Arbeitszeitreform: Unfallrisiko verdoppelt sich bei 13-Stunden-Tagen
Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 03:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der laufenden Debatte um die Reform des Arbeitszeitgesetzes stehen die Vorhaben der Bundesregierung zur Flexibilisierung im Gastgewerbe unter intensiver Beobachtung.
Fachleute und Arbeitnehmervertreter warnen vor weitreichenden Konsequenzen fĂŒr die Gesundheit und die Sicherheit der BeschĂ€ftigten. Mark Baumeister, Referatsleiter bei der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-GaststĂ€tten (NGG), kritisiert die PlĂ€ne als gesundheitsgefĂ€hrdend und unfalltrĂ€chtig.
Ăbergang zur wöchentlichen Höchstarbeitszeit
Ein zentraler Bestandteil der ReformplĂ€ne sieht vor, die bisherige tĂ€gliche Höchstarbeitszeit durch ein wöchentliches Modell zu ersetzen. Durch diese Ănderung fiele die strikte Begrenzung der tĂ€glichen Einsatzzeit weg, was laut Experten dazu fĂŒhren könnte, dass Arbeitstage von bis zu 13 Stunden möglich werden.
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WĂ€hrend BefĂŒrworter eine bessere Anpassung an die schwankende Auslastung im Hotel- und GaststĂ€ttengewerbe anfĂŒhren, sehen Kritiker darin eine Aufweichung notwendiger Schutzstandards.
Die NGG, die nach eigenen Angaben rund 180.000 Mitglieder vertritt, betont die physischen und psychischen Belastungen, die mit solchen SchichtlĂ€ngen einhergehen. Die Gewerkschaft argumentiert, dass eine Lockerung der tĂ€glichen Grenzen die Regenerationsphasen der BeschĂ€ftigten gefĂ€hrde und langfristig zu gesundheitlichen SchĂ€den fĂŒhren könne.
Statistische Zunahme der Unfallrisiken
Ein wesentliches Argument gegen die Ausweitung der tÀglichen Arbeitszeit betrifft die Arbeitssicherheit. Untersuchungen und Daten der Arbeitnehmervertreter verdeutlichen die Korrelation zwischen Arbeitsdauer und UnfallhÀufigkeit. Mark Baumeister verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass das Unfallrisiko nach 12 Stunden Arbeit doppelt so hoch sei wie nach einer regulÀren Arbeitszeit von 8 Stunden.
Mit zunehmender Dauer der Schicht sinke die KonzentrationsfĂ€higkeit, wĂ€hrend die Fehlerquote steige. Im Gastgewerbe, das durch physische Arbeit und oft hektische BetriebsablĂ€ufe geprĂ€gt ist, wird diese Entwicklung als besonders kritisch eingestuft. Die statistische Verdopplung der Gefahr bei ĂŒberlangen Arbeitstagen stelle ein Risiko dar, das durch die geplante Flexibilisierung weiter verschĂ€rft wĂŒrde.
Tarifpolitische Rahmenbedingungen und Branchenstruktur
Die Diskussion findet vor dem Hintergrund einer heterogenen Verbandslandschaft statt. Der Deutsche Hotel- und GaststÀttenverband (Dehoga) bietet seinen Mitgliedsunternehmen in 9 von 16 BundeslÀndern die Option einer sogenannten OT-Mitgliedschaft an. Diese Form der Mitgliedschaft bedeutet, dass die betreffenden Betriebe nicht an die mit der Gewerkschaft ausgehandelten Tarife gebunden sind.
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Die NGG sieht in dieser Entwicklung eine zusĂ€tzliche Problematik. In Betrieben ohne Tarifbindung fehlen oft betriebliche Mitbestimmungsstrukturen, die die Einhaltung von Sicherheitsstandards und fairen Arbeitszeitmodellen ĂŒberwachen könnten. Die Kombination aus gesetzlicher Lockerung der Arbeitszeit und einer sinkenden Tarifbindung in weiten Teilen der Branche wird daher als Gefahr fĂŒr die Arbeitsbedingungen im Gastgewerbe gewertet.
Branchenexperten beobachten, dass die Debatte um die 13-Stunden-Regelung die Frage aufwirft, wie das Gastgewerbe angesichts des bestehenden FachkrĂ€ftemangels attraktiv bleiben kann, wenn gleichzeitig die Belastungen fĂŒr das Personal zunehmen. Die Positionen zwischen der Forderung nach mehr betrieblicher FlexibilitĂ€t und dem notwendigen Gesundheitsschutz der 180.000 NGG-Mitglieder bleiben somit weiterhin unversöhnlich.
