Amprion, Stromnetzschutz

Amprion-Chef fordert mehr Schutz für 180 Umspannwerke

Veröffentlicht am: 05.09.2026 um 09:11 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Amprion-Chef Christoph Müller fordert nach Angriffen auf Stromanlagen mehr Freiheiten für Schutzmaßnahmen. Im Mittelpunkt stehen strengere Regeln bei Transparenz, Drohneneinsatz und Videoüberwachung.

Amprion-Chef fordert mehr Schutz für Stromnetze
Sicherheitszaun an einer Stromanlage (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Nach Angriffen auf Stromanlagen fordert Amprion-Chef Christoph Müller von der Politik mehr Freiheiten für den Schutz der Netze. Er kritisiert vor allem Vorgaben zu Transparenz, Videoüberwachung und Drohneneinsatz.

Mehr Spielraum für Betreiber

Müller sagte der Rheinischen Post, die Wirtschaft müsse viele Angaben zu Strom- und Gasnetzen öffentlich machen und ins Netz stellen. „So machen wir es Attentätern unnötig leicht - egal, aus welcher Ecke sie kommen“, sagte er. Von der Bundesregierung wünsche er sich, dass sie die Transparenzvorschriften entschärfe.

Außerdem fordert der Amprion-Chef mehr Freiheiten beim Einsatz von Videoüberwachung und Drohnen. Drohnen könnten regelmäßig Leitungen abfliegen und überwachen, derzeit dürften sie aber nur in sehr speziellen Fällen genutzt werden.

Videoüberwachung und Drohnen

Ein Problem sei auch, dass Kameras bislang nur das eigene Gelände beobachten dürften, nicht aber die Umgebung. Müller sprach sich deshalb dafür aus, Videoüberwachung um die Anlagen herum zu erlauben. Zugleich rechnet er mit weiteren Anschlägen der jüngsten Art.

Amprion hat rund 180 Umspannwerke, darunter die Anlagen in Bergheim und Dormagen, die von den jüngsten Vorfällen betroffen waren. Müller betonte, es gebe keinen hundertprozentigen Schutz, aber die Mannschaften seien auf Bedrohungen vorbereitet und jederzeit einsatzbereit.

Die Forderung von Amprion-Chef Christoph Müller zielt auf einen bekannten Zielkonflikt: Betreiber kritischer Infrastruktur sollen ihre Anlagen besser schützen, stoßen dabei aber bei Transparenz-, Datenschutz- und Sicherheitsvorgaben an Grenzen. Gerade bei Stromnetzen ist dieser Konflikt besonders sensibel, weil schon punktuelle Sabotage oder Brandanschläge Folgekosten und Risiko für die Versorgungssicherheit erhöhen können.

Für Netzbetreiber ist der Schutz großer, vernetzter Anlagen keine reine Standortfrage. Umspannwerke, Leitungen und Schaltanlagen liegen oft weit auseinander, sind schwer permanent zu bewachen und müssen zugleich im laufenden Betrieb zugänglich bleiben. Daraus entsteht der Druck, technische Mittel wie Kameras und Drohnen stärker einzusetzen, ohne den regulären Betrieb unnötig einzuschränken.

Schutz kritischer Infrastruktur

Politisch rückt damit erneut die Frage in den Vordergrund, wie weit der Staat bei kritischer Infrastruktur mehr Überwachung erlaubt, wenn private Betreiber zugleich für Sicherheit und Versorgung verantwortlich sind. In der Praxis geht es nicht nur um einzelne Anlagen, sondern um Standards für ganze Netze, die angesichts der Energiewende ohnehin stärker belastet und digitaler werden.

Mögliche Folgen

Sollten Bund und Länder die Rahmenbedingungen lockern, könnte das die Lage für Netzbetreiber spürbar verändern: mehr Kontrolle im Umfeld von Anlagen, schnellere Erkennung von Verdachtsmomenten und mehr Handlungsspielraum bei Vorfällen. Zugleich würde jede Lockerung die Debatte über Datenschutz und Überwachung neu beleben, weil die Grenze zwischen Schutz und Eingriff in öffentliche Räume dann präziser gezogen werden müsste.

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