Audi-Chef Döllner: 57 Prozent kritisieren Trump-Auftritt
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 09:16 Uhr | dpa, AD HOC NEWSUmfrage mit regionalen und Altersunterschieden
- 39 Prozent der Befragten nannten Döllners Auftritt „überhaupt nicht angemessen“.
- Am 26. Oktober wurden 2.725 Erwachsene ab 18 Jahren befragt.
- Ältere Menschen und Westdeutsche lehnten den Auftritt besonders deutlich ab.
Deutsche bewerten Audi-Auftritt bei Trump mehrheitlich negativ
Die Menschen in Deutschland sehen den Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner bei einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Donald Trump mehrheitlich kritisch. In einer repräsentativen YouGov-Umfrage nannten 39 Prozent der Befragten die Ankündigung eines Audi-Werks in den USA dort „überhaupt nicht angemessen“, weitere 18 Prozent bewerteten sie als „eher nicht angemessen“.
Deutlicher Abstand zwischen Kritik und Zustimmung
Nur 7 Prozent fanden den Auftritt „voll und ganz angemessen“, 11 Prozent hielten ihn für „eher angemessen“. 25 Prozent äußerten keine Meinung oder wollten keine Angaben machen.
YouGov befragte am 26. Oktober 2.725 Erwachsene ab 18 Jahren. Die Ergebnisse gelten laut dem Institut als repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.
Alter prägt die Bewertung
Die größten Unterschiede zeigten sich beim Alter und bei der Herkunft aus Ost- oder Westdeutschland. Menschen ab 45 Jahren lehnten Döllners Auftritt deutlicher ab, bei den mindestens 55-Jährigen war die Ablehnung besonders stark.
In allen Altersgruppen überwog die Kritik. Auch in Ost- und Westdeutschland war die Ablehnung größer als die Zustimmung, fiel im Osten aber weniger deutlich aus als im Westen.
Bildung und Geschlecht mit geringerer Wirkung
Formelle Bildung und Geschlecht veränderten das Antwortverhalten weniger stark. Höher gebildete Befragte und Männer wollten zudem seltener keine Meinung äußern.
Geplantes Audi-Werk löst politische Debatte aus
Döllner hatte bei der Veranstaltung den Bau eines Audi-Werks in den USA angekündigt. Der gemeinsame Auftritt mit Trump wurde anschließend von Gewerkschaften, Arbeitnehmervertretern und Politikern kritisiert, während Audi die Teilnahme mit dem Unternehmensinteresse an dem Investitionsvorhaben begründete.
Der Auftritt fällt in eine Phase, in der Audi sein US-Geschäft grundlegend ausbauen will. Bislang importiert die Volkswagen-Tochter ihre Fahrzeuge für den amerikanischen Markt aus Europa oder Mexiko. Ein eigenes Werk in Georgia soll diese Abhängigkeit verringern, Handelsrisiken begrenzen und die Produktion näher an den wichtigen US-Markt bringen.
Die Investitionsentscheidung und die öffentliche Präsentation sind dabei zwei unterschiedliche Vorgänge. Audi begründet den Schritt mit wirtschaftlichen Interessen und der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit. Die Wahlkampfveranstaltung kurz vor den US-Zwischenwahlen verlieh der Ankündigung jedoch eine politische Dimension, weil der Auftritt an der Seite Trumps dessen Darstellung wirtschaftlicher Erfolge unterstützte.
Wirtschaftliche Interessen und politische Wirkung
Für Audi steht dem wirtschaftlichen Nutzen ein erheblicher Reputations- und Compliance-Risiko gegenüber. In den internen Konzernregeln wird politische Neutralität betont; Arbeitnehmervertreter sehen deshalb einen möglichen Konflikt mit den Vorgaben. Audi weist zugleich darauf hin, dass die Teilnahme der Vorbereitung des Investitionsvorhabens gedient habe.
Die Debatte berührt auch die deutschen Standorte. Der Ausbau von Kapazitäten in den USA löst nicht automatisch Arbeitsplatzverluste in Deutschland aus, verschärft aber die Diskussion über die künftige Arbeitsteilung im Konzern. Für Beschäftigte und Öffentlichkeit bleibt damit neben der Frage nach der politischen Angemessenheit entscheidend, welche Produktion und welche Investitionen langfristig an den europäischen Standorten gesichert werden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
ZDFheute: „Trump kündigt neues Audi-Werk in USA an - für vier Milliarden Dollar“ (25.10.2026)
Der Beitrag ordnet den Auftritt über die geplante Investition von 4,2 Milliarden Dollar und rund 4.500 Arbeitsplätze ein. Anders als die Umfrage konzentriert er sich auf Umfang, Standort und wirtschaftliche Gründe des Vorhabens.
tagesschau: „Kritik an Audi-Chef Döllner reißt nach Auftritt mit Trump nicht ab“ (26.10.2026)
Der Artikel berichtet über Kritik aus Politik und Arbeitnehmervertretungen sowie über Audis Verteidigung des Auftritts. Im Mittelpunkt stehen mögliche Konflikte mit Konzernregeln und die Folgen für deutsche Standorte.
n-tv: „Bosbach nennt es „peinlich“: Audi-Chef Döllner verteidigt umstrittenen Auftritt mit Trump“ (26.10.2026)
Der Beitrag stellt Döllners interne Rechtfertigung und die Kritik an der politischen Inszenierung gegenüber. Zugleich hebt er wirtschaftliche Motive wie Zollrisiken und die fehlende Profitabilität des US-Geschäfts hervor.
Einigkeit besteht über die wirtschaftliche Bedeutung des geplanten Werks und die Kritik am Rahmen der Ankündigung. Unterschiede zeigen sich bei der Bewertung des Auftritts und bei der Gewichtung von Marktinteressen, Konzernregeln und möglichen Folgen für deutsche Beschäftigte.
