Altersarmut droht: Über 50% der Ostdeutschen unter Armutsgrenze
Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 15:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Daten der Bundesagentur für Arbeit zeigen: Trotz steigender Löhne droht vor allem Ostdeutschen die Altersarmut.
Medianentgelte steigen – aber nicht überall
Vollzeitbeschäftigte verdienten 2025 im Schnitt 4.217 Euro brutto im Monat. Das sind 203 Euro mehr als im Vorjahr – ein Plus von 5,1 Prozent. Der Gender-Pay-Gap schrumpfte leicht: Männer liegen bei 4.328 Euro, Frauen bei 4.019 Euro. Die Differenz beträgt 309 Euro.
Doch die regionalen Unterschiede sind gravierend. Hamburg führt mit 4.768 Euro, gefolgt von Baden-Württemberg (4.546 Euro) und Hessen (4.530 Euro). Schlusslicht ist Mecklenburg-Vorpommern mit 3.497 Euro. Auch Thüringen (3.508 Euro) und Sachsen-Anhalt (3.563 Euro) liegen weit zurück.
Der Bildungsgrad bestimmt das Gehalt massiv: Akademiker verdienen im Median 6.146 Euro, Beschäftigte ohne Berufsabschluss kommen auf 3.133 Euro.
Reform der Minijobs: Gastronomie schlägt Alarm
Die Bundesregierung plant einen radikalen Umbau bei geringfügigen Beschäftigungen. Der Sonderstatus von Minijobs soll weitgehend fallen. Künftig wären sie renten-, kranken- und pflegeversicherungspflichtig. Nur Schüler sollen ausgenommen bleiben. Aktuell liegt die Verdienstgrenze bei 603 Euro – basierend auf dem Mindestlohn von 13,90 Euro.
Die Branche reagiert alarmiert. Gastronomen befürchten explodierende Personalkosten und warnen vor noch mehr Personalmangel. Minijobber seien gerade in Stoßzeiten unersetzlich. Auch an Unis rechnet man mit Problemen: Tausende studentische Hilfskraftstellen wären betroffen.
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Ost-Rentner: Mehr als die Hälfte unter der Armutsgrenze
Eine Auswertung von Daten des Bundessozialministeriums zeigt eine dramatische Prognose für Ostdeutschland. Mehr als 50 Prozent der Vollzeitbeschäftigten droht nach 45 Arbeitsjahren eine Rente unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze. Diese liegt 2025 bei 1.446 Euro brutto.
Um diese Schwelle zu erreichen, bräuchte man ein Bruttomonatsentgelt von 3.771 Euro über die gesamte Karriere. Im Osten verdienen derzeit 54 Prozent der Beschäftigten weniger als 3.700 Euro. Bundesweit sind es 39 Prozent. Kritiker fordern die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Jahren zu stoppen und die Mindestsicherung auf 1.200 Euro anzuheben.
Amazon erhöht Löhne – Gewerkschaft bleibt skeptisch
Der Logistikriese Amazon zieht nach: Ab September steigen die Einstiegslöhne auf durchschnittlich 16,66 Euro pro Stunde. An 40 Standorten sind mindestens 17 Euro garantiert. Ein neues Logistikzentrum in Zweibrücken soll bis Ende 2026 rund 1.000 Jobs schaffen. Die Gewerkschaft hält dennoch an ihrer Forderung nach Tarifbindung fest.
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Beamte warten auf Besoldungsreform
Das Bundesinnenministerium bereitet eine Anpassung der Beamtenbesoldung vor – ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts macht das nötig. Ein Gesetzesentwurf wird frühestens im September erwartet. Die Kosten: rund 6,9 Milliarden Euro für Bund und Länder. Allein der Bund muss 3,39 Milliarden (2025) und weitere 3,52 Milliarden (2027) stemmen.
Solarförderung: Branche fürchtet Einbruch
Das Bundeswirtschaftsministerium plant eine Reform: Ab 2027 soll die Förderung für neue Solaranlagen bis 25 kW auf maximal 36 Monate begrenzt werden. Danach müssten die Anlagen in die Direktvermarktung. Branchenverbände warnen vor einem massiven Investitionseinbruch und drohenden Jobverlusten.
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