Arbeitgeberangebot in der Metallindustrie: 1,3 Prozent mehr Lohn erst ab Juli 2028
Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 00:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Betriebsrat von Benteler in Paderborn bewertet das vorliegende Angebot der Arbeitgeberseite in der aktuellen Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie als faktisches Nullangebot. Während die Arbeitnehmervertretung die Offerte scharf zurückweist, zieht die IG Metall Paderborn nach den jüngsten Warnstreikaktionen eine positive Zwischenbilanz.
An mehreren Standorten des Automobilzulieferers und Industriekonzerns in der Region hatten sich zuvor Hunderte Beschäftigte an Arbeitsniederlegungen beteiligt, um den gewerkschaftlichen Forderungen Nachdruck zu verleihen.
Hohe Beteiligung an den Standorten von Benteler
Die Arbeitsniederlegungen stießen an den verschiedenen Standorten des Unternehmens auf spürbare Resonanz. Beim Auftakt vor dem Benteler-Haupteingang in Paderborn-Schloß Neuhaus versammelten sich mehr als 400 Mitarbeiter aus fünf Betrieben.
Auch andere Werke schlossen sich den Aktionen an: Am Benteler-Standort in Lichtenau-Kleinenberg legten weitere 200 Beschäftigte die Arbeit nieder. Im Benteler-Werk in Warburg traten im Rahmen der regionalen Protestaktionen in Ostwestfalen-Lippe rund 300 Beschäftigte um 10 Uhr in den Warnstreik.
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Die Aktionen blieben nicht auf Benteler beschränkt. Beim Türklinkenhersteller FSB Brakel (Franz Schneider Brakel), der 400 Beschäftigte zählt, folgten die Früh- und die Spätschicht dem Aufruf der IG Metall und beendeten die Arbeit jeweils eine Stunde vor Schichtende. Für die Organisation vor Ort zeichnete Gewerkschaftsvertreter Jens Engelbrecht verantwortlich.
Weite Kluft zwischen Forderungen und Angebot
Hintergrund der Proteste sind die festgefahrenen Gespräche zwischen den Tarifparteien. Die IG Metall Nordrhein-Westfalen hatte unmittelbar nach dem Ende der Friedenspflicht die Warnstreiks seit dem 1.11.2026 aufgenommen.
Die Gewerkschaft verlangt für die Beschäftigten ein Entgeltplus von 5 Prozent bei einer kurzen Vertragslaufzeit von 12 Monaten sowie verbindliche Zusagen zur Jobsicherung. Bundesweit umfasst der Forderungskatalog der Gewerkschaft neben den 5 Prozent mehr Geld und der 12-monatigen Laufzeit auch Regelungen zur Jobsicherung und eine Gewinnbeteiligung.
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Die Arbeitgeberseite der Metall- und Elektroindustrie legte dagegen einen Entwurf vor, der eine lange Laufzeit von 26 Monaten vorsieht. Eine tabellenwirksame Entgelterhöhung von 1,3 Prozent soll demnach erst ab Juli 2028 greifen.
Vorgesehen ist zudem eine Einmalzahlung im Juli 2027, die je nach Tarifgebiet zwischen 555 und rund 800 Euro betragen soll. Diese Einmalzahlung knüpfen die Arbeitgeber jedoch an die Bedingung, dass sie ausschließlich in Betrieben mit guter wirtschaftlicher Lage ausgezahlt wird.
Bundesweite Ausweitung der Arbeitsniederlegungen
Die Gewerkschaft reagierte auf diesen Vorschlag mit einer bundesweiten Intensivierung des Drucks. Nach Angaben der IG Metall beteiligten sich in den ersten vier Tagen der Warnstreikwelle bundesweit 191.000 Beschäftigte in fast 1.000 Betrieben an den Aktionen. Bis zum Ende der Woche waren Arbeitsniederlegungen in mehr als 2.000 Betrieben angesetzt.
Die Auseinandersetzung geht unterdessen in die nächste Phase: Für Baden-Württemberg wurde die dritte regionale Verhandlungsrunde ab Donnerstag terminiert. Ob die Signale aus den Betrieben zu einer Annäherung führen, hängt maßgeblich davon ab, inwieweit die Arbeitgeberseite bei Laufzeit und prozentualer Erhöhung nachbessert.
