Altersvorsorgedepot: Neue Regeln für Millionen Sparer ab Januar
Veröffentlicht am: 26.07.2026 um 14:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das neue Altersvorsorgedepot kommt. Der Bundestag verabschiedete am 27. März 2026 ein umfassendes Reformpaket, das die private Altersvorsorge grundlegend umkrempelt. Ab dem 1. Januar 2027 soll das neue Modell die Riester-Rente ablösen. Parallel dazu gibt es die „Frühstartrente“ für Kinder – rückwirkend zum 1. Januar 2026.
Bis zu 540 Euro Zulage pro Jahr
Das Herzstück: ein kapitalmarktorientiertes Depot mit staatlicher Förderung. Sparer erhalten bis zu 540 Euro Zulage jährlich, wenn sie 1.800 Euro Eigenbeitrag einzahlen. Hinzu kommt eine Kinderzulage von 300 Euro. Die Obergrenze liegt bei 6.840 Euro pro Jahr.
Ein entscheidender Unterschied zum alten Modell: Die Verrentungspflicht fällt weg. Stattdessen ist ein Auszahlplan vorgesehen. Während der Ansparphase bleiben Erträge steuerfrei, besteuert wird erst in der Auszahlungsphase – mit dem persönlichen Steuersatz. Ein Kostendeckel von 1,0 Prozent pro Jahr soll die Gebühren transparent halten.
Erste Anbieter bereiten sich vor. Trade Republic und die Sparkassen arbeiten an Depotkonzepten. Die Sparkassen stellen Gebühren ab 95 Cent pro Order in Aussicht.
Frühstartrente: Zehn Euro für jedes Kind
Ein Novum in der deutschen Sozialpolitik: Die Frühstartrente. Bundesfinanzminister Klingbeil legte den Entwurf vor. Kinder ab dem Jahrgang 2020 erhalten vom sechsten bis zum 18. Lebensjahr monatlich zehn Euro vom Staat. Das Geld fließt automatisch in ein Altersvorsorgedepot. Eröffnen Eltern kein privates Depot, verwaltet die Bundesbank das Kapital in einem Sondervermögen.
Die langfristige Perspektive ist beeindruckend: Ohne Zuzahlungen der Eltern könnte das Kapital bis zum 65. Lebensjahr auf rund 53.000 Euro anwachsen. Zahlen Eltern zusätzlich 50 Euro monatlich ein, sind bis zu 320.000 Euro möglich.
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Kritiker sehen das anders. Vertreter des Deutschen Gewerkschaftsbundes bemängeln die geringe unmittelbare Wirkung. Der staatliche Basisbetrag ermögliche nach heutiger Kaufkraft nur eine minimale Zusatzrente. Die Kosten für den Staat: 198 Millionen Euro für 2027, steigend auf 411 Millionen Euro bis 2030.
Arbeitgeber warnen vor Milliardenkosten
Die Wirtschaft reagiert gespalten. Arbeitgeberpräsident Dulger warnte vor erheblichen finanziellen Belastungen für Unternehmen und prognostizierte zweistellige Milliardenkosten. Der Streitpunkt: die geplante Kapitalrente. Ab 2028 sieht sie eine Übergangsphase mit einem zusätzlichen Beitragssatz von zwei Prozent des Bruttoeinkommens vor – getragen von Arbeitgebern und Beschäftigten.
Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände befürchtet einen Anstieg des Gesamtbeitragssatzes zur Rentenversicherung auf 22 Prozent bis 2033. Die Forderung der Wirtschaft: eine stärkere Anhebung des Renteneintrittsalters und eine Absenkung der Beitragsbemessungsgrenze für die Kapitalrente auf etwa 52.000 Euro. Auch die geplante Streichung der Sozialversicherungsfreiheit für Minijobs steht in der Kritik.
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Was Riester-Sparer jetzt wissen müssen
Für bestehende Riester-Verträge gilt Bestandsschutz. Experten der Deutschen Rentenversicherung und der Verbraucherzentralen raten: Abwarten bis zur endgültigen Zustimmung durch den Bundesrat. Ein Wechsel lohne sich besonders bei langen Restlaufzeiten, da das neue Modell höhere Aktienquoten ermöglicht. Bei Verträgen mit geringem Guthaben empfehlen Fachberater unter Umständen einen Beitragsstopp statt eines direkten Wechsels.
Bleibt die Frage: Ist das neue Depot besser als ein klassischer ETF-Sparplan? Finanzexperten sehen den ETF-Sparplan weiterhin als flexiblere und oft kostengünstigere Alternative – sofern keine staatliche Förderung in Anspruch genommen werden kann. Die endgültige Ausgestaltung der Produkte hängt nun von der Länderkammer ab.
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