Arbeitssucht: 10% der Erwerbstätigen gefährdet, Depressionsrisiko steigt
Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 04:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz steht zunehmend im Fokus arbeitswissenschaftlicher Untersuchungen. Eine umfassende Forschungsarbeit des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), der Technischen Universität Braunschweig und der Hans-Böckler-Stiftung lieferte bereits im Jahr 2023 fundierte Daten zur Verbreitung und zu den Folgen von Arbeitssucht in Deutschland.
Die Ergebnisse dieser Analyse verdeutlichen, dass ein beachtlicher Teil der Belegschaft von zwanghaftem Arbeitsverhalten betroffen ist und welche spezifischen Gesundheitsrisiken damit einhergehen.
Zehn Prozent der Erwerbstätigen von Arbeitssucht betroffen
Die Untersuchung der drei Institutionen basierte auf einer breiten Datengrundlage von 8.000 befragten Erwerbstätigen. Im Rahmen der Auswertung wurde ersichtlich, dass das Phänomen der Arbeitssucht kein Randaspekt der modernen Arbeitswelt ist. Laut den Ergebnissen der Studie aus dem Jahr 2023 arbeiten etwa 10 % der Erwerbstätigen in Deutschland suchthaft.
Dabei unterscheidet die Forschung klar zwischen einem hohen Engagement und einer pathologischen Sucht. Während engagierte Mitarbeiter oft eine hohe Zufriedenheit aus ihrer Tätigkeit ziehen, ist das suchthafte Arbeiten durch einen inneren Zwang und den Verlust der Kontrolle über das Maß der Arbeit gekennzeichnet.
Die Kooperationspartner BIBB, TU Braunschweig und die Hans-Böckler-Stiftung wiesen darauf hin, dass dieses Verhalten weitreichende Konsequenzen für die betroffenen Personen sowie für die Unternehmenskultur haben kann.
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Zusammenhang zwischen Mehrarbeit und Depressionsrisiko
Ein zentraler Aspekt der Analyse widmet sich den gesundheitlichen Folgeschäden, die aus exzessiven Arbeitszeiten resultieren. Die Forscher identifizierten dabei eine kritische Schwelle bei der täglichen Arbeitszeitgestaltung. Den Erkenntnissen zufolge erhöht eine tägliche Mehrarbeit von drei bis vier Stunden das Risiko, an einer Depression zu erkranken, signifikant.
Diese statistische Korrelation unterstreicht die Bedeutung von Ruhephasen und einer strikten Trennung von Berufs- und Privatleben. Die Hans-Böckler-Stiftung und die beteiligten wissenschaftlichen Partner verdeutlichten durch ihre Daten, dass dauerhafte Überlastung nicht lediglich zu Erschöpfung führt, sondern tiefgreifende psychische Erkrankungen forcieren kann. Das Risiko einer depressiven Entwicklung steige demnach proportional zur Intensität und Dauer der täglichen Überschreitung der regulären Arbeitszeit.
Unterstützungsstrukturen und Prävention
Angesichts der Feststellung, dass jeder zehnte Arbeitnehmer von suchthaften Tendenzen betroffen ist, rücken Hilfsangebote und präventive Maßnahmen in den Fokus. Die Projektbeteiligten verwiesen in ihren Veröffentlichungen auf spezialisierte Anlaufstellen für Betroffene. Eine zentrale Rolle spielen hierbei die Anonymen Arbeitssüchtigen, die unter der Plattform arbeitssucht.de Unterstützung anbieten.
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Experten raten dazu, Warnsignale wie den sozialen Rückzug, das Unvermögen abzuschalten oder das ständige Kreisen der Gedanken um berufliche Aufgaben ernst zu nehmen.
Die Untersuchung des BIBB, der TU Braunschweig und der Hans-Böckler-Stiftung dient in diesem Kontext als wichtige Orientierungshilfe für Betriebe und Mediziner, um die Anzeichen von Arbeitssucht frühzeitig zu erkennen und gesundheitliche Langzeitfolgen wie Depressionen zu vermeiden. Die Daten aus dem Jahr 2023 bilden weiterhin eine wesentliche Grundlage für die Bewertung der psychischen Gefährdung in der deutschen Arbeitswelt.
