Arbeitsbelastung: Norwegens Aufsicht bietet sieben kostenlose Praxisseminare
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 02:09 Uhr | Redaktion boerse-global.dePsychosoziale Risiken und arbeitsbedingte Erschöpfung rücken europaweit verstärkt in den Fokus von Gesetzgebern, Aufsichtsbehörden und Gesundheitsinstituten.
In Norwegen setzt die staatliche Arbeitsaufsicht Arbeidstilsynet in diesem Herbst auf praxisorientierte Aufklärung: Die Behörde veranstaltet eine Reihe von sieben kostenlosen Praxisseminaren in vier Städten, um Betriebe bei der Umsetzung gesetzlicher Vorgaben zu unterstützen.
Hintergrund dieser Initiative ist der norwegische Working Environment Act, in dem die rechtlichen Anforderungen an ein gesundes psychosoziales Arbeitsumfeld seit dem 1. Januar präziser definiert sind.
Seminare für Führungskräfte und betriebliche Interessenvertretungen
Das Schulungsangebot der norwegischen Aufsichtsbehörde richtet sich gezielt an Führungskräfte, Sicherheitsbeauftragte sowie Gewerkschaftsvertreter. Da die Teilnehmerplätze begrenzt sind, ist eine vorherige Anmeldung verpflichtend. Die Reihe startet mit zwei Terminen in Trondheim: Die Veranstaltung am 16. November von 12:30 bis 15:00 Uhr ist bereits ausgebucht, ein Folgetermin ist für den 30. November zur gleichen Uhrzeit angesetzt.
In Oslo finden zwei Vormittagsseminare am 26. November sowie am 1. Dezember jeweils von 09:00 bis 11:30 Uhr statt. Für Tromsø sind Termine am 3. Dezember von 12:30 bis 15:00 Uhr sowie am 15. Dezember von 12:00 bis 14:30 Uhr anberaumt. Im kommenden Jahr folgt am 19. Januar eine Veranstaltung in Bodø von 09:00 bis 11:30 Uhr. Arbeidstilsynet schließt zusätzliche Termine nicht aus.
Europäische Erhebungen belegen hohe Belastungswerte
Die Dringlichkeit präventiver Maßnahmen unterstreichen aktuelle Daten der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA). Laut der Erhebung ESENER 2024 sehen sich 56 Prozent der Organisationen im Dienstleistungssektor mit schwierigen Kunden, Patienten oder Studierenden konfrontiert, während 43 Prozent strukturellen Zeitdruck als Belastung melden.
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Zudem verweisen von der EU-OSHA zitierte Eurostat-Daten darauf, dass 45 Prozent der Beschäftigten in der Europäischen Union Risikofaktoren für ihr psychisches Wohlbefinden am Arbeitsplatz ausgesetzt sind. Laut der Umfrage OSH Pulse 2025 leiden 29 Prozent unter arbeitsbedingtem oder dadurch verschlimmertem Stress sowie unter Angstzuständen oder Depressionen.
Vor diesem Hintergrund stellte die EU-OSHA am 13. Oktober in Brüssel ihre dreijährige Kampagne für gesunde und sichere Arbeitsumgebungen für die Jahre 2026 bis 2028 vor, die dem gemeinsamen Einsatz für psychische Gesundheit am Arbeitsplatz gewidmet ist. Am 19. Oktober läutete die Europäische Woche für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit die operative Phase ein.
Die Kampagne konzentriert sich auf fünf Schwerpunkte: das Bewerten und Steuern psychosozialer Risiken, den Schutz vor Belästigung einschließlich sexueller Übergriffe sowie vor Gewalt, die Wechselwirkung physischer Gefahren mit psychischer Gesundheit, die Situation im Gesundheits- und Sozialwesen sowie Maßnahmen zur betrieblichen Unterstützung und Wiedereingliederung.
Aufklärung über Erschöpfung und Burnout-Symptome
Auf nationaler Ebene widmen sich Fachinstitutionen ebenfalls der Abgrenzung und Bewältigung arbeitsbezogener Belastungen. Das Kroatische Institut für öffentliche Gesundheit (HZJZ) erstellte ein Arbeitsheft zur Prävention und Rückfallvorsorge bei Burnout.
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Der Anstoß dazu ging von europäischen Studienergebnissen aus, nach denen sich 35 Prozent der Befragten nach Arbeitsende häufig erschöpft fühlen. Die Autoren aus dem HZJZ-Dienst für Arbeits- und Sportmedizin, Invaliditätsprävention und psychosoziale Risiken am Arbeitsplatz – Barbara Raguž Pe?ur, Petra Bekavac, Helena Koren und Vik Bubaš – ordnen diese Zahlen jedoch differenziert ein.
So nutzte die telefonische Erhebung zu Arbeitsbedingungen (EWCTS) 2024 ein unvollständiges Messraster, das allein die Erschöpfung erfasste. Ein Rückschluss, dass 35 Prozent der Beschäftigten tatsächlich an einem Burnout-Syndrom litten, sei daher nicht zulässig.
Die Weltgesundheitsorganisation stuft Burnout seit 2019 nicht als eigenständige medizinische Diagnose ein, sondern erkennt es als arbeitsbezogenes Phänomen im Kontext von chronischem Stress an. Das kroatische Arbeitsheft, das im Oktober auf einer Fachtagung zum Wohlbefinden von Beschäftigten präsentiert wurde und online zugänglich ist, stellt neben Selbsttests und Erholungswegen vor allem organisatorische Stellschrauben in den Mittelpunkt.
Dazu zählen das Arbeitspensum, transparente Rollenverteilungen, Handlungsspielräume und innerbetriebliche Unterstützung. Ergänzend dazu bietet das HZJZ eine anonyme telefonische und elektronische Beratung zu psychosozialen Risiken ohne ärztliche Überweisung an.
