Arbeitsbelastung, Krankentage

Arbeitsbelastung: 119 Krankentage wegen KI-Stress und Überlastung

Veröffentlicht am: 03.08.2026 um 12:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien belegen: KI erhöht Arbeitspensum und Stress. Psychische Erkrankungen erreichen Rekordwerte, während das Handwerk von der Unsicherheit profitiert.

KI-Einsatz steigert Arbeitsbelastung und psychische Erkrankungen
Ein konzentrierter Büroangestellter vor Computerbildschirmen in einem modernen, professionell beleuchteten Büro. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der Hype um Künstliche Intelligenz verspricht Effizienz – doch die Realität sieht anders aus. Während Unternehmen massiv auf KI setzen, steigen Arbeitsbelastung und psychische Erkrankungen. Ein Widerspruch mit Folgen.

KI spart keine Zeit – sie erzeugt Mehrarbeit

Entgegen der Erwartung vieler Unternehmen führt der KI-Einsatz derzeit oft zu mehr Arbeit statt weniger. Eine Untersuchung von Prof. Wei Jiang von der Emory University belegt: Beschäftigte mit intensiver KI-Nutzung arbeiten signifikant länger. Haupttreiber sind erhöhter Konkurrenzdruck und aufwendige Kontrollaufgaben bei der Überprüfung KI-generierter Ergebnisse.

Das ManpowerGroup Arbeitsmarktbarometer für das dritte Quartal 2026 bestätigt den Trend: 49 % der Arbeitgeber sehen KI als wichtigsten Produktivitätsfaktor – noch vor Gehaltserhöhungen oder Weiterbildung. Doch der Gewinn kommt nicht bei den Beschäftigten an. Laut „Future of Jobs Report“ des Weltwirtschaftsforums planen rund 40 % der Arbeitgeber, Personal durch KI-Automatisierung abzubauen. Die Anforderungen an die verbleibenden Teams steigen parallel.

Psychische Erkrankungen auf Rekordhoch

Die Zahlen der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) zeichnen ein düsteres Bild: 2025 registrierte die Kasse knapp 119 Krankentage je 100 Versicherte wegen Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen. Das ist ein Anstieg von fast 80 % gegenüber 2017 – damals lag der Wert bei 66 Tagen. Schon 2024 waren es 112 Tage.

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Die Ursachen sind vielfältig: hohes Arbeitspensum, Überstunden und die zunehmende Entgrenzung der Arbeit durch flexible Modelle ohne klare Regeln. Eine Eurofound-Studie vom Juni 2026 zeigt: Etwa 20 % der EU-Beschäftigten werden regelmäßig außerhalb ihrer Arbeitszeit kontaktiert. 59 % fühlen sich generell gestresst. In Großbritannien summieren sich unbezahlte Überstunden auf rund 28,5 Milliarden Pfund. Die Unternehmensberatung BCG hat dafür einen eigenen Begriff geprägt: „AI Brain Fry“ – die spezifische Erschöpfung durch den Dauerbetrieb mit KI-Systemen.

Industrie unter Druck – Handwerk profitiert

Besonders hart trifft es die Industrie. Eine YouGov-Umfrage im Auftrag von Swiss Life und der IG BCE zeigt: 54 % der Beschäftigten rechnen mit weiter steigenden Anforderungen, 44 % fühlen sich bereits jetzt deutlich mehrbelastet. Kosteneinsparungen und Personalabbau sind die Hauptgründe.

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Die Unsicherheit treibt junge Menschen in andere Bahnen: Das deutsche Handwerk verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 ein Plus von 4,9 % bei neuen Ausbildungsverträgen. ZDH-Präsident Hans Peter Dittrich sieht darin eine Flucht in die krisenfeste Alternative zur drohenden Automatisierung in Büroberufen. Besonders die Generation Z sorgt sich um ihren Job – 37 % der unter 30-Jährigen befürchten, durch KI ersetzt zu werden.

Auch das Übersetzungswesen wandelt sich grundlegend. KI arbeitet bei großen Datenmengen effizient, scheitert aber an kulturellen Nuancen – vor allem in Medizin und Jurisprudenz. Da KI-Systeme zudem dazu neigen, Quellen zu erfinden, gewinnt das „Post-Editing“ als Berufsbild an Bedeutung. Die Anforderungen an Beschäftigte verschieben sich damit weiter – in fast allen Branchen.

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