NordlĂ€nder pochen auf Bundesförderung fĂŒr Klimaprojekte
30.11.2023 - 17:50:04Gemeinsam mit den Spitzen von UnternehmensverbĂ€nden und Gewerkschaften beschlossen die Regierungschefs am Donnerstag in Hamburg ein Positionspapier zur StĂ€rkung der Industrie und Beschleunigung der Energiewende. "Das Strompreispaket der Bundesregierung und die Zusagen des Bundes zur Förderung von Innovationsprojekten mĂŒssen umgesetzt werden", sagte Hamburgs BĂŒrgermeister Peter Tschentscher (SPD) nach dem Energiekonvent der Konferenz Norddeutschland auf dem GelĂ€nde des Kupferherstellers Aurubis DE0006766504.
Der Norden sei fĂŒr eine erfolgreiche Energiewende besonders gut aufgestellt, sagte Niedersachsens MinisterprĂ€sident Stephan Weil (SPD). "Aber damit wir gleichzeitig ein wichtiger Standort der Grundlagenindustrie bleiben, ist ein BrĂŒckenstrompreis fĂŒr energieintensive Unternehmen unverzichtbar."
Schleswig-Holstein halte an seinem Ziel fest, bis 2040 klimaneutral zu werden, sagte der Leiter der Kieler Staatskanzlei, Dirk Schrödter (CDU). Jetzt sei der Bund gefordert. "Die bisherigen Ziele sind ambitioniert, aber notwendig, damit Deutschland weiterhin wettbewerbsfĂ€hig bleibt." Der Chef der Schweriner Staatskanzlei, Patrick Dahlemann (SPD), betonte: "Aus Sicht von Mecklenburg-Vorpommern ist es besonders wichtig, dass es beim Aufbau eines nationalen Wasserstoffnetzes auch eine West-Ost-Anbindung gibt, die unser Land mit seinen HĂ€fen an der OstseekĂŒste mit den anderen NordlĂ€ndern verbindet."
Das Bundesverfassungsgericht hatte der Bundesregierung am 15. November verboten, ursprĂŒnglich fĂŒr Corona-MaĂnahmen vorgesehene Kredite von rund 60 Milliarden Euro fĂŒr den Klimaschutz umzuwidmen. Dadurch sind zahlreicher Projekte aus dem Klima- und Transformationsfonds des Bundes in Frage gestellt. Tschentscher rĂ€umte ein, dass es eine ziemliche Aufgabe sei, die Vorgaben des Gerichts in ein finanzpolitisches Konzept umzusetzen. Aber gemachte Zusagen mĂŒssten eingehalten werden.
Es gehe um Hunderte Millionen, insgesamt sogar Milliarden von Euro, sagte Tschentscher. Er verneinte aber, dass die NordlĂ€nder Maximalforderungen stellten: "Maximalforderungen wĂ€ren nochmal zehn Milliarden fĂŒr wichtigste Infrastrukturinvestitionen." Der Energiekonvent habe eher zu einer Minimalposition gefunden. "Die Dinge, die schon geplant, beschlossen und zugesagt sind, die dĂŒrfen jetzt nicht abgesagt werden", sagte der Hamburger BĂŒrgermeister.
Der PrĂ€ses der Industrie- und Handelskammer Hamburg, Norbert Aust, und die Vorsitzende des DGB Nord, Laura Pooth, hoben hervor, dass Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften einen Schulterschluss gefunden hĂ€tten. Zugleich wurden unterschiedliche Ansichten deutlich. Pooth forderte die Aussetzung der Schuldenbremse im Bund in diesem und im nĂ€chsten Jahr. Es mĂŒsse ein Sondervermögen wie fĂŒr die Bundeswehr geben. Die Schuldenbremse sei eine Innovations- und Zukunftsbremse.
Aust bezeichnete solche Forderungen als völlig falsches Signal. Es gebe kein Einnahme-, sondern ein Ausgabeproblem. Finanzpolitische StabilitĂ€t sei eine der wichtigsten Voraussetzungen fĂŒr wirtschaftliches Gedeihen. Auch Tschentscher lehnte eine Aussetzung der Schuldenbremse im Prinzip ab. Zwar sei die Lage fĂŒr mehrere LĂ€nder und den Bund schwierig, aber Notfallentscheidungen stellten die Schuldenbremse an sich nicht in Frage.
Bei der klimafreundlichen Transformation der Industrie in Norddeutschland sei schon viel erreicht. Schon heute produzierten die energieintensiven Unternehmen mit einem nur halb so groĂen CO2-AusstoĂ wie im weltweiten Durchschnitt. Bei Aurubis sei eine Tonne Kupfer mithilfe von Wasserstoff hergestellt worden.
Aurubis-Vorstandschef Roland Harings sagte, das Unternehmen könne Wasserstoff sowohl in der Kupferherstellung als Prozessgas als auch zur WÀrmeerzeugung beim Schmelzen und Verarbeiten von Kupfer einsetzen.
Vor gut einem Jahr hatte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (GrĂŒne) bei Aurubis eine erste Testlieferung von sogenanntem blauen Wasserstoff aus den Vereinigten Arabischen Emiraten in Empfang genommen. Im MĂ€rz 2022 hatte Habeck den Aufbau einer Wasserstoffwertschöpfungskette zwischen Deutschland und den VAE vereinbart. Blauer Wasserstoff wird mithilfe von Erdgas produziert.
Im Mai oder Juni nÀchsten Jahres wolle das Unternehmen zwei Anodenöfen in Betrieb nehmen, die auch mit Wasserstoff betrieben werden könnten. Allerdings sei der Alternativbrennstoff nicht wettbewerbsfÀhig, sagte Harings. Wasserstoff sei allerdings drei- bis viermal teurer als Erdgas. Eine Erhöhung des CO2-Preises werde daran nichts Àndern, denn der gelte nur in der EU.

