Anbieterwechsel bei Strom: Studie sieht elf Milliarden Euro Sparpotenzial
Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 17:43 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Bundesnetzagentur verzeichnet im Oktober spürbare Preissteigerungen bei neu abgeschlossenen Energieverträgen. Die Tarife für Strom-Neukunden kletterten gegenüber September um 5,5 Prozent auf durchschnittlich 40,87 Cent pro Kilowattstunde, nachdem sie im Vormonat noch bei 38,62 Cent gelegen hatten.
Noch deutlicher fiel der Zuwachs beim Gas aus: Hier verteuerten sich Neuabschlüsse im Oktober um 10,3 Prozent auf 12,5 Cent pro Kilowattstunde im Vergleich zu 11,33 Cent im September. Parallel zu dieser Entwicklung bereiten erste große Energieversorger deutliche Preisanpassungen für Bestandskunden zum Jahreswechsel vor.
Starke Ausschläge an den Energiebörsen
Während die Stromtarife für Neukunden im Oktober anzogen, lagen die Preise für Bestandskunden bei 35,8 Cent pro Kilowattstunde nach 35,72 Cent im September. Für dynamische Stromtarife wies die Bundesnetzagentur für Oktober 44,76 Cent pro Kilowattstunde aus, was einem Anstieg um 3,21 Cent beziehungsweise 7,7 Prozent entspricht. Beim Gas zahlten Bestandskunden im Oktober 10,35 Cent pro Kilowattstunde.
An den Großhandelsmärkten machten sich die veränderten Rahmenbedingungen bereits bemerkbar. Nach Angaben der Strombörse Epex Spot lag der deutsche Day-Ahead-Strompreis im Oktober 2026 im Durchschnitt bei rund 171 Euro je Megawattstunde.
Im Vorjahresmonat hatte der Wort noch bei 82 Euro gelegen; damit markiert der Oktober den höchsten Monatswert seit Ende 2022. Ende Oktober stieg der Day-Ahead-Preis binnen weniger Tage von 13 auf mehr als 300 Euro. Auch der europäische Gaspreis überschritt Ende Oktober erstmals seit 2022 wieder die Marke von 100 Euro je Megawattstunde.
Analysten und Branchenbeobachter verweisen als Ursache unter anderem auf den Iran-Krieg und die Sperrung der Straße von Hormus, die importiertes Gas verteuern und in der Folge auch die Strompreise nach oben treiben.
Versorger kündigen Tariferhöhungen für Bestandskunden an
Die Entwicklungen an den Märkten erreichen zunehmend die Endverbraucher. EnBW kündigte an, zum 1. Januar 2027 die Tarife in der Grund- und Ersatzversorgung bei Strom um 3,3 Prozent und bei Gas um 8,4 Prozent anzuheben.
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Bei Strom beträgt der Grundpreis künftig 17,06 Euro pro Monat bei einem Arbeitspreis von 36,70 Cent pro Kilowattstunde. Im Gasbereich liegt der Grundpreis künftig bei 11,29 Euro monatlich und der Arbeitspreis bei 13,17 Cent je Kilowattstunde.
Für einen Musterhaushalt mit 2.900 Kilowattstunden Jahresstromverbrauch bedeutet dies Kosten von rund 106 Euro im Monat, ein Plus von 3,40 Euro monatlich beziehungsweise 40,80 Euro im Jahr. Ein Gashaushalt mit einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden pro Jahr zahlt künftig rund 231 Euro pro Monat, was Mehrkosten von 17,93 Euro monatlich oder 215,16 Euro jährlich entspricht.
Ein kombinierter Haushalt hat Mehrkosten von knapp 256 Euro im Jahr zu tragen. Das Unternehmen begründet die Anpassung mit einem Anstieg staatlicher Steuern, Abgaben und Umlagen um 23 Prozent – darunter die Offshore-Netzumlage – sowie gestiegenen Beschaffungskosten und höheren Netzentgelten.
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Auch der Versorger EWE hebt zum 1. Januar 2027 die Arbeitspreise in der Grundversorgung um jeweils rund 17 Prozent an. Der Strom-Arbeitspreis steigt von 29,63 auf 34,58 Cent pro Kilowattstunde brutto, während der jährliche Grundpreis von 224,80 auf 229,55 Euro klettert.
Für 2.500 Kilowattstunden Strom ergeben sich Mehrkosten von 128,50 Euro pro Jahr. Bei Gas erhöht sich der Arbeitspreis von 11,01 auf 12,90 Cent je Kilowattstunde bei einem Anstieg des Grundpreises von 278,28 auf 295,11 Euro jährlich. Bei einem Verbrauch von 15.000 Kilowattstunden entspricht dies einem Plus von rund 300 Euro pro Jahr.
Kombi-Haushalte müssen mit Mehrkosten von rund 429 Euro im Jahr rechnen. Das Unternehmen verweist darauf, dass die Terminpreise für Erdgas für 2027 zwischen Oktober 2025 und Oktober 2026 um rund 150 Prozent gestiegen seien, während sich Strom um etwa 80 Prozent verteuert habe.
Debatte um Preisunterschiede
Die Differenz zwischen den Tarifmodellen beschäftigt auch die Politik. Eine Studie der RWTH Aachen beziffert den Preisaufschlag für Strom-Bestandskunden gegenüber dem günstigsten Neukundentarif auf rund 47 Prozent beziehungsweise durchschnittlich 13 Cent pro Kilowattstunde. Ein Wechsel zum günstigsten Anbieter berge ein bundesweites Einsparpotenzial von elf Milliarden Euro pro Jahr.
Das Bundeswirtschaftsministerium sieht laut einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen dennoch keinen regulatorischen Handlungsbedarf gegen systematisch höhere Preise für Bestandskunden.
Die bestehenden Instrumente der Bundesnetzagentur seien ausreichend; eine Pflicht zur Offenlegung der Vertriebsmarge oder ein staatliches Vergleichsportal lehnt das Ministerium ab. Dies stieß auf Kritik seitens der Opposition, die ein aktiveres Vorgehen gegen die Benachteiligung langjähriger Kunden fordert.
