Arbeitszeit-Reform, Union

Arbeitszeit-Reform: Union plant 13-Stunden-Tage ab Juni

Veröffentlicht am: 29.05.2026 um 09:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das IW rĂ€t, die geplante Flexibilisierung der Höchstarbeitszeit auf BĂŒroangestellte zu begrenzen, um Gesundheitsrisiken zu minimieren.

Arbeitszeit-Reform: Union plant 13-Stunden-Tage ab Juni Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de
Arbeitszeit-Reform: Union plant 13-Stunden-Tage ab Juni Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) rĂ€t der Bundesregierung, die geplante Flexibilisierung der tĂ€glichen Höchstarbeitszeit zunĂ€chst auf BĂŒrobeschĂ€ftigte zu beschrĂ€nken. Arbeitsmarktexperte Oliver Stettes schlĂ€gt vor, die gesetzlichen Anpassungen vorrangig in diesem Sektor umzusetzen, um Gesundheitsrisiken zu begrenzen. Die Initiative ist Teil einer breiteren Debatte ĂŒber die Ablösung des seit 1918 geltenden Acht-Stunden-Tages durch ein wochenbasiertes Arbeitszeitmodell.

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Koalition plant flexible Wochenarbeitszeit

Die Regierungskoalition aus Union und SPD will einen wöchentlichen Arbeitszeitrahmen einfĂŒhren. Ein konkreter Gesetzentwurf der Union wird fĂŒr Juni erwartet. Er sieht Arbeitstage von bis zu 13 Stunden vor – solange die maximale Wochenarbeitszeit von 48 Stunden im Jahresdurchschnitt eingehalten wird. Die Mindestruhezeiten von elf Stunden bleiben bestehen, könnten in AusnahmefĂ€llen aber auf zehn Stunden sinken.

Bereits am 18. Mai betonte IW-Direktor Michael HĂŒther im ARD-Morgenmagazin: Es gehe um eine andere Verteilung der Arbeitszeit, nicht um eine Erhöhung des Gesamtvolumens. Das sei vor allem fĂŒr BĂŒro- und Dienstleistungsberufe relevant. Arbeitsministerin BĂ€rbel Bas distanziert sich persönlich von dem Vorhaben, bereitet aber dennoch einen Gesetzentwurf fĂŒr Juni vor.

Gewerkschaften warnen vor Gesundheitsgefahren

Der Bundestag debattierte das Thema am 28. Mai im Rahmen von GegenantrĂ€gen der GrĂŒnen und der Linken. DGB-Chefin Yasmin Fahimi kritisierte die PlĂ€ne scharf: Sie seien ein RĂŒckschritt hinter Standards, die vor ĂŒber einhundert Jahren etabliert wurden. Auch Ver.di-Chef Frank Werneke und Vertreter der Gewerkschaft NGG lehnen die Neuregelung ab.

Fachleute des Hugo Sinzheimer Instituts und DGB-VorstĂ€nde warnen vor langfristigen gesundheitlichen Folgen ĂŒberlanger Arbeitstage. Umfragen aus dem FrĂŒhjahr zeigen eine mehrheitliche Ablehnung der FlexibilisierungsplĂ€ne bei Gewerkschaftsmitgliedern. Der Sozialverband Deutschland mahnt vor einer Aushöhlung bestehender Schutzstandards.

Weniger Vollzeit, mehr Teilzeit

Die Diskussion fĂ€llt mit neuen Daten des Statistischen Bundesamtes fĂŒr 2025 zusammen. VollzeitbeschĂ€ftigte arbeiten im Schnitt 39,9 Wochenstunden – ein leichter RĂŒckgang gegenĂŒber 40,5 Stunden vor zehn Jahren. Die Teilzeitquote stieg dagegen auf einen Rekordwert von 31,9 Prozent. Bei Frauen liegt sie mit 50,6 Prozent deutlich höher als bei MĂ€nnern mit 14,3 Prozent. Rund zwei Drittel aller erwerbstĂ€tigen MĂŒtter arbeiten in Teilzeit.

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Gitta Connemann, Vorsitzende der Mittelstandsunion, fordert, Mehrarbeit finanziell attraktiver zu machen. Die CDU hatte auf ihrem Parteitag beschlossen, den gesetzlichen Teilzeitanspruch fĂŒr Menschen ohne Betreuungs- oder Pflegepflichten einschrĂ€nken zu wollen.

Konjunkturflaute erschwert Debatte

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen machen die Diskussion nicht leichter. Der SachverstĂ€ndigenrat halbierte seine Konjunkturprognose fĂŒr 2026 auf ein BIP-Wachstum von 0,5 Prozent. GrĂŒnde: gestiegene Energiepreise infolge internationaler Konflikte und die US-Handelspolitik. Die erwartete Inflationsrate liegt bei 3,0 Prozent, die Arbeitslosenquote bei 6,4 Prozent. Die SozialversicherungsbeitrĂ€ge stehen aktuell bei 42,3 Prozent – und könnten laut Experten weiter steigen.

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