Arbeitsmarkt-Reform, Befristungen

Arbeitsmarkt-Reform: Befristungen bis 48 Monate, Attestpflicht ab sofort

03.07.2026 - 04:20:19 | boerse-global.de

Die neue Bundesregierung beschließt umfangreiche Arbeitsmarktreformen mit längeren Befristungen und neuen Kündigungsregeln für Besserverdiener.

Schwarz-rote Koalition: Reformpaket mit 34 Maßnahmen verabschiedet
Arbeitsmarkt-Reform - Abstrakte Darstellung von Gesetzestexten und Zahnrädern, die die Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes und Arbeitsmarktes symbolisieren. 03.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Ziel: die Wirtschaft ankurbeln und den Arbeitsmarkt flexibilisieren. Besonders umstritten sind die Pläne für mehr Befristungen.

Neue Regeln für befristete Jobs in der Wissenschaft

Das Wissenschaftszeitvertragsgesetz wird novelliert. Vor der Promotion sollen Verträge mindestens drei Jahre laufen. Nach der Promotion sind Erstverträge für mindestens zwei Jahre geplant.

Die Höchstbefristungsdauer in der Post-Doc-Phase sinkt auf vier Jahre. Studentische Beschäftigte können künftig bis zu acht Jahre befristet arbeiten – länger als bisher. Die Neuregelungen treten sechs Monate nach Verkündung in Kraft. Tarifparteien dürfen abweichende Vereinbarungen treffen.

Mehr Flexibilität auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt

Bis Ende 2030 können Arbeitgeber Angestellte ohne Sachgrund bis zu 48 Monate befristen. Bisher lag die Grenze bei zwei Jahren. Statt drei sind nun bis zu sechs Vertragsverlängerungen erlaubt.

Das Paket bringt auch Erleichterungen für Hochverdiener. Wer mehr als das 1,75-Fache der Beitragsbemessungsgrenze verdient, soll einfacher gekündigt werden können. Im Gegenzug werden Abfindungen bei schnellem Jobwechsel steuerlich begünstigt.

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Telefonische Krankschreibung fällt weg

Die Koalition schafft die telefonische Krankschreibung ab – zurück zu den Regeln vor Corona. Zudem gilt ab dem ersten Krankheitstag eine Attestpflicht.

Flankierend gibt es ein Bürokratieabbau-Paket: Berichtspflichten werden pauschal aufgehoben, für bestimmte Verwaltungsverfahren greift nach vier Monaten eine Genehmigungsfiktion. In der Rentenpolitik will die Regierung bis Ende 2026 insgesamt 33 Vorschläge der Alterssicherungskommission umsetzen – darunter der Wegfall der vorzeitigen Rente ohne Abschläge.

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Geteilte Reaktionen aus Wirtschaft und Verbänden

Bundeskanzler Merz verteidigt die Maßnahmen. Es gehe darum, die Volkswirtschaft aus der Schwächephase zu führen. Der Bundesverband der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) lobt die Flexibilisierungen als notwendigen Schritt.

Die Gewerkschaften sehen das anders. Die GEW kritisiert, die Pläne schürten Misstrauen und schwächten Arbeitnehmerrechte. Auch Verdi und der DGB lehnen die Ausweitung der Befristungsmöglichkeiten ab. DIW-Präsident Marcel Fratzscher bezeichnet das Paket als Symbolpolitik. Das Ifo-Institut warnt vor negativen Folgen für die Lebensplanung junger Menschen.

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