGTON - US-PrĂ€sident Joe Biden will bei der Wahl im November nicht lĂ€nger fĂŒr eine zweite Amtszeit antreten.

(Aktualisierung: Vorschlag Biden im 6. Absatz)

WASHINGTON (dpa-AFX) - US-PrĂ€sident Joe Biden will bei der Wahl im November nicht lĂ€nger fĂŒr eine zweite Amtszeit antreten. Der Demokrat verkĂŒndete ĂŒber die sozialen Medien Instagram, Facebook und X seinen RĂŒckzug aus dem PrĂ€sidentschaftsrennen. In den vergangenen Wochen war der 81-JĂ€hrige wegen seines Alters und seines mentalen Zustandes in der eigenen Partei massiv unter Druck geraten. Bidens RĂŒckzug so kurz vor der Wahl ist eine dramatische Wende und verursacht weiteres Chaos in einem ohnehin historischen US-Wahljahr.

"Obwohl es meine Absicht war, mich um eine Wiederwahl zu bemĂŒhen, glaube ich, dass es im besten Interesse meiner Partei und des Landes ist, wenn ich mich zurĂŒckziehe und mich fĂŒr den Rest meiner Amtszeit ausschließlich auf die ErfĂŒllung meiner Pflichten als PrĂ€sident konzentriere", schrieb der Demokrat in einer schriftlichen ErklĂ€rung. "Ich werde im Laufe dieser Woche vor der Nation ausfĂŒhrlicher ĂŒber meine Entscheidung sprechen."

Die Krise der vergangenen Wochen

Biden war nach einem desaströsen Auftritt bei einem Fernsehduell gegen Ex-PrĂ€sident Trump Ende Juni extrem in die Kritik geraten. WĂ€hrend des Schlagabtauschs verhaspelte sich der mĂ€chtigste Mann der Welt regelmĂ€ĂŸig, verlor den Faden, starrte mit offenem Mund ins Leere und konnte hĂ€ufig seine SĂ€tze nicht richtig beenden. Schon vorher hatte es innerhalb der Demokratischen Partei und in der Bevölkerung wegen Bidens Alter Vorbehalte gegen seine Wiederwahlambitionen gegeben. Doch nach dem Duell entflammte die Debatte ĂŒber die Eignung des Bidens als PrĂ€sidentschaftskandidat der Demokraten in ganz neuem Ausmaß - und in aller Öffentlichkeit.

Nach der Debatte hatten sich Bidens Umfragewerte noch mal deutlich verschlechtert. Und in seiner eigenen Partei wagten sich einer nach dem anderen vor, um öffentlich Bidens RĂŒckzug aus dem Rennen um die PrĂ€sidentschaft zu fordern. Der PrĂ€sident selbst versuchte zunĂ€chst, sich herauszureden. Seinen schwachen Auftritt begrĂŒndete er mit MĂŒdigkeit in Folge anstrengender Auslandsreisen. Er habe nicht aus seine Berater gehört und sich ĂŒbernommen. Bei diversen Auftritten gab er sich trotzig und versicherte ein ums andere Mal, er werde sich nicht zurĂŒckziehen. Doch es folgten weitere Patzer. Und am Ende wurde der Druck aus den eigenen Reihen zu groß.

In den vergangenen Tagen hatte sich Biden nach einer Infektion mit dem Coronavirus in sein Privathaus in Rehoboth Delaware zurĂŒckgezogen und keine öffentlichen Termine absolviert. WĂ€hrend seiner Zwangspause fasste er nun den Entschluss, sich dem Druck seiner Parteikollegen zu beugen.

Demokraten vor Mammut-Aufgabe

Die Demokraten mĂŒssen nun in kĂŒrzester Zeit umsatteln und die Nachfolge regeln. Biden schlug nach seiner RĂŒckzugs-AnkĂŒndigung seine Stellvertreterin Kamala Harris vor, die in den vergangenen Wochen mehr und mehr in den Fokus gerĂŒckt war. Die 59-JĂ€hrige war in ihrem VizeprĂ€sidentenamt an der Seite Bidens bislang blass geblieben, bekam angesichts von dessen SchwĂ€che zuletzt allerdings die UnterstĂŒtzung einer ganzen Reihe wichtiger Parteimitglieder. Die Demokraten nominieren ihren PrĂ€sidentschaftskandidaten offiziell bei einem Parteitag in Chicago Mitte Augst.

Die Republikaner haben ihren PrĂ€sidentschaftskandidaten Donald Trump bei einem Nominierungsparteitag in Milwaukee bereits offiziell gekĂŒrt. Biden hatte bis zuletzt immer wieder behauptet, er sei der einzige der Trump schlagen könne.

Ein Wahljahr wie keines zuvor

Schon vor dieser grĂ¶ĂŸtmöglichen Komplikation war dieses US-Wahljahr eines, das auf allen Ebenen heraussticht, vor allem mit Blick auf den republikanischen Kandidaten. Mit Trump bewirbt sich ein verurteilter StraftĂ€ter um das höchste Amt im Staat. Als erster Ex-PrĂ€sident der Vereinigten Staaten wurde der Republikaner in einem Strafverfahren schuldig gesprochen - wegen der Verschleierung einer Schweigegeldzahlung an eine Pornodarstellerin. Im Wahlkampf hat das dem 78-JĂ€hrigen bislang nicht geschadet. Es laufen noch andere Strafverfahren gegen ihn - allerdings dĂŒrfte es vor dem Wahltag in diesen FĂ€llen nicht mehr zum Prozess kommen.

Bereits das jĂŒngste US-Wahljahr 2020 war chaotisch gewesen. Trump akzeptierte seine Wahlniederlage gegen Biden damals nicht, sondern versuchte mit drastischen Mitteln, den Wahlausgang umzukehren. Sein Feldzug gipfelte damals in einem gewaltsamen Angriff seiner AnhĂ€nger auf das US-Kapitol, bei dem mehrere Menschen ums Leben kamen.

@ dpa.de