Arbeitsmarkt: 440.000 Arbeitskräfte fehlen – Zuwanderung reicht nicht
Veröffentlicht: 14.07.2026 um 14:18 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Zwischen Juni 2014 und Juni 2025 beruhte der Zuwachs an Erwerbstätigen überwiegend auf der Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte. Ohne diesen Zuzug würde der Arbeitsmarkt heute deutlich schrumpfen.
Demografischer Wandel trifft Arbeitsmarkt
Die Bundesagentur für Arbeit (BA) zeichnet ein klares Bild: Die Zahl der Erwerbsfähigen mit deutschem Pass sank zwischen 2014 und 2024 um rund 3,9 Millionen Menschen. Gleichzeitig stieg die Gruppe der Erwerbsfähigen ohne deutsche Staatsangehörigkeit um 3,4 Millionen.
Seit 2024 wird das Beschäftigungswachstum sogar ausschließlich durch ausländische Arbeitnehmer generiert. BA-Chefin Andrea Nahles warnte zudem: Das Erwerbspotenzial wird 2026 erstmals um etwa 40.000 Personen zurückgehen. Der demografische Wandel erreicht damit eine neue Phase – die Zuwanderung kann den Rückgang der inländischen Bevölkerung nicht mehr vollständig ausgleichen.
Drittstaaten als wichtigste Quelle
Ein erheblicher Teil der neuen Arbeitskräfte stammt aus Ländern außerhalb der EU. 43 Prozent des Beschäftigungswachstums zwischen Mitte 2014 und Mitte 2025 entfielen auf Staatsangehörige aus Drittstaaten. Rund ein Drittel davon wurde durch Menschen aus Asylherkunftsländern realisiert.
Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus Syrien und Afghanistan hat sich innerhalb von fünf Jahren mehr als verdoppelt. Besonders in Branchen mit Personalmangel sind ausländische Mitarbeiter inzwischen unverzichtbar: Ihr Anteil in Engpassberufen stieg von 7 Prozent (2014) auf 14 Prozent (2025).
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Ostdeutschland: Gleiches Bild, eigene Schwerpunkte
In Sachsen waren Ende 2025 rund 154.000 Ausländer sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Knapp 28.000 davon arbeiten in Engpassberufen – Schwerpunkte sind Gastronomie (8.000), Krankenpflege (5.100) und Elektrotechnik (2.600).
Auch die Ausbildung gewinnt an Dynamik. In Sachsen-Anhalt wurden 2025 über 1.000 neue Ausbildungsverträge mit ausländischen Staatsbürgern abgeschlossen – ein Plus von 12 Prozent. Insgesamt wurden im Bundesland 10.000 neue Verträge unterzeichnet. Beliebteste Berufe unter ausländischen Jugendlichen: Verkäufer, Kfz-Mechatroniker, Fachkräfte für Lagerlogistik und Kaufleute für Büromanagement.
440.000 Arbeitskräfte fehlen – trotz Zuwanderung
Der Druck auf Unternehmen bleibt trotz Integrationserfolgen hoch. Bis 2029 müssen in Deutschland insgesamt 4,81 Millionen Arbeitsplätze neu besetzt werden. Dem steht ein Defizit von 440.000 Arbeitskräften gegenüber – weder das Bildungssystem noch die aktuelle Zuwanderung können diese Lücke schließen.
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Verschärft wird die Lage durch regulatorische Hürden. Branchenexperten warnen vor Änderungen bei Geringfügigkeitsgrenzen. Bei einem maximalen Monatslohn von 603 Euro für Minijobs bleiben netto oft nur 475 Euro übrig – knapp sieben Millionen Beschäftigte sind betroffen. Besonders das Gastgewerbe, wo über die Hälfte der Mitarbeiter als Minijobber arbeitet, sowie Einzelhandel und Pflege könnten die Personalnot dadurch noch stärker zu spüren bekommen.
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