Politologe: CDU steht vor Brandmauerdebatte
02.09.2024 - 05:51:43Dies wĂŒrde aber auch zwangslĂ€ufig die Diskussion ĂŒber die Brandmauer nach rechts, zur AfD, neu entfachen, sagte der Experte von der Ruhr-UniversitĂ€t Bochum. "Wenn man an der einen Brandmauer anfĂ€ngt zu ĂŒberlegen, dann wird man an der anderen Brandmauer auch diskutieren mĂŒssen."
Patt-Situation in ThĂŒringen
Die Landtagswahl in ThĂŒringen hatte am Sonntag eine Patt-Situation hervorgebracht. Die einzige Hoffnung auf eine politisch machbare Mehrheit schien zunĂ€chst eine Koalition aus CDU, BSW und SPD, doch im Laufe des Abends reichte es dafĂŒr nicht mehr. Demnach ist keine Koalition ohne Mitwirkung der AfD oder der Linken von MinisterprĂ€sident Bodo Ramelow möglich. Allerdings verbietet der CDU ein Unvereinbarkeitsbeschluss jeweils eine Koalition mit der einen oder der anderen Partei.
ThĂŒringens CDU-Chef Mario Voigt habe erkennbar auf eine CDU-gefĂŒhrte Koalition mit dem neuen BĂŒndnis Sahra Wagenknecht (BSW) gesetzt, sagte Lembcke. Dieser Plan sei nun knapp gescheitert. Voigts CDU war bei der Wahl auf Platz zwei hinter der AfD gelandet. Lembcke wies darauf hin, dass Ramelow lĂ€nger schon fĂŒr eine Ăffnung der CDU zu seiner Linken geworben hat. Die Alternative wĂ€re eine Unregierbarkeit in dem Bundesland oder eine Minderheitsregierung - von der Linken toleriert. WĂ€hlt Voigt die Minderheitsregierung, wĂŒrde er sich aus Lembckes Sicht noch stĂ€rker in eine AbhĂ€ngigkeit zur Linken begeben - und sich bei Entscheidungen erpressbar machen.
Experte sieht ZĂ€sur in Parteienstruktur
Lembcke, der viele Jahre an der Friedrich-Schiller-UniversitĂ€t in Jena gearbeitet hat, sieht in den beiden Landtagswahlen in Sachsen und ThĂŒringen eine ZĂ€sur in der Parteienstruktur Deutschlands. "Das ostdeutsche Parteiensystem - in ThĂŒringen und in Sachsen - ist einfach ein grundsĂ€tzlich anderes als im Westen", sagte Lembcke. Die bereits vorhandenen Unterschiede seien mit diesen Wahlen vertieft worden. "Diese Wahl war eine Wutwahl gegen eine westdeutsch geprĂ€gte Parteienlandschaft und gegen die Ampel", sagte Lembcke. Die beiden Wahlen seien aber auch wegweisend, weil sich ein neues dreigliedriges Parteiensystem entwickelt habe - aus AfD, CDU und BSW. "Da verfestigt sich etwas", sagte er. An die Stelle der Linken sei das BSW in dieser Rolle getreten.

