Abnehmer dringend gesucht: Strom 2024 hÀufiger Ramschware
02.03.2025 - 05:00:42Strom ist in Ăberangebot-Phasen auf dem deutschen Markt voriges Jahr an der Börse hĂ€ufiger verramscht worden. 2024 gab es 459 Stunden mit einem negativen Preis auf dem sogenannten Day-Ahead Markt. Dort wird im GroĂhandel der Strom fĂŒr den nĂ€chsten Tag gehandelt. Im Jahr zuvor waren es 301 Stunden, 2022 nur 69, wie die europĂ€ische Strombörse Epex Spot - eine Tochter der EEX in Leipzig - auf dpa-Anfrage mitteilte. Doch gab es ebenfalls deutliche PreisausschlĂ€ge nach oben. «Die VolatilitĂ€t am Strommarkt ist gestiegen», erklĂ€rte Epex-Sprecherin Maria Schubotz.Â
Negative Strompreise entstehen, wenn hohes Angebot auf geringe Nachfrage trifft - etwa bei starkem Wind an Feiertagen. Dann erhalten KĂ€ufer an der Börse schon mal Geld, wenn sie kurzfristig Strom abnehmen. 2024 lag der höchste Negativwert bei -135,45 Euro je Megawattstunde. Aufs Gesamtjahr gesehen machten Zeiten mit negativem Strompreis etwa fĂŒnf Prozent aus.Â
Kurzfristige Preisschwankungen nehmen zu
Deutlich stĂ€rkere AusschlĂ€ge gab es an der Börse in die andere Richtung. 379 Mal habe der Börsenpreis die Marke von 150 Euro ĂŒberschritten, 21 Mal lag er sogar ĂŒber 500 Euro. Das entspreche einem Anteil von 4 beziehungsweise 0,2 Prozent, hieĂ es.Â
«Im Zuge des Umbaus der Energieversorgung nehmen kurzfristige Preisschwankungen zu», erklĂ€rte Schubotz. Insgesamt ist der Strompreis am Day-Ahead Markt fĂŒr Deutschland 2024 zuletzt gesunken. Der Durchschnitt lag bei 79,57 Euro. Damit war der Börsenpreis zwar mehr als doppelt so hoch wie 2019 und 2020, lag aber unter den Preisen der Jahre 2021 bis 2023. 2022 war der Preis infolge der Energiepreiskrise durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine sogar im Schnitt auf 235,45 Euro hochgeschnellt.Â
Dynamische Tarife an Börsenstrompreis gekoppelt
Die Strompreise an der Börse sind GroĂhandelspreise. Verbraucher haben in der Regel feste Preise fĂŒrs gesamte Jahr mit ihrem Energieversorger vereinbart, die ihren Strom vor allem durch langfristige VertrĂ€ge beschaffen. Zudem enthĂ€lt der Endkundenpreis weitere Steuern und Abgaben. Allerdings mĂŒssen Stromversorger seit Jahresbeginn auch dynamische Stromtarife anbieten, die an den kurzfristigen Börsenstrompreis gekoppelt sind. Voraussetzung sind intelligente StromzĂ€hler, die aktuelle Verbrauchsdaten ĂŒbermitteln.Â
Das bietet nach EinschĂ€tzung von Experten Chancen und Risiken. Zwar können Verbraucher Geld sparen, wenn sie dann ihr E-Auto laden oder WĂ€sche waschen, wenn der Strom billig ist. Allerdings tragen sie auch das Risiko bei sogenannten Dunkelflauten, wenn Windkraft- und Solaranlagen kaum liefern und der Preis an der Börse in die Höhe schnellt.Â
Bei EnviaM etwa, gröĂter Energieversorger in Ostdeutschland, gibt es den dynamischen Tarif seit rund einem Jahr. Die Zahl der Kunden liege «im mittleren dreistelligen Bereich», sagte Sprecherin Cornelia Sommerfeld - bei rund einer Million Stromkunden insgesamt. In diesem Tarif habe 2024 der durchschnittliche Verbrauchspreis etwa 26 Cent pro Kilowattstunde betragen.Â
Schwankender Strompreis bietet Anreize fĂŒr InvestitionenÂ
Einsparpotenziale hĂ€tten vor allem Kunden, die auf schwankende Strompreise reagieren könnten, erlĂ€uterte Sommerfeld. Etwa wenn energieintensive Arbeiten in Zeiten mit niedrigem Strompreis verlagert und nicht benötigte GerĂ€te bei hohen Preisen gezielt abgeschaltet werden. «Das Produkt eignet sich besonders fĂŒr Kunden mit hohem Verbrauch, die ihren Stromverbrauch flexibel steuern können, zum Beispiel mit Smart-Home-Technologien.»
«Das Stromsystem befindet sich im Umbau», erklĂ€rte Schubotz. Das spiegle sich in den Schwankungen an der Börse wider, die wie eine Art Thermometer fĂŒr Angebot und Nachfrage sei. Ein wichtiger SchlĂŒssel fĂŒr mehr PreisstabilitĂ€t sei eine gröĂere FlexibilitĂ€t auf Seite der Stromverbraucher. Hier gebe es noch viel Potenzial, das ausgeschöpft werden könne. Dynamische Stromtarife schafften dafĂŒr Anreize, so Schubotz. Zugleich seien die Preisschwankungen auch Anreiz fĂŒr Investitionen etwa in Stromspeicher.







