ROUNDUP, Durchbruch

Durchbruch im US-Kongress - Ukraine kann mit Milliardenhilfen rechnen

21.04.2024 - 14:45:27

Applaus und Ukraine-FÀhnchen im US-Kongress: Die Ukraine kann nach monatelangem Stillstand mit neuen Hilfen in Milliardenhöhe aus den USA rechnen.

Das US-ReprĂ€sentantenhaus billigte am Samstag mit ĂŒberparteilicher Mehrheit ein Hilfspaket von 61 Milliarden US-Dollar (57 Milliarden Euro), das auch dringend benötigte Waffenlieferungen zur Verteidigung gegen Russland enthĂ€lt. Damit ist die Parlamentskammer einer Forderung von US-PrĂ€sident Joe Biden nachgekommen. Die nötige Zustimmung des Senats steht noch aus, gilt aber als sicher. Das ReprĂ€sentantenhaus verabschiedete außerdem UnterstĂŒtzung in Milliardenhöhe fĂŒr Israel und Taiwan. Den republikanischen Vorsitzenden, Mike Johnson, könnten die Ukraine-Hilfen den Job kosten.

Die bisherigen US-MilitĂ€rhilfen fĂŒr die von Russland angegriffene Ukraine sind ausgelaufen - Kiew ist auf die UnterstĂŒtzung der Amerikaner angewiesen. Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj zeigte sich nach der Abstimmung "dankbar fĂŒr die Entscheidung, die die Geschichte auf dem richtigen Weg hĂ€lt". "Demokratie und Freiheit werden immer eine globale Bedeutung haben und niemals scheitern, solange Amerika hilft, sie zu schĂŒtzen", teilte er mit. US-PrĂ€sident Biden forderte den Senat auf, in dem seine Demokraten die Mehrheit haben, nun schnell zu handeln. Mit Abstimmungen wird ab Dienstag gerechnet. Biden kĂŒndigte an, die Hilfspakete sofort zu unterzeichnen, sobald sie auf seinem Schreibtisch landen. Vor dem Kongress in Washington versammelten sich nach der Abstimmung zahlreiche Menschen mit Ukraine-Flaggen und riefen "Danke, USA!".

Zankapfel Ukraine

Die USA gelten als wichtigster VerbĂŒndeter der Ukraine im Abwehrkampf gegen die russische Invasion. Seit Kriegsbeginn im Februar 2022 hat die Regierung von PrĂ€sident Biden militĂ€rische Hilfe im Umfang von mehr als 44 Milliarden US-Dollar fĂŒr Kiew bereitgestellt. Hinzu kommen noch weitere Milliarden an nicht-militĂ€rischer Finanzhilfe. Das nun verabschiedete Paket sieht unter anderem Mittel fĂŒr die Aufstockung des US-MilitĂ€rbestands vor. Das Geld geht somit indirekt an die Ukraine, da die USA das von Russland angegriffene Land in der Regel mit AusrĂŒstung aus ihren BestĂ€nden ausstatten. Der Rest ist fĂŒr weitere militĂ€rische UnterstĂŒtzung und Finanzhilfe in Form von Darlehen vorgesehen. Der Text dringt auch auf die Lieferung weittragender Raketensysteme vom Typ ATACMS, auf die Kiew hofft.

Etliche Republikaner lehnen weitere US-Hilfen fĂŒr die Ukraine vehement ab. Sie argumentieren, die US-Regierung sollte das Geld stattdessen fĂŒr die Sicherung der SĂŒdgrenze zu Mexiko ausgeben. Befeuert wurde diese Haltung auch immer wieder von Ex-PrĂ€sident Donald Trump, dessen AnhĂ€nger in der Partei besonders lautstark gegen die Ukraine-Hilfen wettern. Monatelang hat sich der Vorsitzende des ReprĂ€sentantenhauses, Johnson, bei dem Thema nicht bewegt und von radikalen Parteikollegen vor sich hertreiben lassen. Die Republikaner haben eine hauchdĂŒnne Mehrheit in der Kammer. Daher ist es schwierig, an ihnen vorbei ein Votum zu erzwingen. Nun war es Johnson, der die Abstimmung möglich gemacht hat. Seinen Sinneswandel begrĂŒndete er damit, auf der richtigen Seite der Geschichte stehen zu wollen.

Johnson riskiert Job

Wie gespalten die Fraktion der Republikaner ist, zeigte sich bei der Abstimmung am Samstag. Es stimmten 112 Republikaner gegen das Hilfspaket fĂŒr die Ukraine, 101 dafĂŒr. Bidens Demokraten hingegen stimmten geschlossen fĂŒr den Gesetzesentwurf. Nach der Abstimmung wedelten einige Abgeordnete im Plenum mit Ukraine-Flaggen und applaudierten. Sie wurden vom Sitzungsleiter zur Ordnung gerufen. Johnson kritisierte die Abgeordneten und sagte: "Wir sollten nur mit einer Flagge im Plenum wedeln." Die glĂŒhende Trump-AnhĂ€ngerin Marjorie Taylor Greene gab sich entrĂŒstet ĂŒber die Abstimmung und die Flaggen im Plenum. "Ich denke, jeder Amerikaner in diesem Land sollte wutentbrannt sein", sagte die stramm rechte Abgeordnete.

Greene hatte im MĂ€rz einen ersten Antrag fĂŒr Johnsons Abwahl eingereicht, spĂ€ter schlossen sich zwei weitere Abgeordnete der Partei an. Bisher hat sie ein Votum ĂŒber Johnsons Abwahl nicht forciert. Johnson dĂŒrfte nun zumindest kurzfristig aufatmen, denn die 49-JĂ€hrige machte am Samstag deutlich, dass sie vorerst die FĂŒĂŸe stillhalten werde. Johnsons Verhalten nannte sie einen "Betrug". Sollte Greene wirklich auf eine Abstimmung ĂŒber eine Abwahl bestehen, dĂŒrfte Johnson wegen der knappen Mehrheit seiner Fraktion auf die Stimmen der Demokraten in der Kammer angewiesen sein, um seinen Job zu behalten.

Der 52-JĂ€hrige hatte das Amt, das in der staatlichen Rangfolge der Vereinigten Staaten an dritter Stelle nach dem PrĂ€sidenten und dessen Vize kommt, erst vor rund einem halben Jahr ĂŒbernommen. Seinem VorgĂ€nger Kevin McCarthy hatten die Demokraten die UnterstĂŒtzung verwehrt. Er wurde Anfang Oktober in einer historischen Abstimmung aus dem Amt gejagt. Dieses Mal könnten die Dinge anders liegen, weil Johnson den Demokraten mit der Abstimmung ĂŒber die Ukraine-Hilfen entgegengekommen ist. In Johnsons eigener Fraktion sind Abgeordnete wie Greene in erster Linie darauf aus, Chaos zu stiften. Das Verabschieden von Gesetzen scheint fĂŒr viele nicht unbedingt PrioritĂ€t zu haben.

Auch Hilfen fĂŒr Israel und Taiwan

Deshalb ist beachtenswert, dass nun neben den Ukraine-Hilfen noch weitere EntwĂŒrfe die Kammer passiert haben. Ein Text sieht gut 26 Milliarden US-Dollar fĂŒr Israel vor. Einerseits sollen damit zum Beispiel Israels Raketenabwehr und die laufenden MilitĂ€roperationen der USA in der Region finanziert werden. Andererseits sind davon rund 9 Milliarden US-Dollar fĂŒr humanitĂ€re UnterstĂŒtzung gedacht, darunter fĂŒr die Menschen im Gazastreifen und in anderen Regionen. Ebenfalls gebilligt sind rund 8 Milliarden US-Dollar an UnterstĂŒtzung fĂŒr Taiwan und den Indopazifik-Raum und ein Text, der einen Verkauf der chinesischen Kurzvideo-App Tiktok vorsieht sowie Sanktionen gegen den Iran und die Beschlagnahmung russischer Vermögenswerte.

Zwar wurde die Hilfe fĂŒr Israel mit breiter ĂŒberparteilicher Mehrheit angenommen, doch anders als bei der Ukraine und Taiwan gab es hier auch Gegenstimmen aus den Reihen der Demokraten. Es votierten 37 Demokraten und 21 Republikaner gegen das Paket. Die USA sind wichtigste Schutzmacht Israels und unterstĂŒtzen das Land jĂ€hrlich mit MilliardenbetrĂ€gen, von denen ein beachtlicher Teil in Raketenabwehr und andere MilitĂ€rtechnik fließt. Vor allem bei den Demokraten wird Israels Verhalten im Gaza-Krieg zunehmend kritisch gesehen. Einige haben gefordert, dass weitere Hilfen an Bedingungen geknĂŒpft werden.

@ dpa.de