Trump beschwichtigt Ukraine vor Gipfel mit Putin
15.08.2025 - 17:02:39 | dpa.de(neu: Auch Hegseth und Caine fliegen nach Alaska.)
ANCHORAGE (dpa-AFX) - Vor dem weltweit beachteten Gipfeltreffen mit Kremlchef Wladimir Putin zum Ukraine-Krieg hat US-PrĂ€sident Donald Trump versichert, keine Vereinbarungen ohne Einbezug Kiews zu schlieĂen. Zwar werde er mit Putin auch ĂŒber den "Austausch" von Gebieten in der Ukraine reden, doch keine Entscheidungen treffen: "Ich muss die Ukraine die Entscheidung treffen lassen, und ich denke, sie wird eine vernĂŒnftige Entscheidung treffen. Ich bin aber nicht hier, um fĂŒr die Ukraine zu verhandeln", sagte Trump zu Reportern in der Air Force One. Trump beschrieb seine Rolle darin, Putin an den Verhandlungstisch zu bringen.
Das Treffen, das auf einem MilitĂ€rstĂŒtzpunkt in der GroĂstadt Anchorage stattfindet und in den deutschen Abend fĂ€llt, könnte Impulse fĂŒr ein mögliches Kriegsende geben. Doch in der Ukraine und bei den europĂ€ischen VerbĂŒndeten wird es vor allem mit Sorge verfolgt, auch wegen der eigenen Abwesenheit. BefĂŒrchtet wird, dass sich Trump und Putin auf Gebietsabtretungen der Ukraine an Russland verstĂ€ndigen könnten, ohne Kiew einzubeziehen. Gebietsabtretungen lehnt die Ukraine strikt ab.
Die Ukraine, die EuropĂ€er und Trump fordern eine umfassende Waffenruhe. Angreifer Russland ist bislang jedoch nicht von Maximalforderungen in dem Krieg abgerĂŒckt.
Das Land, um das es geht, fehlt
Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj, der das Treffen aus der Ferne verfolgen muss, Ă€uĂerte die Hoffnung auf ein baldiges Dreiertreffen mit Trump und Putin. Es sei Zeit, den Krieg zu beenden. Russland mĂŒsse entsprechende Schritte machen.
UnterstĂŒtzer Kiews protestierten in Anchorage gegen Putins Besuch in den USA. Russland will nach bisherigen Angaben die zu groĂen Teilen besetzten ukrainischen Gebiete Donezk und Luhansk komplett haben - und könnte dafĂŒr im Gegenzug potenziell bereit sein, sich aus anderen besetzten FlĂ€chen zurĂŒckzuziehen. Das russische Staatsfernsehen stimmt seine Zuschauer schon seit Tagen auf ein mögliches Kriegsende ein - obwohl die Kampfhandlungen weitergehen. Die ukrainischen StreitkrĂ€fte griffen die strategisch wichtige russische Ălindustrie und die westrussische Stadt Kursk mit Kampfdrohnen an.
Trump holt Putin aus der Isolation
Mit der Einladung in die USA holt Trump Kremlchef Putin noch ein deutliches StĂŒck weiter aus der Isolation des Westens. Putin reiste ĂŒber Magadan im Osten Russlands Richtung USA, Trump startete in Washington. Im Flugzeug nannte er Putin einen "klugen Kerl". Beide MĂ€nner respektierten sich sehr, sagte der Republikaner.
Der US-PrĂ€sident hatte sich in den letzten Jahren immer wieder anerkennend und respektvoll gegenĂŒber Putin geĂ€uĂert, der Russland mit harter Hand zunehmend autoritĂ€r regiert. Nach Treffen in seiner ersten Amtszeit hatte Trump immer wieder Standpunkte von Putin ĂŒbernommen. In den vergangenen Wochen hatte er allerdings auch mehrfach Frustration ĂŒber Putin geĂ€uĂert und dessen Bereitschaft fĂŒr Friedensverhandlungen infrage gestellt.
Trump betonte auf dem Weg nach Alaska auch das wirtschaftliche Interesse Russlands an den USA. Eine Zusammenarbeit werde es ohne Frieden in der Ukraine aber nicht geben. Wenn Putin keinen Deal wolle, drohten schwere wirtschaftliche Konsequenzen.
Lawrows Outfit erregt Aufsehen
Mit Trump reisen unter anderem AuĂenminister Marco Rubio, Finanzminister Scott Bessent sowie Handelsminister Howard Lutnick. Verteidigungsminister Pete Hegseth und Generalstabschef Dan Caine werden nach Angaben des Pentagons ebenfalls in Alaska mit dabei sein.
An Putins Seite wird unter anderem Chefdiplomat Sergej Lawrow sitzen. Dieser sorgte vor dem Gipfel mit seiner provokanten Kleiderwahl fĂŒr Aufsehen: Unter einer schwarzen Daunenweste trug er einen weiĂen Pullover mit den Buchstaben CCCP, der russischen AbkĂŒrzung fĂŒr Sowjetunion. Russische Medien debattierten, ob dies als Witz fĂŒr die Amerikaner oder als bedrohliche Geste gegen andere frĂŒhere Sowjetrepubliken gemeint war. Der russischen FĂŒhrung wird immer wieder vorgeworfen, das Sowjet-Imperium neu errichten zu wollen.
EuropÀer wollen erst Waffenruhe
Auf Initiative von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) versuchten die europĂ€ischen VerbĂŒndeten der Ukraine in den Tagen vor dem Gipfel, eine gemeinsame Linie mit den USA zu finden. Zu den Forderungen aus Europa, die Merz vorab aufgelistet hatte, gehört, dass die Ukraine bei einem Folgetreffen mit am Tisch sitzen mĂŒsse. Vor dem Beginn von Verhandlungen sei eine Waffenruhe notwendig. Wenn ĂŒber Territorialfragen gesprochen werde, mĂŒsse der derzeitige Frontverlauf Ausgangspunkt sein, hieĂ es. Eine völkerrechtliche Anerkennung russischer Eroberungen schloss Merz aus.
Zudem brauche die Ukraine Sicherheitsgarantien und mĂŒsse eine starke Armee behalten. Bei der Schalte zwischen Selenskyj, den europĂ€ischen VerbĂŒndeten und Trump zeigte sich der US-PrĂ€sident nach dpa-Informationen dazu bereit, dass sich die USA an Sicherheitsgarantien fĂŒr die Ukraine auĂerhalb der Nato beteiligen. Auf der Reise nach Anchorage zeigte sich der US-PrĂ€sident offen fĂŒr Sicherheitsgarantien, die aber zusammen mit den europĂ€ischen Staaten verfolgt werden mĂŒssten. Unklar ist aber, wie die Garantien aussehen sollen.
"Gelegenheit, einem Waffenstillstand zuzustimmen"
Merz rief Putin kurz vor dem Treffen zu Ernsthaftigkeit auf. "Wir erwarten von PrÀsident Putin, dass er das GesprÀchsangebot von PrÀsident Trump ernst nimmt und nach dem Treffen in Alaska ohne Bedingungen in Verhandlungen mit der Ukraine eintritt", sagte Merz laut Mitteilung. Dreieinhalb Jahre nach dem völkerrechtswidrigen Angriff auf die Ukraine habe Russland heute die Gelegenheit, einem Waffenstillstand zuzustimmen und die Feindseligkeiten einzustellen.
Mit Blick auf einen möglichen "Gebietstausch" betonte der Kanzler, territoriale Fragen könnten nur mit dem EinverstÀndnis der Ukrainer entschieden werden. Er stehe weiter mit dem US-PrÀsidenten zu den Forderungen in Kontakt.
Treffen als Vorstufe?
Der US-PrÀsident setzt auf ein potenzielles zweites Treffen und stellt das jetzige als eine Art Vorstufe dar. Putin und Selenskyj sollten dann aus Sicht der US-Seite zusammenkommen. "Das zweite Treffen wird sehr, sehr wichtig sein - denn das wird das Treffen sein, bei dem sie einen Deal machen", sagte Trump.
Trump selbst dĂ€mpfte die Erwartungen an den Gipfel mit Putin. Er rĂ€umte Zweifel daran ein, dass sein GesprĂ€ch zu einer sofortigen Waffenruhe fĂŒhren werde. Und er schloss nicht aus, dass das Treffen ergebnislos bleibt. Trump schrĂ€nkte auch ein, dass es ein zweites Treffen nur geben könne, wenn die erste Begegnung gut verlaufe.
Zuletzt hatte Trump Putin mit "sehr schwerwiegenden Konsequenzen" gedroht, wenn sich Putin einem Ende von Kampfhandlungen nach dem Treffen verweigern sollte. Was genau er meinte, sagte er nicht. Zuletzt hatte er ĂŒber angedrohte Zölle Druck auf Handelspartner, die ĂlgeschĂ€fte mit Russland machen, ausgeĂŒbt. Weiter besteht die Möglichkeit, dass sich die USA ganz aus den BemĂŒhungen um ein Ende des Ukraine-Kriegs zurĂŒckziehen.
Treffen ist fĂŒr Putin ein Erfolg
Putin Ă€uĂerte sich zuletzt lobend ĂŒber die US-Regierung. Sie unternehme "recht energische und aufrichtige Anstrengungen", um die KĂ€mpfe in der Ukraine zu beenden und zu Vereinbarungen zu kommen, die im Interesse aller beteiligten Seiten lĂ€gen. Gleichwohl hatte er selbst immer wieder harte Bedingungen gestellt fĂŒr eine Waffenruhe - darunter etwa der Stopp westlicher Waffenlieferungen an die Ukraine. Möglich ist, dass Putin eine Teilwaffenruhe fĂŒr Luftangriffe auf Energieanlagen vorschlĂ€gt.
Seit Februar 2022 fĂŒhrt Russland einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. FĂŒr Putin ist das Aufeinandertreffen mit dem US-PrĂ€sidenten so oder so schon ein Gewinn: Trump holt ihn auf die WeltbĂŒhne zurĂŒck. Und Trump inszeniert sich in seiner zweiten Amtszeit seit Januar immer wieder als Friedensstifter. Er will den Friedensnobelpreis bekommen. Im Wahlkampf hatte er immer wieder betont, er werde den Krieg beenden. Seit Putins Angriffskrieg hatte sich kein US-PrĂ€sident mehr mit ihm getroffen.
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