Koalitionsverhandlungen gehen in neue Phase
24.03.2025 - 19:38:00 | dpa.deEs komme jetzt auf die nĂ€chsten Wochen an, und es werde deswegen auch keinen Zeitdruck geben, sagte CDU-GeneralsekretĂ€r Carsten Linnemann zum Fahrplan der Koalitionsverhandlungen fĂŒr die kommenden Wochen. Das sĂ€hen CSU und SPD ebenso.
Zugleich pochte der CDU-Mann auf einen Kurswechsel in zentralen Politikfeldern wie der EindĂ€mmung der Migration, der Wirtschaftspolitik sowie der Sozialpolitik mit Ănderungen beim BĂŒrgergeld. Es gelte: "Kein Weiter so. Daran halten wir fest."
Der SPD-Vorsitzende Lars Klingbeil nannte es "völlig normal", dass es an der einen oder anderen Stelle noch "knirscht". Er verwies darauf, dass es schon in Sondierungsverhandlungen gelungen sei, Kompromisse zu finden. "Es geht jetzt ĂŒberhaupt nicht darum, wer setzt sich wo durch, welche TrophĂ€en werden gesammelt. Sondern es geht um eine gemeinsame Verantwortung, die wir fĂŒr unser Land haben", sagte Klingbeil. Er sei "guter Dinge", dass man gemeinsam einen Koalitionsvertrag zustande bringen werde.
Neue Phase der Koalitionsverhandlungen
Die erste Phase der Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD ist beendet. Die 16 Arbeitsgruppen haben bis 17 Uhr fristgerecht ihre TextvorschlĂ€ge fĂŒr einen Koalitionsvertrag bei der Steuerungsgruppe eingereicht, wie Klingbeil vor einer Sitzung der SPD-Bundestagsfraktion sagte. Nun soll die Spitzenrunde mit den vier Parteichefs und 15 weiteren UnterhĂ€ndlern die noch offenen Fragen klĂ€ren.
In den nĂ€chsten Tagen wird das Material der Arbeitsgruppen zunĂ€chst gesichtet und zusammengefĂŒhrt. Alles, wozu noch keine Einigkeit erzielt ist, soll in der neuen Woche dann im kleineren Kreis besprochen werden. Mitte dieser Woche soll ein Zeitplan fĂŒr das weitere Vorgehen vorgestellt werden.
Ob die Regierungsbildung noch vor Ostern abgeschlossen werden kann, wollte Klingbeil nicht abschĂ€tzen. Dies war der ursprĂŒngliche Plan von CDU-Chef Friedrich Merz gewesen.
Merz sieht wachsendes Vertrauen zwischen Union und SPD
Merz bemĂŒht sich, den Eindruck tiefer Verwerfungen bei den Koalitionsverhandlungen zu zerstreuen. "Die AtmosphĂ€re wird bestĂ€ndig besser, und das Vertrauen wĂ€chst. Und dieses Vertrauen brauchen wir zueinander", wurde der voraussichtlich nĂ€chste Kanzler von Teilnehmern einer Sitzung der neuen Unionsfraktion im Bundestag mit Blick auf das persönliche Miteinander zitiert. Die Verhandlungen seien derzeit in einer völlig normalen Phase.
Aus einigen der Arbeitsgruppen gebe es ausdrĂŒcklich sehr gute Ergebnisse, sagte der CDU-Vorsitzende demnach. "An anderer Stelle mĂŒssen wir noch nacharbeiten." Man lasse sich nicht unter Zeitdruck setzen. Merz betonte: "Ich bin sehr zuversichtlich, dass uns das gut gelingt."
Der Erste Parlamentarische GeschĂ€ftsfĂŒhrer der CDU/CSU-Fraktion, Thorsten Frei, hatte zuvor betont, man werde "jetzt die offenen Punkte StĂŒck fĂŒr StĂŒck abarbeiten". "Das soll zĂŒgig passieren, aber nicht unter Zeitdruck. Es ist wichtiger, dass wir jetzt eine gute Grundlage schaffen fĂŒr eine erfolgreiche Regierung fĂŒr Deutschland."
Uneinigkeit in zentralen Fragen
FĂŒr die Arbeitsgruppen war Stillschweigen ĂŒber das Fortschreiten der Verhandlungen und die Ergebnisse vereinbart worden, woran sich die rund 260 Verhandler auch weitgehend hielten. GröĂere Differenzen gab es dem Vernehmen nach zu den Themen Steuern, Sozialpolitik und EindĂ€mmung der irregulĂ€ren Migration. Umstritten war etwa auch die von der SPD geforderte Legalisierung von SchwangerschaftsabbrĂŒchen in den ersten zwölf Wochen.
Ăbereinstimmung in verschiedenen Punkten
Zumindest in der Zielbeschreibung war man sich in der Gruppe einig, die sich mit Staatsmodernisierung und BĂŒrokratieabbau beschĂ€ftigt hat. Generelle Einigkeit besteht nach Angaben aus Teilnehmerkreisen etwa auch, was die Notwendigkeit angeht, das Bundespolizeigesetz zu reformieren, eine rechtssichere Verpflichtung zur Speicherung von IP-Adressen zu schaffen und - wie von der EuropĂ€ischen Union gefordert - MaĂnahmen zum Schutz von Einrichtungen der kritischen Infrastruktur festzulegen.
FĂŒhrende CDU-Politiker bestehen auf Politikwechsel
Angesichts der stockenden Verhandlungen mit der SPD bestehen fĂŒhrende Unionspolitiker auf der im Wahlkampf versprochenen Wende in der Migrations- und Wirtschaftspolitik. "Wir brauchen einen Politikwechsel in der Migrationspolitik, insbesondere auch in der Wirtschaftspolitik, damit die Jobs wieder sicher sind", sagte Nordrhein-Westfalens MinisterprĂ€sident Hendrik WĂŒst in Berlin vor Beratungen der CDU-FĂŒhrung.
ThĂŒringens MinisterprĂ€sident Mario Voigt (CDU) erklĂ€rte: "Die Menschen haben bei der Bundestagswahl VerĂ€nderung gewĂ€hlt und nicht ein Weiter so." Alle Verhandlungspartner mĂŒssten "begreifen, dass es wirklich ein fokussiertes Angehen der Alltagssorgen der Menschen braucht".
Um Ministerien und Personalien geht es erst zum Schluss
Erst wenn die inhaltlichen Fragen weitgehend geklĂ€rt sind, soll entschieden werden, wie der kĂŒnftige Zuschnitt der Ministerien aussieht und welche Partei welchen Posten besetzen darf. Spekuliert wird weiter ĂŒber eine etwaige Eingliederung des Entwicklungsministeriums ins AuswĂ€rtige Amt.
Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - trading-notes lesen ist besser!
FĂŒr. Immer. Kostenlos.

