Fischereibranche, Krise

Verband: Fischereibranche steckt weiter in der Krise

12.09.2023 - 13:34:49

Anziehende Preise, Zunahme von Fischfressern und einbrechende VerkÀufe etwa bei Krabben: Die Lage in der Fischereibranche ist momentan angespannt, meint der zustÀndige Verband.

Steigende Kosten und KaufzurĂŒckhaltung haben nach Verbandsangaben die Krise der Berufsfischer an der Ost- und Nordsee verschĂ€rft. Die Preise bei Diesel und Treibstoff fĂŒr Kutter und Schiffe hĂ€tten sich erneut um 20 Prozent erhöht, sagte der PrĂ€sident des Deutschen Fischerei-Verbandes, Gero Hocker, im Vorfeld des Deutschen Fischereitags in Erfurt. Zwar springe der Bund auch in diesem Jahr mit Hilfszahlungen in Höhe von zehn Millionen Euro ein. «Das ist allerdings nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.»

Auch AusrĂŒstung, Material und Reparatur seien auf breiter Front teurer geworden, sagte Hocker. Zudem hĂ€tten die Binnenfischerei und die Aquakulturbetriebe, fĂŒr die die LĂ€nder zustĂ€ndig seien, ebenfalls unter den Kostensteigerungen zu leiden. Hinzu kĂ€me eine KaufzurĂŒckhaltung vor allem bei hochpreisigen Erzeugnissen. So sei inzwischen der Alaska-Seelachs bei den Konsumenten beliebter als der konventionelle Lachs. Fakt sei aber, dass die FischbestĂ€nde in Nord- und Ostsee zugenommen hĂ€tten und das die Mehrzahl der Produkte aus der deutschen Fischerei das zusĂ€tzliche MSC-Nachhaltigkeitszertifikat besitze.

Verkauf von Nordseekrabben eingebrochen

Bei den Nordseekrabben sei der Verkauf in den vergangenen beiden Jahren um 40 Prozent eingebrochen, sagte Verbands-VizeprĂ€sident Dirk Sander. «Die Situation der KĂŒstenfischer ist im Moment sehr schwierig, es gibt etliche Insolvenzen.» Sander wandte sich zugleich gegen EU-PĂ€ne, wonach bis 2030 die Fischerei mit Grundschleppnetzen, also Netzen die den Meeresboden berĂŒhren, verboten sein soll. Das wĂ€re das Aus fĂŒr die Krabbenfischerei in der Nordsee, sagte Sander.

Kritisch Ă€ußerte sich der Verband ferner zum Schutzstatus und zur Ausbreitung von Fischfressern wie Kormoran, Otter und Kegelrobben. «Wir haben die teilweise absurde Situation, dass in der Ostsee inzwischen mehr Dorsche von Kormoranen gefressen als von Berufsfischern gefangen werden», sagte Hocker. Im Osten der Ostsee lebten inzwischen mehr als 35.000 Kegelrobben, die fĂŒnf bis zehn Kilogramm Fisch pro Tag fressen wĂŒrden. Nötig sei nicht nur aus ökonomischen, sondern auch aus ökologischen GrĂŒnden ein Quotenmanagement bei Kormoran und Co, um die FischbestĂ€nde zu schĂŒtzen. «Der Schutz der Artenvielfalt darf nicht an der WasseroberflĂ€che aufhören», verlangte Hocker.

Verband sieht NGOs kritisch

Hierbei spielten Nichtregierungsorganisationen (NGO) eine manchmal problematische Rolle, betonte Hocker. Diese hĂ€tten es allzu hĂ€ufig zu ihrem GeschĂ€ftsmodell gemacht, Spezies in den Mittelpunkt zu rĂŒcken, die sich wahrscheinlich eher zum Spendensammeln eigneten als Tiere, die mit Schuppen und glasigen Augen unter Wasser lebten.

Der Deutsche Fischerei-Verband vertritt nach eigenen Angaben die Interessen von bis zu einer Million organisierter Fischer und Angler aus allen Sparten der deutschen Fischerei. Der Umsatz der Fangwirtschaft in der Meeresfischerei betrug 2022 laut dem Verband 187 Millionen Euro. Die Erlöse der Binnenfischerei und Fischzucht werden auf rund 100 Millionen Euro geschĂ€tzt. Bundesweit sind in der Erzeugung von Fisch- und MeeresfrĂŒchten rund 6000 Menschen beschĂ€ftigt - weitere 15.000 bis 20.000 ArbeitskrĂ€fte sind von der einheimischen Erzeugung abhĂ€ngig.

@ dpa.de