Arbeitsschutz, DGB

Arbeitsschutz: DGB fordert Ausfallgeld bei extremer Hitze

Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 06:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Vietnams Baugewerkschaft kündigt für 2027 eine nationale Kampagne zu mehr Sicherheit am Arbeitsplatz an. Parallel fordern deutsche Gewerkschaften staatliche Hilfen bei extremer Hitze.

Vietnam plant 2027 umfassende Arbeitsschutz-Initiative mit Dialogforen
Ein gelber Arbeitsschutzhelm und Schutzhandschuhe auf Bauplänen vor einem unscharfen Hintergrund einer Baustelle. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die vietnamesische Bauarbeitergewerkschaft hat für das Jahr 2027 eine umfassende nationale Initiative vorgeschlagen, um den Arbeitsschutz und die Sicherheit am Arbeitsplatz nachhaltig zu stärken. Geplant ist eine zentrale Auftaktveranstaltung, die den Monat der Arbeiter sowie den Aktionsmonat für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz einleiten soll. Der Schwerpunkt der Initiative liegt auf der Durchführung von Dialogforen, der Anerkennung herausragender Leistungen im Bereich der Betriebssicherheit sowie breit angelegten Kommunikationskampagnen.

Fokus auf Dialog und operative Sicherheit in Vietnam

Der Vorsitzende der Gewerkschaft, Pham Hoai Phuong, hob hervor, dass Arbeitssicherheit eine ständige Anforderung an die Branche darstelle. Sein Stellvertreter Nguyen Thanh Tung betonte in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit, die Führung und Koordination innerhalb der Organisation zu festigen. Die Vorbereitungen für das kommende Jahr knüpfen an aktuelle Erfolge vietnamesischer Industriegewerkschaften an. So vermeldete die Elektrizitätsgewerkschaft EVN für das erste Halbjahr 2026 insgesamt 3.266 Initiativen von Beschäftigten. 114 Elektrizitätsarbeiter wurden für ihre Leistungen geehrt, darunter Ingenieur Pham Hieu Trung für Maßnahmen zur Betriebssicherheit. Das Preisgeld für herausragende Kollektive und Einzelpersonen belief sich auf 555,25 Millionen VND.

Auch regional werden verstärkt Formate zum Austausch etabliert. In der Provinz Ninh Bình nahmen zuletzt 100 Vertreter an einer Konferenz im Industriepark Bao Minh teil, bei der Gewerkschaftsmitglieder 21 Empfehlungen zu Themen wie Sozialversicherung und Arbeitssicherheit einbrachten. Vorsitzender Nguyen Hai Long unterstrich dabei die Bedeutung des direkten Dialogs zwischen Arbeitnehmern und Organisationen.

Deutsche Gewerkschaften fordern Anpassungen an den Klimawandel

Parallel zu den internationalen Bestrebungen rückt in Deutschland die Belastung durch extreme Wetterereignisse in den Fokus der Arbeitswelt. Yasmin Fahimi, Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), forderte Ende Juli die Einführung eines Ausfallgeldes für Beschäftigte bei extremer Hitze. Besonders betroffen seien Tätigkeiten im Freien, in der Pflege sowie bei Paket- und Einsatzkräften. Laut einer Prognos-Studie aus dem Frühjahr 2026 verursacht ein Hitzetag ab 30 Grad wirtschaftliche Kosten von 431 Millionen Euro, während ein Tag ab 35 Grad mit 984 Millionen Euro zu Buche schlage.

Unterstützung für verbindliche Mindeststandards kommt auch vom Sozialverband Deutschland (SoVD). Die Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier bezeichnete extreme Hitze als soziales Gesundheitsrisiko, das Investitionen in Kühlräume, Trinkwasserangebote und Notfallpläne in der öffentlichen Daseinsvorsorge erforderlich mache. Während der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten vorschlägt, lehnt die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) neue Verpflichtungen ab.

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Reformen beim Bürokratieabbau und neue Standards

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) hat Ende Juli ein aktualisiertes Konzept zum Bürokratieabbau im Arbeitsschutz vorgestellt. Durch die Neuordnung der Prüfpflichten für elektrische Anlagen und überwachungsbedürftige Anlagen soll die Wirtschaft jährlich um rund 1 Milliarde Euro entlastet werden. Allein die Überarbeitung der Prüffristen gemäß den Vorschriften der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) trage mit 720 Millionen Euro zur Entlastung bei.

Zeitgleich treten neue regulatorische Rahmenbedingungen in Kraft. Seit dem 1. Juni 2026 gilt für Mitgliedsbetriebe der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) eine neue Fassung der DGUV Vorschrift 2, welche die Grenze für die vereinfachte Regelbetreuung auf 20 Beschäftigte anhebt. Zudem sind digitale Betreuungsformen nun unter bestimmten Bedingungen zulässig. In der Baubranche gelten ab dem 1. August 2026 neue Ausbildungsordnungen für insgesamt 19 Berufe.

Prävention sozialer und gesundheitlicher Risiken

Neben physischen Gefahren rücken psychische Belastungen und Suchtprävention stärker in das Blickfeld der Akteure. Eine forsa-Umfrage im Auftrag der DGUV ergab, dass 25 Prozent der Beschäftigten in den vergangenen zwei Jahren Suchtmittelmissbrauch im Kollegenkreis wahrgenommen haben. Am häufigsten wurde Alkohol genannt (21 Prozent). Die DGUV fordert angesichts dieser Zahlen klarere betriebliche Regeln und eine bessere Kommunikation, da fast die Hälfte der Befragten bestehende Vorschriften nicht kenne.

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Unternehmen reagieren mit spezifischen Aktionstagen auf diese Herausforderungen. So veranstaltete der Hersteller Gelita an seinem Hauptsitz in Eberbach einen Gesundheits- und Arbeitssicherheitstag, bei dem unter anderem Stresstests und Mental-Health-Parcours angeboten wurden. International setzt sich die Kampagne „Manifest für Leben, Sicherheit und Würde am Filmset“ nach einem tödlichen Unfall in der audiovisuellen Branche für weltweit einheitliche Sicherheitsprotokolle ein.

Den wissenschaftlichen Hintergrund für die notwendigen Anpassungen liefert neue Fachliteratur. Das im Juli erschienene Praxishandbuch von Udo Weis befasst sich mit den Risiken des Klimawandels für den Arbeitsschutz und bietet Anleitungen zur Integration der ISO-Normen 45007 und 45001 in betriebliche Abläufe. Dies korrespondiert mit aktuellen Erkenntnissen des Alfred-Wegener-Instituts, wonach bei ungebremsten Treibhausgasemissionen bis Ende des Jahrhunderts rund ein Drittel der Weltbevölkerung verstärkt extremen Hitze-Dürre-Bedingungen ausgesetzt sein könnte.

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