Arbeitsplatzrisiken: 51,9 Prozent der Beschäftigten sorgen sich um die Wirtschaft
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 15:49 Uhr | Redaktion boerse-global.deBeim Deutschen Betriebsärzte-Kongress in Mainz stehen Maßnahmen zur Prävention und gesundheitlichen Aufklärung in der Arbeitswelt im Mittelpunkt der Beratungen. Fachleute und Institutionen beraten über wirksame Strategien, um Beschäftigte vor physischen wie auch psychischen Gefahren am Arbeitsplatz zu schützen.
Flankierend greifen auch Medienbeiträge wie die WDR-5-Sendung „Fit im Job: Prävention und Aufklärung“ die Anforderungen an eine moderne betriebliche Gesundheitsvorsorge auf.
Zunehmende Sorgen und psychosoziale Risiken am Arbeitsplatz
Die Tagung findet parallel zur Europäischen Woche für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz statt, die vom 19. bis zum 24. Oktober 2026 von der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) veranstaltet wird.
Die Kampagne legt einen Schwerpunkt auf psychosoziale Risiken. Gemäß der europäischen Rahmenrichtlinie 89/391/EWG sind Arbeitgeber verpflichtet, sämtliche Gefährdungen am Arbeitsplatz systematisch zu beurteilen, wozu ausdrücklich auch psychische Belastungsfaktoren gehören.
Wie stark wirtschaftliche und strukturelle Rahmenbedingungen auf Beschäftigte einwirken, unterstreichen Daten des Fehlzeiten-Reports 2026 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO).
Demnach machten sich im Frühjahr 2026 rund 51,9 Prozent der Beschäftigten viele bis sehr viele Sorgen um die allgemeine wirtschaftliche Lage. Zudem waren 8,4 Prozent in den vergangenen fünf Jahren selbst und 15,4 Prozent mittelbar über Angehörige von Arbeitslosigkeit oder Kündigungen betroffen.
Weiterhin berichteten 45,2 Prozent der Befragten von Umstrukturierungen am eigenen Arbeitsplatz oder in der Organisation, während 26,9 Prozent finanzielle Engpässe des Arbeitgebers registrierten. Fort- und Weiterbildungsangebote standen demgegenüber für 72,9 Prozent der Beschäftigten zur Verfügung.
Wer die psychischen Belastungen im Betrieb frühzeitig erkennen und rechtssicher dokumentieren möchte, kann auf praxiserprobte Hilfsmittel zurückgreifen. Diese kostenlosen Muster-Vorlagen unterstützen Sicherheitsverantwortliche dabei, Überlastungsanzeigen korrekt zu handhaben und Gefährdungsbeurteilungen nach § 5 ArbSchG zu erstellen. Sifa-Profis setzen auf diese Excel-Vorlage zur Gefährdungsbeurteilung
Spezifische Belastungen im Gesundheitswesen und der Pflege
Einen Schwerpunkt der Debatte um wirksamen Gesundheitsschutz bildet der Dienstleistungs- und Pflegesektor. Laut Daten des Bundesministeriums für Gesundheit für das Jahr 2026 sind in diesem Bereich rund 7,7 Millionen Beschäftigte tätig, was 16,7 Prozent der Gesamtbeschäftigung entspricht.
Neben physischen Risiken wie dem Bewegen schwerer Lasten oder biologischen und chemischen Expositionen sehen sich Beschäftigte in Krankenhäusern und Reha-Einrichtungen oft psychosozialen Gefährdungen ausgesetzt.
Eine Erhebung der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlpflege (BGW) aus dem Jahr 2020 zeigte, dass 76 Prozent der Beschäftigten in Allgemeinkrankenhäusern und Rehakliniken in den vorangegangenen zwölf Monaten von verbaler sexueller Belästigung oder Gewalt berichteten.
Nonverbale Vorfälle wurden von 50 Prozent genannt, körperliche Übergriffe von 47 Prozent. Drei Viertel der Betroffenen von Machtmissbrauch meldeten Vorfälle nicht; bei sexueller Belästigung lag die Meldequote bei 16 Prozent. Rund 14 Prozent der Betroffenen kündigten oder orientierten sich beruflich um.
Die systematische Erfassung von Risiken am Arbeitsplatz ist die gesetzliche Basis für einen wirksamen Arbeitsschutz und die Vermeidung von Haftungsrisiken. Dieser kostenlose Report liefert Arbeitgebern und Sicherheitsfachkräften rechtssichere Vorlagen und Checklisten, die von Aufsichtsbehörden anerkannt werden. Gefährdungsbeurteilung: So erstellen Sie GBUs, die Aufsichtsbehörden sofort anerkennen
Hinzu kommen physische Berufskrankheiten: Laut der BGW gingen im Jahr 2025 insgesamt 5.115 Verdachtsanzeigen auf berufsbedingte Hauterkrankungen ein, was 42,0 Prozent aller Verdachtsanzeigen bei der Berufsgenossenschaft ausmachte (nach 4.787 Fällen im Vorjahr). Eine arbeitsmedizinische Vorsorge ist ab täglich zwei Stunden Feuchtarbeit anzubieten und ab vier Stunden gesetzlich vorgeschrieben.
Praxisnahe Vermittlung und Vorbereitung im Arbeitsschutz
Um den Arbeitsschutz effektiv im Betriebsalltag zu verankern, empfiehlt die Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM) Betrieben, Gefährdungen über rein formale Unterweisungen hinaus durch praktische Übungen erlebbar zu machen, damit Schutzmaßnahmen routiniert eingeübt werden.
Dass eine frühzeitige Sensibilisierung greift, zeigt das DGUV Barometer Bildungswelt 2026: 91 Prozent der befragten Auszubildenden gaben an, dass Themen rund um Sicherheit und Gesundheit in der Ausbildung vermittelt wurden; 72 Prozent fühlten sich gut oder sehr gut auf die Praxis vorbereitet (unter Studierenden lag dieser Wert bei 40 Prozent).
Zu den am häufigsten registrierten Gefahrenquellen bei Auszubildenden zählten Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle mit 65 Prozent, Wegeunfälle mit 52 Prozent sowie Risiken beim Umgang mit Werkzeugen und Maschinen mit über 40 Prozent.
