Arbeitszeit-Reform: 48-Stunden-Woche für Tarifbetriebe geplant
18.06.2026 - 19:21:47 | boerse-global.de
Ein Referentenentwurf aus dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales zur Reform des Arbeitszeitgesetzes sorgt für heftige Spannungen in der Koalition. Das 21-seitige Dokument von Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) wurde Mitte Juni 2026 bekannt.
Der Entwurf hält grundsätzlich am Achtstundentag fest, eröffnet aber Spielräume für eine Umstellung von der täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit. Diese Flexibilisierung soll ausschließlich tarifgebundenen Betrieben und Unternehmen mit Betriebsräten vorbehalten sein. In diesen Fällen darf die wöchentliche Höchstarbeitszeit im Jahresschnitt 48 Stunden nicht überschreiten.
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Verpflichtende elektronische Zeiterfassung
Ein weiterer zentraler Punkt ist die Einführung einer verpflichtenden elektronischen Arbeitszeiterfassung. Arbeitgeber müssen die geleisteten Stunden ihrer Beschäftigten lückenlos dokumentieren. Für die Umsetzung sind Übergangsfristen von bis zu fünf Jahren vorgesehen.
Die Vertrauensarbeitszeit soll erhalten bleiben – unter der Bedingung, dass der Arbeitgeber Kenntnis von Verstößen gegen Arbeitszeitvorschriften erlangt.
Union und Wirtschaft laufen Sturm
Die Pläne stießen umgehend auf geschlossene Ablehnung. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann erklärte, der Entwurf stelle „keine Grundlage für die weitere Zusammenarbeit in der Koalition“ dar. Die Union kritisiert besonders, dass die Flexibilisierung nicht allen Arbeitnehmern zugutekommt. Fachpolitiker wie Marc Biadacz und MIT-Chefin Gitta Connemann fordern eine Ausweitung der Wochenarbeitszeit auf alle Beschäftigten – unabhängig von einer Tarifbindung.
Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger fordert den sofortigen Rückzug des Entwurfs. Er wirft der Ministerin vor, gegen den Koalitionsvertrag zu verstoßen. Ähnlich sieht es der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA). Präsident Dirk Jandura betont, dass besonders kleine und mittelständische Unternehmen durch die Kopplung an Tarifverträge ausgeschlossen würden.
Rund 76 Prozent der Unternehmen sind nicht tarifgebunden. Verbände wie der Handelsverband Deutschland (HDE) und Gesamtmetall sehen in dem Vorstoß eine Belastung für den Wirtschaftsstandort.
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SPD verteidigt den Entwurf
Aus den Reihen der SPD kommt Rückhalt. Die Arbeitsmarktpolitikerin Annika Klose betont die Unverzichtbarkeit von Tarifverträgen für den Schutz der Beschäftigten. Eine Ausweitung der Arbeitszeit dürfe nicht gegen den Willen der Arbeitnehmer erfolgen.
Das Arbeitsministerium selbst bezeichnet das Papier als interne Arbeitsfassung, die sich noch in der Hausabstimmung befinde. Es sei kein finales Dokument.
Teil eines größeren Pakets
Die Reformbestrebungen sind Teil eines Pakets, das die Koalition noch vor der Sommerpause auf den Weg bringen will. Neben der Arbeitszeit umfasst es auch Regelungen zu Renten und Steuern. Der öffentlich gewordene Streit belastet die Vorbereitungen für den Koalitionsgipfel am 1. Juli 2026.
Neue Regeln für Sonntagsarbeit
Der Entwurf enthält auch spezifische Anpassungen für einzelne Branchen. Bäckereien sollen künftig sonntags bis zu acht Stunden öffnen dürfen – aufgeteilt in fünf Stunden für die Herstellung und drei Stunden für die Auslieferung. Bibliotheken sollen an Sonntagen für bis zu sechs Stunden öffnen können.
Während die Gewerkschaften mit der Kampagne „Mit Macht für die 8“ für den Erhalt des Achtstundentags kämpfen, kritisieren Linken-Politiker wie Maximilian Zerr den Entwurf als Einstieg in den Ausstieg aus bestehenden Schutzrechten. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) verzichtete zunächst auf eine offizielle Stellungnahme zu den geleakten Inhalten.
