Amberlo in Deutschland: Kanzleisoftware mit beA und RVG-Abrechnung
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 06:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDas Düsseldorfer Start-up Steuerboard hat mit Kompass ein agentenbasiertes Betriebssystem für Steuerberatungskanzleien vorgestellt, das ab sofort verfügbar ist. Wie aus einem Bericht von steuerboard.com vom 14. Oktober 2026 hervorgeht, soll die Software alltägliche Arbeitsabläufe in der Steuerberatung durch spezialisierte künstliche Intelligenz unterstützen.
Die eingesetzten KI-Agenten greifen dabei direkt auf die DATEV-Daten der Kanzlei zu. Änderungen in DATEV werden nach Angaben des Unternehmens ausschließlich nach einer expliziten Freigabe durch die Kanzlei vorgenommen.
Umfassende Integrationen und Mandanten-Gedächtnis
Die Softwareplattform beinhaltet neben verschiedenen KI-Agenten und einer Chatfunktion auch spezialisierte Fähigkeiten für die Buchhaltung, den Jahresabschluss, betriebswirtschaftliche Auswertungen (BWA) sowie Mandantengespräche. Ein integriertes Mandanten-Gedächtnis soll zudem den Kontext vorangegangener Vorgänge bewahren.
Hinsichtlich der technischen Konnektivität bietet das System eine Anbindung an alle DATEV-Schnittstellen sowie an das Handelsregister. Weitere Integrationen für Microsoft Outlook und Fachverlage sollen folgen. Zudem können Kanzleien eigene Systeme über das Protokoll MCP anbinden.
Sicherheitsstandards und berufsrechtliche Vorgaben
Für den Einsatz in Kanzleien verweist Steuerboard auf die Einhaltung berufsrechtlicher und gesetzlicher Auflagen. Das System sei konform mit Paragraph 203 des Strafgesetzbuches sowie Paragraph 62a des Steuerberatungsgesetzes. Zudem ist die Lösung nach ISO 27001 zertifiziert.
Das Hosting erfolgt vollständig in Deutschland. Die verarbeiteten Daten werden nach Unternehmensangaben zu keinem Zeitpunkt für das Training von KI-Modellen verwendet. Für Medienrückfragen gibt das Start-up die Adresse hello@steuerboard.com an.
Da neue Technologien wie künstliche Intelligenz auch neue rechtliche Rahmenbedingungen schaffen, sollten Unternehmen die aktuellen Vorgaben genau kennen. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden verschafft Ihnen den Überblick über Fristen, Pflichten und Risikoklassen, den IT- und Rechtsabteilungen jetzt brauchen. EU AI Act in 5 Schritten verstehen
Parallele Entwicklungen im Kanzleisoftware-Markt
Der Vorstoß von Steuerboard reiht sich in eine wachsende Zahl spezialisierter Cloud- und KI-Lösungen für Beratungsberufe ein. Laut einem Bericht vom 15. Oktober 2026 bringt Septeo CNEE (vormals stp.one) aus Karlsruhe die Cloud-Kanzleisoftware Amberlo in einer deutschen Version auf den Markt.
Die browserbasierte Anwendung bündelt Akten, Fristen, Zeiterfassung, Abrechnung sowie das besondere elektronische Anwaltspostfach (beA) und die E-Rechnung. Zudem bestehen Schnittstellen zu Office 365, IMAP-Postfächern sowie Kalendern von Microsoft 365 und Google. Optional lässt sich das System um Legal Twin erweitern, eine berechtigungsbasierte KI, die direkt mit Akten-Dokumenten arbeitet.
Septeo CNEE verlangt für Amberlo bei jährlicher Zahlung zzgl. MwSt. pro Nutzer und Monat 28 Euro im Tarif Light, 47 Euro im Standard-Paket und 71 Euro in der Ausführung Professional. Das beA und Abrechnungen nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz sind ab Standard enthalten; ein Mandantenportal und ein Word-Add-in stehen in der Professional-Stufe bereit.
Septeo CNEE bietet einen 14-tägigen kostenlosen Test an, wobei die ersten 100 Kanzleien 20 Prozent Rabatt auf das erste Vertragsjahr erhalten. Die Daten liegen in EU-Rechenzentren nach DIN EN ISO/IEC 27001 mit TLS-Verschlüsselung, AES-256-Speicherung und einem Auftragsverarbeitungsvertrag nach Artikel 28 der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO).
Wer sich mit der Digitalisierung von Kanzleiprozessen befasst, muss neben der Software-Auswahl auch die gesetzliche Dokumentationspflicht im Blick behalten. Datenschutzexperten empfehlen diese kostenlose Excel-Vorlage, mit der Sie Ihr Verarbeitungsverzeichnis gemäß Art. 30 DSGVO zeitsparend und rechtssicher erstellen. Kostenloses Muster-Verarbeitungsverzeichnis herunterladen
Laut einem Bericht vom 14. Oktober 2026 verweist Fabian Padilla Crisol, Managing Director CNEE der Septeo-Gruppe, auf ein Team mit mehr als 1.000 Entwicklern und 30-jähriger Expertise in juristischer Software. Die Datenverarbeitung folge europäischen Vorgaben wie dem EU AI Act, der DSGVO und Verschwiegenheitspflichten.
Strategisch setzt die Gruppe auf eine zentrale Technologie- und Sicherheitsinfrastruktur bei lokalem Marktwissen vor Ort; ein Fokus liegt unter anderem auf digitalem Forderungsmanagement für Insolvenzverwalter.
