Ardo-Schließung 2027: Sozialplan betrifft 190 Beschäftigte und 50 Leihkräfte
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 23:00 Uhr | Redaktion boerse-global.deBelegschaft und Betriebsrat beim Tiefkühlgemüsehersteller Ardo im niederösterreichischen Groß-Enzersdorf reagieren mit großem Unmut auf den bisherigen Verlauf der Sozialplanverhandlungen.
Nach Betriebsratssitzungen und einer Betriebsversammlung am Montag berichtete Patrick Slacik, Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft PRO-GE, von einer Stimmung, die durch Enttäuschung und Wut geprägt sei. Das bisherige Angebot der Unternehmensführung wird von den Arbeitnehmervertretern als viel zu niedrig bewertet.
Festgefahrene Gespräche und angekündigte Proteste
Bereits am 30. Oktober 2026 stellte der Betriebsrat fest, dass die Verhandlungspartner von einer Einigung weit entfernt seien. Für den kommenden Freitag ist eine weitere Gesprächsrunde angesetzt, bei der die Belegschaft laut Gewerkschaftsangaben ein verbessertes Angebot der Unternehmensleitung erwartet.
Arbeiterbetriebsratsvorsitzender Dietmar Breiner lehnte einen Streik zum jetzigen Zeitpunkt ab, schloss die Möglichkeit eines Dienstes nach Vorschrift jedoch nicht aus.
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Für kommenden Montag um 8.00 Uhr ist eine Betriebsversammlung samt Kundgebung angesetzt. Dabei wollen die 190 Mitarbeiter des Werks gemeinsam mit rund 500 Marchfelder Gemüsebauern der Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse (ETG) vor den Werkstoren protestieren.
Insgesamt betrifft der auszuverhandelnde Sozialplan rund 190 Beschäftigte sowie etwa 50 Leiharbeitskräfte. Die belgische Ardo-Gruppe hatte Ende September 2026 bekanntgegeben, den Produktionsstandort im Bezirk Gänserndorf Ende August 2027 endgültig zu schließen.
Suche nach Verarbeitungsalternativen im Marchfeld
Das Werk in Groß-Enzersdorf verarbeitet Gemüsemengen unter anderem für Iglo sowie für Tiefkühl-Eigenmarken der Handelsketten Billa, Hofer und Spar. Nach Unternehmensangaben verarbeitete Ardo im Jahr 2025 Erzeugnisse von rund 270 Landwirten in Niederösterreich. Iglo Österreich bezieht jährlich etwa 3.200 Tonnen Spinat von dem Werk.
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Die Marke gehört zum Konzern Nomad Foods, der 8.000 Mitarbeiter beschäftigt und einen Umsatz von rund 3 Milliarden Euro ausweist. Obwohl Iglo grundsätzlich Interesse an österreichischem Gemüse signalisierte, gab es bislang keine direkten Kontakte zur Erzeugerorganisation.
Angesichts der bevorstehenden Schließung prüft die ETG mit ihren 500 Mitgliedsbetrieben alternative Verarbeitungswege. ETG-Obmann Robert Kriegl sondiert Optionen bei anderen Partnern, darunter dem slowakischen Tiefkühlhersteller Equus.
Das Unternehmen mit Sitz in Bratislava und Produktionsstätte in Vinica erzielt mit 181 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 20 Millionen Euro. Laut Kriegl sei die Transportdistanz von rund 170 Kilometern zwischen dem Marchfeld und Vinica für die Verarbeitung von Spinat machbar. Darüber hinaus wird auch die Errichtung eines neuen Produktionsstandorts in Österreich geprüft.
