Audi-US-Werk, Gernot Döllner

Audi-Chef Döllner: 57 Prozent finden Trump-Auftritt falsch

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 13:41 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Kritik entzĂŒndet sich an der Verbindung von Unternehmensentscheidung und US-Wahlkampf. Gleichzeitig verlangt die IG Metall konkrete Perspektiven fĂŒr das von der Schließung bedrohte Audi-Werk in Neckarsulm.

Folgen fĂŒr Audi und Neckarsulm

  • Die YouGov-Befragung vom 26. Oktober umfasste 2.725 Erwachsene ab 18 Jahren.
  • Audi will in Georgia unter anderem den großen SUV Q9 fĂŒr den US-Markt bauen.
  • Der VW-Sparplan sieht fĂŒr Neckarsulm noch ein Jahr zur Vorlage eines tragfĂ€higen Konzepts vor.
  • Audi-Chef Gernot Döllner steht fĂŒr seinen Auftritt mit US-PrĂ€sident Trump in der Kritik. (Archivbild) - Bild: Mike Stewart/AP/dpa
  • IG-Metall-Chefin Christiane Benner fordert Zusagen fĂŒr Deutschland. (Archivbild) - Bild: Hannes P Albert/dpa
  • Donald Trump lud Döllner auf die BĂŒhne ein - viele Menschen sehen es kritisch, dass er annahm. - Bild: Mark Schiefelbein/AP/dpa
Audi-Chef Gernot Döllner steht fĂŒr seinen Auftritt mit US-PrĂ€sident Trump in der Kritik. (Archivbild) - Bild: Mike Stewart/AP/dpa IG-Metall-Chefin Christiane Benner fordert Zusagen fĂŒr Deutschland. (Archivbild) - Bild: Hannes P Albert/dpa Donald Trump lud Döllner auf die BĂŒhne ein - viele Menschen sehen es kritisch, dass er annahm. - Bild: Mark Schiefelbein/AP/dpa

Umfrage sieht Döllners Trump-Auftritt kritisch

Eine Mehrheit der Menschen in Deutschland bewertet den Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner bei einer Wahlkampfveranstaltung von US-PrĂ€sident Donald Trump als unangemessen. 39 Prozent der Befragten sagten in einer reprĂ€sentativen YouGov-Umfrage, sie fĂ€nden den Auftritt â€žĂŒberhaupt nicht angemessen“, weitere 18 Prozent stuften ihn als „eher nicht angemessen“ ein.

Döllner hatte bei der Veranstaltung den Bau eines eigenen Audi-Werks im US-Bundesstaat Georgia angekĂŒndigt. Die Entscheidung löste Kritik aus, weil Audi interne Richtlinien hat, die Wahlkampfauftritte kurz vor Wahlen untersagen, und weil das Unternehmen zugleich den deutschen Standort Neckarsulm unter Spardruck setzt.

BefĂŒrworter bleiben deutlich in der Minderheit

Nur 7 Prozent hielten Döllners Auftritt „voll und ganz angemessen“, 11 Prozent nannten ihn „eher angemessen“. 25 Prozent Ă€ußerten keine Meinung oder wollten sich nicht Ă€ußern.

YouGov befragte am 26. Oktober 2.725 Erwachsene ab 18 Jahren. Die Ergebnisse gelten als reprĂ€sentativ fĂŒr die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren. In den USA stehen am 3. November die Zwischenwahlen an.

Döllner verteidigt seine Teilnahme

Döllner begrĂŒndete den Auftritt mit den GesprĂ€chen ĂŒber das geplante Werk in Georgia. Man sei gebeten worden, die PlĂ€ne gemeinsam mit dem US-PrĂ€sidenten öffentlich vorzustellen. Eine solche Einladung lehne man nicht ab; dies gebiete der Respekt vor dem Amt, erklĂ€rte der Audi-Chef.

UnterstĂŒtzung erhielt er vom bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. Der Freie-WĂ€hler-Politiker sagte, Döllner mĂŒsse realistisch einschĂ€tzen, wie solche Termine abliefen. Die PrĂ€senz bei Trump könne Audi aus seiner Sicht bei den amerikanischen Absatzzahlen nutzen.

VW-Spitze war eingebunden

Der geplante Bau ist nach Angaben des Mutterkonzerns Volkswagen nicht allein von Döllner entschieden worden. VW erklÀrte, Konzernchef Oliver Blume sei von Beginn an in alle Planungen eingebunden gewesen.

Audi steht wirtschaftlich unter Druck. AbsĂ€tze und ErtrĂ€ge sind seit Jahren rĂŒcklĂ€ufig, Stellen wurden bereits abgebaut, weiterer Jobabbau steht im Raum. Im dritten Quartal gingen die VerkĂ€ufe in China und den USA zurĂŒck; die Zahlen fĂŒr Gewinn und Umsatz will Audi am Freitag veröffentlichen.

US-Werk soll Audi wettbewerbsfÀhiger machen

Anders als BMW und Mercedes verfĂŒgt Audi bislang ĂŒber kein eigenes Werk in den USA. Die amerikanischen Zölle treffen den Hersteller deshalb besonders stark. Döllner bezeichnete eine eigene Fertigung als strategisch und wirtschaftlich notwendig, weil Audi in den USA derzeit nicht profitabel arbeite.

In Georgia sollen unter anderem große SUVs wie der speziell auf den US-Markt zugeschnittene Q9 gebaut werden. Im ersten Halbjahr erzielte Audi auf Ebene des Teilkonzerns, zu dem auch Bentley, Ducati und Maserati gehören, einen Gewinn von 1,1 Milliarden Euro.

IG Metall fordert Zusagen fĂŒr Neckarsulm

IG-Metall-Chefin Christiane Benner verlangte angesichts der US-PlĂ€ne konkrete Zusagen fĂŒr die deutschen Standorte. Investitionen in den USA wĂŒrden verkĂŒndet, wĂ€hrend BeschĂ€ftigte in Deutschland um ihre ArbeitsplĂ€tze bangten, sagte sie im ZDF-„Morgenmagazin“.

Der VW-Sparplan vom Anfang September gibt dem baden-wĂŒrttembergischen Werk Neckarsulm noch ein Jahr Zeit, ein tragfĂ€higes Konzept zur Kostensenkung vorzulegen. Andernfalls droht die Stilllegung. Wirtschaftsexperten rechnen in diesem Fall mit dem Verlust von etwa 50.000 ArbeitsplĂ€tzen in der Region.

Der Auftritt fĂ€llt in eine Phase, in der Audi gleichzeitig seine PrĂ€senz auf dem US-Markt stĂ€rken und die Kosten in Deutschland senken muss. Ein eigenes Werk soll das Unternehmen unabhĂ€ngiger von Importen machen und die Folgen amerikanischer Zölle begrenzen. FĂŒr Audi ist das besonders relevant, weil der Konzern bislang kein eigenes US-Werk besitzt und dort nach den Angaben in der Meldung nicht profitabel arbeitet.

Die Investition verschĂ€rft jedoch den Verteilungskonflikt innerhalb des Konzerns. WĂ€hrend in Georgia rund 4.500 ArbeitsplĂ€tze entstehen sollen, steht der Standort Neckarsulm unter erheblichem Spardruck. Der VW-Sparplan gibt dem Werk noch ein Jahr fĂŒr ein tragfĂ€higes Konzept; bei einem Scheitern droht die Stilllegung. In der Region wĂ€ren davon nach EinschĂ€tzung von Wirtschaftsexperten etwa 50.000 ArbeitsplĂ€tze betroffen.

US-Strategie und deutscher Standort

Der Streit richtet sich deshalb nicht allein gegen den Wahlkampfauftritt. Er berĂŒhrt die Frage, ob Audi seine internationale Expansion mit verlĂ€sslichen Perspektiven fĂŒr die deutschen Werke verbindet. Die IG Metall verlangt entsprechende Zusagen, wĂ€hrend die bayerische Politik den öffentlichen Auftritt als pragmatischen Beitrag zum US-GeschĂ€ft bewertet.

FĂŒr die weitere Debatte werden die am Freitag erwarteten Audi-Zahlen und die konkreten PlĂ€ne fĂŒr Neckarsulm wichtig. Entscheidend ist außerdem, ob das US-Projekt die deutsche Produktion ergĂ€nzt oder mittelbar zu einer weiteren Verlagerung von Aufgaben fĂŒhrt.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Deutschlandfunk: „Audi-Chef als Wahlhelfer fĂŒr Trump - Warum Autokonzerne in die USA abwandern“ (26.10.2026)

Der Beitrag ordne den Auftritt als Folge des Drucks auf deutsche Autokonzerne und der geplanten US-Investitionen ein. Anders als die dpa-Meldung liege der Schwerpunkt auf den wirtschaftlichen GrĂŒnden fĂŒr die Verlagerungsdebatte und den Unternehmensrichtlinien.

SWR Aktuell: „Audi baut eigenes Werk in den USA“ (25.10.2026)

Der SWR berichte ĂŒber ein geplantes Investitionsvolumen von vier Milliarden Euro, den geplanten Baustart 2027 und mögliche Auswirkungen auf Neckarsulm. Als offener Punkt werde dort insbesondere der noch ausstehende formale Beschluss der zustĂ€ndigen Gremien genannt.

Beide BeitrÀge verbÀnden den Auftritt mit Audis US-Strategie und der angespannten Lage deutscher Standorte. Unterschiede gebe es beim Schwerpunkt: WÀhrend der Deutschlandfunk die politische Dimension und den Strukturwandel betone, stelle der SWR die Investitionsdaten und Neckarsulm in den Mittelpunkt.

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