Arbeitsrecht, Krankschreibungsregeln

Arbeitsrecht: 48-Monate-Befristungen und neue Krankschreibungsregeln

03.07.2026 - 03:31:27 | boerse-global.de

CDU, CSU und SPD beschließen umfassende Reformen mit Steuerentlastungen, neuen Befristungsregeln und späterem Renteneintritt.

Koalition einigt sich: Reformpaket mit flexibleren Arbeitsmärkten
Arbeitsrecht - Eine Gruppe von Geschäftsleuten diskutiert in einem modernen Büro, einige betrachten Diagramme auf einem Bildschirm. Fokus auf Zusammenarbeit und Beratung. 03.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Kern der Einigung vom Donnerstag: flexiblere Arbeitsmärkte, weniger Bürokratie und Steuerentlastungen für mittlere und geringe Einkommen. Während Wirtschaftsvertreter von einem längst überfälligen Kurswechsel sprechen, üben Arbeitnehmervertreter scharfe Kritik.

Neue Spielräume bei Befristungen

Ein zentraler Punkt: die Ausweitung der sachgrundlosen Befristung. Wer bis Ende 2030 eingestellt wird, kann künftig bis zu 48 Monate befristet arbeiten – der Vertrag darf in dieser Zeit bis zu sechsmal verlängert werden. Bisher waren die Grenzen enger gesteckt. Die Koalition verspricht Unternehmen damit mehr Planungssicherheit in volatilen Marktphasen.

Auch bei Kündigungen ändert sich etwas – allerdings nur für Spitzenverdiener. Wer mehr als das 1,75-Fache der Beitragsbemessungsgrenze verdient (aktuell rund 14.788 Euro brutto im Monat), soll künftig leichter entlassen werden können. Im Gegenzug gibt es eine Abfindungsoption. Und: Wer schnell einen neuen Job findet, profitiert von steuerlich privilegierten Abfindungen. Das soll die berufliche Mobilität fördern.

Strengere Regeln bei Krankschreibung

Die telefonische Krankschreibung wird abgeschafft. Und: Arbeitnehmer müssen ihre Arbeitsunfähigkeit künftig bereits ab dem ersten Tag nachweisen. Die Koalition spricht von einem Schritt gegen Fehlzeiten. Gewerkschaften sehen darin ein Misstrauensvotum gegen die Belegschaft.

Anzeige

Die neuen Regelungen zu Befristungen und Kündigungsoptionen erfordern eine präzise Anpassung Ihrer Vertragsdokumente. Dieser kostenlose Ratgeber liefert Ihnen 19 sofort einsetzbare Muster-Formulierungen auf dem neuesten Stand der Gesetzgebung. Rechtssichere Arbeitsverträge jetzt kostenlos erstellen

Gleichzeitig will die Regierung Unternehmen entlasten. Berichtspflichten sollen pauschal wegfallen – Ziel: jede vierte Dokumentationspflicht innerhalb eines Jahres streichen. Für kleine und mittlere Unternehmen sowie Vereine gibt es Erleichterungen bei der DSGVO. Ein Aktionsplan gegen Sozialleistungsmissbrauch soll bis Juli ausgearbeitet werden.

Steuern: Entlastung für Familien, höhere Sätze für Reiche

Das Finanzvolumen der Steuerentlastungen liegt bei rund zehn Milliarden Euro. Ab Januar 2027 steigen Grundfreibetrag, Kinderfreibetrag und Arbeitnehmerpauschbetrag. Eine Familie mit zwei Kindern und 60.000 Euro Bruttoeinkommen soll ab 2028 über 600 Euro im Jahr sparen. Das Kindergeld steigt auf 272 Euro.

Gegenfinanziert wird das unter anderem durch eine härtere Besteuerung von Spitzenverdienern. Die sogenannte Reichensteuer wird gesplittet: Ab 250.000 Euro Einkommen greifen 45 Prozent, ab 280.000 Euro steigt der Satz auf 47 Prozent. Der reguläre Spitzensteuersatz bleibt bei 42 Prozent. Zusätzlich steigt die Minijob-Pauschalsteuer von zwei auf fünf Prozent, der Handwerkerbonus sinkt von 20 auf 15 Prozent.

Anzeige

Mit der Erhöhung der Pauschalsteuer und der neuen Verdienstgrenze stehen Arbeitgeber bei Minijobs vor neuen bürokratischen Hürden. Sichern Sie sich diese rechtssichere Mustervorlage, um Ihre Verträge in wenigen Minuten gesetzeskonform zu gestalten. Kostenlose Arbeitsvertrag-Vorlage für Minijobber sichern

Rente: später in den Ruhestand

Die Koalition plant eine Kapitalrente und eine schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters über 67 Jahre hinaus. Die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren fällt weg – frühester Renteneintritt ist künftig mit 64 Jahren. Alle Empfehlungen der Alterssicherungskommission sollen bis Ende 2026 umgesetzt werden.

Geteilte Reaktionen

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger lobt den Kurswechsel. Auch Holger Schäfer vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) begrüßt die gewonnene Flexibilität. Enzo Weber vom IAB sieht in den steuerlichen Abfindungsregeln wichtige Anreize für mehr Dynamik auf dem Jobmarkt.

Ganz anders die Gewerkschaften: Verdi-Chef Frank Werneke kritisiert vor allem die neuen AU-Regelungen. DIW-Präsident Marcel Fratzscher warnt vor einer sozialen Schieflage. Ifo-Präsident Clemens Fuest nennt die Maßnahmen zwar wichtige Schritte – aber noch nicht den großen Wurf für nachhaltiges Wachstum. Der BDI sieht ein positives Signal, bemängelt aber, dass die höhere Reichensteuer die Investitionskraft von Personengesellschaften schwächen könnte.

de | wirtschaft | 69677894 |