Winterkorn, Gericht

Winterkorn vor Gericht: Er sieht keine Schuld bei sich

15.02.2024 - 16:00:23

Auch am zweiten Tag seiner Zeugenvernehmung zur DieselaffÀre sieht Ex-VW-Chef Winterkorn keine Schuld bei sich. Er beschreibt Situationen, die ihn im Nachhinein «persönlich Àrgern».

Ex-VW-Vorstandschef Martin Winterkorn hat bei seiner Vernehmung zur DieselaffĂ€re angegeben, rĂŒckblickend wohl anders zu handeln. «Aus heutiger Sicht hĂ€tte ich vertieft nachfragen sollen. Das habe ich nicht getan» sagte der 76-JĂ€hrige vor dem Oberlandesgericht Braunschweig. Dort ist Winterkorn als Zeuge im Zivilprozess zu den Abgasmanipulationen beim Wolfsburger Autobauer geladen. 

Tags zuvor hatte der frĂŒhere Topmanager bereits jede Verantwortung fĂŒr Schummelsoftware von sich gewiesen. «WĂ€re mir ein vollstĂ€ndiges Bild von den internen VorgĂ€ngen in den verantwortlichen Fachabteilungen vermittelt worden, hĂ€tte ich nicht gezögert, die VorgĂ€nge direkt anzugehen und aufzuklĂ€ren», hatte Winterkorn in einem Eingangsstatement gesagt. Diese Botschaft wiederholte er am zweiten Tag, als es um konkrete Treffen, Schriftwechsel und GesprĂ€che in den Monaten vor dem Auffliegen des Skandals ging.

Es habe Berichte ĂŒber Probleme in den USA gegeben, sagte Winterkorn. Auf seine Nachfragen hin sei ihm aber vermittelt worden, «es gibt zwar noch Diskussionen mit den Behörden, aber wir kriegen das hin». Auch ein Beispiel fĂŒr aus seiner Sicht ungenĂŒgende Informationen nannte Winterkorn. So sei er noch kurz vor Bekanntwerden der Manipulation in Florida mit vielen hochrangigen Kollegen betroffene Autos Probe gefahren. «Das hat mich im persönlich geĂ€rgert, weil in Tampa keiner was gesagt hat», berichtete Winterkorn in seinem RĂŒckblick. Niemand habe ihn vor Ort ĂŒber die noch fehlende Zulassung informiert.   

Vor Gericht unterstrich der frĂŒhere Konzernchef außerdem, dass der Vorstand bei VW auch im Sommer 2015 mit mehreren Problemen weltweit konfrontiert gewesen sei. Noch kurz vor der Veröffentlichung beschĂ€ftigte ihn demnach unter anderem ein möglicher RĂŒckruf eines Porsche-Modells und wegen schwerer Probleme mit Hinterachsen reiste er zur chinesischen Regierung nach Peking. Die Botschaft dahinter: Der US-Markt war wichtig, aber in den Sommermonaten 2015 eben nur ein Schauplatz von vielen fĂŒr einen Weltkonzern.   

In dem Prozess nach dem Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz (KapMug) wird seit 2018 ĂŒber möglichen Schadenersatz fĂŒr Investoren verhandelt, die nach dem Auffliegen des Skandals Kursverluste erlitten hatten. Derzeit geht es rund 4,4 Milliarden Euro. Winterkorn ist nach Herbert Diess und Matthias MĂŒller der dritte frĂŒhere VW-Chef, der zur Sache vernommen wird. Sollte die Vernehmung Winterkorns andauern, sind weitere Termine fĂŒr Ende Februar geblockt.   

@ dpa.de