Arbeitsmarkt, Millionen

Arbeitsmarkt: 4,57 Millionen ohne Berufsabschluss gefährden Wirtschaft

Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 10:41 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die IHK Dresden stellt eine dreistufige BGM-Strategie vor, um Fachkräfte zu binden und Produktionsausfälle von 49 Milliarden Euro zu reduzieren.

IHK Dresden: Neue BGM-Strategie gegen Fachkräftemangel
Eine vielfältige Gruppe von Fachkräften nimmt an einer betrieblichen Gesundheitsmaßnahme teil, die Wohlbefinden und Teamarbeit fördert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Unternehmen sollen damit Personal binden und ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken.

Der wirtschaftliche Druck bleibt hoch: Laut einer Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft führten Fachkräfte-Engpässe 2024 zu Produktionsausfällen von rund 49 Milliarden Euro. Die IHK Dresden empfiehlt Betrieben eine dreistufige Strategie: Analyse des Personalbestands, Stärkung der Mitarbeiterbindung und gezielte Gewinnung neuer Fachkräfte.

Was hinter dem Konzept steckt

Das heute vorgestellte Modell verknüpft mehrere Handlungsfelder. Dazu gehören der klassische Arbeits- und Gesundheitsschutz, betriebliche Gesundheitsförderung, Eingliederungsmanagement sowie Personal- und Organisationsentwicklung.

Unternehmen mit BGM-Strukturen profitieren von messbaren Vorteilen: geringere Fehlzeiten, höhere Motivation und stärkere Mitarbeiterbindung. Besonders kleine und mittlere Unternehmen können ihre kurzen Entscheidungswege und das familiäre Umfeld ausspielen. Unterstützung gibt es von Krankenkassen, Berufsgenossenschaften und der Deutschen Rentenversicherung.

Zahl der Ungelernten steigt dramatisch

Neue Daten der Bertelsmann-Stiftung zeigen die strukturellen Probleme am Arbeitsmarkt. Die Zahl der Beschäftigten ohne Berufsabschluss stieg von 3,76 Millionen (2017) auf 4,57 Millionen (2025). Mittlerweile haben 14 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten keine abgeschlossene Ausbildung.

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Das Risiko für diese Gruppe ist enorm: Die Arbeitslosenquote bei Ungelernten lag 2025 bei über 20 Prozent – bei ausgebildeten Fachkräften waren es nur 3,5 Prozent. Trotz eines jährlichen Zuwachses von etwa 100.000 Ungelernten beginnen pro Jahr lediglich 70.000 Menschen eine Weiterbildung. Experten sehen Chancen vor allem in den Bereichen Lager, Verkauf, Büro und Gartenbau.

Krankenstand geht leicht zurück

Aktuelle Daten der DAK-Gesundheit für das erste Halbjahr 2026 zeigen einen leichten Rückgang. Der Krankenstand sank von 5,4 auf 5,3 Prozent, die durchschnittlichen Fehltage pro Kopf von 9,9 auf 9,6.

Die psychische Gesundheit bleibt jedoch eine Herausforderung. Mit 184 Fehltagen je 100 Versicherten stiegen psychische Erkrankungen um neun Prozent – sie sind damit die häufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit. Atemwegserkrankungen gingen dagegen um 21 Prozent auf 175 Fehltage zurück. Der DAK-Chef bezeichnete die Entwicklung als erfreulich, sieht aber weiter Handlungsbedarf bei Langzeiterkrankungen. Die Bundesregierung prüft zudem die Einführung der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Tag und Möglichkeiten zur Teilkrankschreibung.

Streit um Bildungsurlaub und Bürokratie

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In Sachsen sorgt die geplante Einführung eines Bildungsurlaubs für Diskussionen. Der Landtag beschloss im Februar 2026 einen Anspruch auf drei Tage Bildungsurlaub pro Jahr ab dem 1. Januar 2027. Sachsens Arbeitgeberpräsident Jörg Brückner fordert eine Aussetzung – mit Verweis auf Deutschlands Schlusslicht-Position bei der Jahresarbeitszeit und Spitzenwerte bei Krankenstand und Urlaubsansprüchen.

Gleichzeitig will die Bundesregierung Bürokratie abbauen. Ein geplantes Programm sieht die Abschaffung bestimmter Berichtspflichten und die Ausweitung der Genehmigungsfiktion vor. Mittelständler zeigen sich skeptisch, da EU-Vorgaben unberührt bleiben. Das Ifo-Institut beziffert die jährlichen Bürokratiekosten für die deutsche Wirtschaft auf rund 150 Milliarden Euro.

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