GESAMT-ROUNDUPNoch, Tabubruch

GESAMT-ROUNDUP / Noch ein Tabubruch: Trump eskaliert weiter bei LA-Protesten

10.06.2025 - 06:35:13

Als Reaktion auf Proteste gegen die US-Migrationspolitik in Los Angeles setzt PrÀsident Donald Trump auf weitere Eskalation.

Das US-Verteidigungsministerium mobilisierte auf Trumps Anweisung 2.000 zusĂ€tzliche Soldaten der Nationalgarde fĂŒr den Einsatz in der WestkĂŒstenmetropole - und 700 Marineinfanteristen der regulĂ€ren StreitkrĂ€fte. Bereits am Wochenende hatte Trump in einem höchst ungewöhnlichen und umstrittenen Schritt 2.000 Nationalgardisten mobilisieren lassen. Der Republikaner bricht mit seinem Vorgehen rechtliche und politische Tabus.

Der demokratische Gouverneur Kaliforniens, Gavin Newsom, warf Trump "Machtmissbrauch" vor und sprach von "gestörten" Fantasien eines "diktatorischen PrĂ€sidenten". Die US-Regierung ĂŒberschreite eine rote Linie. Kalifornien hat bereits Klage eingereicht gegen Trumps Entscheidung, ohne Zustimmung des Bundesstaats die Kontrolle ĂŒber die kalifornische Nationalgarde zu ĂŒbernehmen. Newsom kĂŒndigte an, auch gegen die Entsendung regulĂ€rer Soldaten nach Kalifornien vor Gericht zu ziehen.

Entsendung von regulÀren StreitkrÀften ist drastische Eskalation

Soldaten sind fĂŒr militĂ€rische EinsĂ€tze und den Krieg ausgebildet, nicht fĂŒr polizeiliche Aufgaben wie die Kontrolle von Protesten in amerikanischen InnenstĂ€dten. Dass Trump Mitglieder der regulĂ€ren StreitkrĂ€fte schickt, ist eine drastische Eskalation und Machtdemonstration - ebenso wie seine Entscheidung, Nationalgardisten gegen den Willen des zustĂ€ndigen Gouverneurs einzusetzen.

Die Nationalgarde ist eine militĂ€rische Reserveeinheit und Teil der US-StreitkrĂ€fte. In den USA hat jeder Bundesstaat seine eigene Nationalgarde, die bei Naturkatastrophen, Unruhen oder NotfĂ€llen im Inneren eingesetzt werden kann. Im Normalfall haben die Bundesstaaten die Kontrolle ĂŒber ihre Nationalgardisten. Kommt es zum Krieg oder zu nationalen NotfĂ€llen, kann der US-PrĂ€sident das Kommando ĂŒbernehmen. Davon sehen Beobachter die Lage in LA aber weit entfernt. Seit 1965 hat kein US-PrĂ€sident mehr die Nationalgarde eines Bundesstaats gegen dessen Willen ĂŒbernommen.

Auch am Montag demonstrierten Hunderte in Los Angeles

Die Proteste in Los Angeles gegen Trumps Migrationskurs gingen zwar weiter, allerdings zunĂ€chst in ĂŒberschaubarem Ausmaß. Am Montagnachmittag Ortszeit demonstrierten erneut Hunderte Menschen vor einem BundesgebĂ€ude in der Innenstadt von LA gegen die Migrationspolitik der US-Regierung. Die Proteste waren zunĂ€chst friedlich, wie ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur beobachtete. Die Demonstranten riefen Parolen und trugen Schilder, die sich gegen das Vorgehen der Einwanderungsbehörde ICE im Raum Los Angeles richteten. SpĂ€ter begann die Polizei damit, die Demonstranten zurĂŒckzudrĂ€ngen und StraßenzĂŒge rund um das GebĂ€ude zu rĂ€umen.

Einzelne Demonstranten warfen Wasserflaschen, worauf die Polizei mit dem Abfeuern von Gummigeschossen reagierte. Beamte riefen Protestierende auf, das Gebiet zu verlassen und nach Hause zu gehen. Einer der Polizisten sagte: "Es ist chaotisch, aber wir haben es unter Kontrolle."

Was die Demonstrationen in LA ausgelöst hat

Die Proteste richten sich gegen Trumps harte Einwanderungspolitik und den Einsatz von ICE-Einheiten in Wohngebieten. VerstĂ€rkte EinsĂ€tze der Einwanderungsbehörde hatten Ende vergangener Woche im Raum Los Angeles erste Proteste ausgelöst. Nach Behördenangaben wurden bei den Razzien Dutzende Menschen festgenommen, darunter nach Angaben des BĂŒros von Newsom offenbar auch MinderjĂ€hrige. Kritiker werfen Trumps Regierung vor, mit martialisch anmutenden Maßnahmen gezielt Angst zu schĂŒren.

US-Heimatschutzministerin Kristi Noem betonte im Sender Fox News, dass die Mitarbeiter von ICE - mit UnterstĂŒtzung der Nationalgarde - genau das umsetzten, was Trump versprochen habe. Der Republikaner hatte Wahlkampf gemacht mit dem Versprechen, das grĂ¶ĂŸte Abschiebeprogramm in der amerikanischen Geschichte zu starten.

Wie die Regierung ihr Vorgehen begrĂŒndet

Die US-Regierung argumentiert, es gehe bei der drastischen Reaktion auf die Proteste in LA darum, Schlimmerem vorzubeugen und die Proteste quasi im Keim zu ersticken. Tom Homan, der die Oberaufsicht ĂŒber Trumps Abschiebepolitik hat, lobte Trumps Entscheidung, zusĂ€tzlich Soldaten nach Los Angeles zu schicken. Der PrĂ€sident agiere vorausschauend und sorge dafĂŒr, dass es ausreichend Ressourcen gebe, um Leben und Eigentum zu schĂŒtzen, sagte Homan dem Fernsehsender CNN.

Nach Pentagon-Darstellung sollen die zusĂ€tzlichen 2.000 Nationalgardisten die Einwanderungsbehörde ICE unterstĂŒtzen und es den Bundesmitarbeitern zu ermöglichen, ihre Aufgaben "sicher" zu erfĂŒllen. Nach jĂŒngsten MilitĂ€rangaben befinden sich aktuell ungefĂ€hr 1.700 Nationalgardisten im Raum Los Angeles.

Die rund 700 Marineinfanteristen der regulĂ€ren StreitkrĂ€fte sollen die KrĂ€fte der Nationalgarde dabei unterstĂŒtzen, Bundesmitarbeiter und -eigentum zu schĂŒtzen, erklĂ€rte das zustĂ€ndige Regionalkommando der MilitĂ€rs. Die Soldaten seien in Deeskalation, der Kontrolle von Menschenansammlungen sowie den Regeln fĂŒr die Anwendung von Gewalt geschult.

Wie der Gouverneur vor Ort die Lage einschÀtzt

Newsom kritisierte die Mobilisierung weiterer Soldaten scharf. Der Demokrat bezeichnete den Schritt auf der Plattform X als "unamerikanisch". Marineinfanteristen sollten "nicht auf amerikanischem Boden eingesetzt werden, wo sie ihren eigenen Landsleuten gegenĂŒberstehen, um die gestörte Fantasie eines diktatorischen PrĂ€sidenten zu erfĂŒllen".

Newsom warf der US-Regierung vor, dass es nicht um die öffentliche Sicherheit gehe. "Es geht darum, das Ego eines gefĂ€hrlichen PrĂ€sidenten zu streicheln." Die AnkĂŒndigung, weitere 2.000 Nationalgardisten zu mobilisieren, bezeichnete er als leichtsinnig und sinnlos "und respektlos gegenĂŒber unseren Truppen". Die ersten 2.000 Nationalgardisten hĂ€tten weder Essen noch Wasser bekommen. "Nur etwa 300 sind im Einsatz - der Rest sitzt ungenutzt in BundesgebĂ€uden herum, ohne Befehle zu haben."

Trump rĂŒstete erst am Montag verbal ab

Die Mobilisierung Tausender weiterer Soldaten steht im Kontrast zu Äußerungen, die Trump kurz vor Bekanntwerden der Entsendung der 700 Marineinfanteristen machte. Bei einer Pressekonferenz wollte er deren Einsatz auf Nachfrage zwar nicht ausschließen. Er beteuerte aber noch am Montagnachmittag (Ortszeit), dass die Nationalgarde die Lage in der Metropole an der WestkĂŒste der USA deeskaliert und Schlimmeres verhindert habe. "Es köchelt immer noch ein bisschen, aber nicht sehr stark", sagte er zu diesem Zeitpunkt ĂŒber die Proteste. Er wolle keinen "BĂŒrgerkrieg", antwortete er auf eine entsprechende Frage eines Journalisten.

@ dpa.de