Arbeitsschutzgesetz: Paragraph 5 verpflichtet Arbeitgeber zur Gefährdungsbeurteilung
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 23:01 Uhr | Redaktion boerse-global.deFachbeiträge unterstreichen die zentrale Bedeutung einer ergonomischen Gestaltung persönlicher Schutzausrüstung und handgeführter Maschinen für die Gesundheit, die Sicherheit sowie die Leistungsfähigkeit von Beschäftigten.
Da ergonomische Faktoren sowohl körperliche als auch psychische Dimensionen umfassen, wirkt sich die Gestaltung der Ausrüstung unmittelbar auf die Qualität der Arbeitsergebnisse aus. Insbesondere bei handwerklichen und industriellen Tätigkeiten führen wiederkehrende Belastungen andernfalls zu schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen.
Belastungen und Schutzkonzepte in Industrie und Handwerk
Typische Problemfelder zeigen sich unter anderem beim Schweißen. Hier führen Zwangslagen regelmäßig zu Verstauchungen der oberen Gliedmaßen – vor allem im Bereich von Hals und Nacken – sowie zu Schäden an der Lendenwirbelsäule und den beteiligten Gelenken. Zu den häufigsten Muskel-Skelett-Erkrankungen in diesem Berufsfeld zählen Rückenverletzungen, Schleimbeutel-, Sehnen- und Sehnenscheidenentzündungen sowie das Karpaltunnelsyndrom.
Hersteller reagieren mit anpassbaren Trage- und Schutzsystemen. Das 1986 gegründete Schweizer Unternehmen optrel mit Hauptsitz in Wattwil bietet beispielsweise das IsoFit-Kopfband an, welches sich dreidimensional in Breite, Länge und Höhe anpassen lässt und über ein Komfort-Pad aus Trikot verfügt.
Das Atemschutzsystem swiss air desselben Anbieters kombiniert dieses Kopfband in den Größen XS bis XL mit einer ultraflachen Gebläseeinheit nach dem Rucksackprinzip, um das Gewicht über Schultergurte ergonomisch auf dem Rücken zu verteilen. Auch die Systeme e3000X und suppliedair setzen auf eine solche Lastverteilung.
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Ergonomische Kriterien handgeführter Maschinen
Neben Schutzausrüstungen entscheidet die Konstruktion von Werkzeugen über das Verletzungsrisiko und die Ermüdung. Bei Multifunktionswerkzeugen mindern Merkmale wie ein weicher, rutschfester Griff, ein ausgewogener Schwerpunkt, leicht erreichbare Bedienelemente und eine Daumenablage die körperliche Beanspruchung.
Entsprechende Ausführungen, wie sie Bosch beim PMF 350 CES oder Fein beim MultiMaster einsetzen, sind in der Anschaffung zwar häufiger teurer, bieten jedoch bei langen Einsatzzeiten oder für Personen mit körperlichen Einschränkungen erhebliche Entlastung.
Beim Bandschleifen bestimmen Griffe mit rutschfesten Gummikonturen, Zweithandgriffe, eine Einhandsbedienung sowie eine wirksame Vibrationsdämpfung mit niedrigen Werten die Führungspräzision und Haltung. Zudem spielen integrierte Staubabsaugungen mit HEPA-Filtern, variable Bandgeschwindigkeiten und Schnellspannsysteme eine Rolle.
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Bei Poliermaschinen minimiert eine Kombination aus geringem Gerätegewicht und Schwingungsisolation die Langzeitfolgen: Im technischen Vergleich weist die Festool RO 150 FEQ-Plus ein Gewicht von 3,3 kg, einen Softgriff, sehr gute Dämpfung und 72 dB auf, während die Bosch GPO 14 CE bei 3,7 kg, ergonomischem Griff und guter Dämpfung 74 dB erreicht. Die Makita PO5000C wiegt 4,9 kg bei 75 dB und verfügt über einen vibrationsgedämpften Griff.
Richtlinien und ganzheitliche Gefährdungsbeurteilung
Ergonomie und Schutzfunktion müssen ineinandergreifen, um die Trageakzeptanz im Arbeitsalltag zu gewährleisten. Bei Schutzhandschuhen erleichtern eine anatomische Passform, nahtlose Gestricke und atmungsaktive Textilien das dauerhafte Tragen.
Nach DIN EN 21420 müssen Grundanforderungen erfüllt sein; Handschuhe der Risikokategorien II und III erfordern zusätzliche Piktogramme, Prüfnormen, Leistungsstufen und die CE-Kennzeichnung.
Wie Branchenexperten wie Boris Bachschijan von Mewa hervorheben, deckt ein Handschuh selten mehrere Gefährdungen zugleich ab. Die Wahl muss sich daher differenziert nach Risikoart, Schutzklasse, Material, Passform und Komfort richten.
Rechtlich sind Arbeitgeber nach Paragraph 5 des Arbeitsschutzgesetzes zu einer Gefährdungsbeurteilung verpflichtet. Für Multinorm-Schutzkleidung orientiert sich die Auswahl am SUCaM-Prinzip (Select, Use, Care, Maintenance) gemäß prCEN/TR 15321. Ergänzend können technische Hilfsmittel wie passive oder aktive Exoskelette stark beanspruchte Körperpartien entlasten, ersetzen jedoch keine grundlegenden Verbesserungen der Arbeitsbedingungen und Hebehilfen vor Ort.
