Arbeitszeitgesetz: NGG warnt vor XL-Arbeitstagen bis 12 Stunden
Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 07:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hat am 26. Juli 2026 deutliche Kritik an den Plänen der Bundesregierung zur Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes geäußert. Im Zentrum der Kritik steht die befürchtete Aufweichung der täglichen Höchstarbeitszeit von acht Stunden. Die Arbeitnehmervertretung warnt vor weitreichenden Konsequenzen für die Gesundheit der Beschäftigten sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Sorge vor Einführung von XL-Arbeitstagen
Die NGG sieht durch die aktuellen Regierungspläne das Fundament des Acht-Stunden-Tages gefährdet. Nach Einschätzung der Gewerkschaft drohe eine Entwicklung hin zu sogenannten XL-Arbeitstagen, bei denen tägliche Einsatzzeiten von 10 bis 12 Stunden zur Regel werden könnten. Eine solche Ausweitung der Arbeitszeit stelle eine erhebliche Belastung für die Arbeitnehmer dar.
In ihren Stellungnahmen vom Wochenende wies die Gewerkschaft darauf hin, dass bereits jetzt unter bestimmten Bedingungen eine Wochenarbeitszeit von bis zu 48 Stunden möglich sei. Die geplanten Änderungen könnten jedoch dazu führen, dass in Ausnahmefällen sogar Arbeitszeiten von bis zu 73,5 Stunden pro Woche erreicht werden. Diese Entwicklung werde von der NGG strikt abgelehnt, da sie die physische und psychische Belastungsgrenze der Beschäftigten überschreite.
Erhöhte Unfallrisiken und gesundheitliche Folgen
Ein wesentliches Argument der Gewerkschaft gegen die Arbeitszeitflexibilisierung sind die damit verbundenen Sicherheitsrisiken. Die NGG verweist auf Erkenntnisse, wonach das Unfallrisiko am Arbeitsplatz nach einer Einsatzdauer von 12 Stunden bereits doppelt so hoch sei wie zu Beginn der Schicht. Mit zunehmender Dauer der Arbeitszeit steige die Fehlerquote aufgrund nachlassender Konzentration und Erschöpfung signifikant an.
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Neben der akuten Unfallgefahr warnt die Organisation vor langfristigen Gesundheitsrisiken. Die geplanten Änderungen am Arbeitszeitgesetz könnten laut Einschätzung der Gewerkschaft vom 25. Juli 2026 zu einer Zunahme von chronischen Überlastungserscheinungen führen. Ein Festhalten am bewährten Acht-Stunden-Tag sei daher aus Gründen des Arbeitsschutzes zwingend erforderlich.
Auswirkungen auf Familien und betroffene Personengruppen
Besonders kritisch bewertet die NGG die Folgen für die soziale Teilhabe und die Familienplanung. Lange Arbeitstage von 10 bis 12 Stunden würden die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben massiv gefährden. Dies betreffe laut Gewerkschaftsangaben bestimmte Bevölkerungsgruppen überproportional stark.
Statistische Erhebungen zeigen demnach, dass insbesondere Frauen und Alleinerziehende durch die geplanten Neuregelungen unter Druck geraten könnten. Den Angaben zufolge sind rund 51 % der Frauen und etwa 42 % der Alleinerziehenden von den potenziellen Änderungen besonders betroffen, da sie oft die Hauptlast der unbezahlten Sorgearbeit tragen. Für diese Gruppen würde eine Ausweitung der täglichen Präsenzzeit im Betrieb die Organisation des Alltags erheblich erschweren oder unmöglich machen.
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Forderung nach strukturellen Verbesserungen statt Mehrarbeit
Anstelle einer Ausweitung der Arbeitszeiten fordert die NGG die Bundesregierung dazu auf, die Rahmenbedingungen für arbeitende Eltern zu verbessern. Ein zentraler Punkt der gewerkschaftlichen Forderungen ist der massive Ausbau von Kitaplätzen. Nur durch eine verlässliche Kinderbetreuung lasse sich der Fachkräftemangel nachhaltig bekämpfen, ohne die Gesundheit der bereits im Erwerbsleben stehenden Personen durch überlange Arbeitszeiten zu gefährden.
Die Gewerkschaft betonte in ihren Erklärungen am 25. und 26. Juli 2026, dass moderne Arbeitszeitmodelle Schutzmechanismen benötigen und nicht zu einer Entgrenzung der Arbeit führen dürfen. Das Festhalten an der gesetzlichen täglichen Höchstarbeitszeit von acht Stunden bleibe daher eine Kernforderung, um die soziale Stabilität und die Gesundheit der Beschäftigten langfristig zu sichern.
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