Audi-Werk in Georgia: Bundesregierung kritisiert Döllner
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 13:35 Uhr | dpa, AD HOC NEWSAudis US-Pläne und die politische Kontroverse
- Bundesumweltminister Carsten Schneider zweifelt an der Zukunftsfähigkeit des geplanten Audi-Werks in Georgia.
- In Perry sollen SUVs wie Q9, Q7 und Q8 gebaut werden; zu den Antrieben macht Audi keine Angaben.
- Eine Campact-Petition fordert Döllners Rücktritt und überschritt die Marke von 100.000 Unterstützern.
Kritik an Audi-Chef Döllner nimmt zu
Audi-Chef Gernot Döllner steht nach seinem Auftritt mit US-Präsident Donald Trump bei der Ankündigung eines neuen Werks in Georgia auch aus der Bundesregierung unter Druck. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) kritisierte sowohl die Umstände der Verkündung als auch die geplante Ausrichtung des Standorts.
Schneider kritisiert Werk und Zeitpunkt
Schneider sprach von „mehr als unappetitlichen Umständen“, weil Audi das Projekt bei einer Wahlkampfveranstaltung Trumps vorgestellt hatte. Zugleich warf er dem Autobauer vor, auf fossile Energien und damit auf ein „totes Pferd“ zu setzen.
Trump hatte am Samstag den Bau der Fabrik mit 4.500 Arbeitsplätzen in Perry im US-Bundesstaat Georgia angekündigt. Döllner trat anschließend auf die Bühne und dankte dem Präsidenten für dessen Unterstützung.
Petition fordert Rücktritt
In einer Online-Petition fordern mehr als 100.000 Menschen Döllners Rücktritt. Auch die Linke hatte bereits den Rücktritt des 57-jährigen Managers verlangt.
Der Wirtschaftswissenschaftler und Corporate-Governance-Experte Christian Strenger bewertete den Auftritt als unangemessen. Unternehmenschefs müssten neben den Aktionären auch Mitarbeiter, Umwelt und Politik berücksichtigen, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.
Audi plant große SUVs
In Georgia will Audi SUVs bauen, darunter den besonders großen und auf den US-Markt zugeschnittenen Q9 sowie die Modelle Q7 und Q8. Zu den Antriebsarten machte Audi keine Angaben.
Ein Regierungssprecher hatte zu Wochenbeginn eine Kommentierung des Auftritts abgelehnt und auf eine unternehmerische Entscheidung verwiesen. In den USA lag der Anteil reiner Elektroautos nach PwC-Zahlen in den ersten neun Monaten des Jahres bei sechs Prozent.
Kritik an politischer Nähe
Strenger verwies auf Audi-Konzernregeln, die vor Wahlen politische Neutralität vorgeben. Döllner habe sich zur Unzeit vorführen lassen, sagte der Experte.
In den USA stehen am 3. November die Zwischenwahlen an. Der Auftritt löste deshalb neben der Debatte über Audis Modell- und Antriebsstrategie auch Kritik an der politischen Wirkung der Unternehmenspräsentation aus.
Audis geplantes US-Werk steht für einen Kurs, der stärker auf den amerikanischen Markt und dessen besondere Rahmenbedingungen zielt. Das Unternehmen begründet die Investition mit der Bedeutung des US-Geschäfts, dem Abbau von Handels- und Währungsrisiken sowie dem Ziel, Fahrzeuge näher am Absatzmarkt zu produzieren.
Die politische Dimension ergibt sich aus dem Zeitpunkt und dem Ort der Ankündigung. Die Präsentation erfolgte bei einer Wahlkampfveranstaltung wenige Tage vor den US-Zwischenwahlen. Dadurch geriet die unternehmerische Entscheidung in eine Debatte über politische Neutralität, Unternehmensverantwortung und den Umgang europäischer Konzerne mit der Trump-Regierung.
Standortkonflikt in Deutschland
Für Audi-Beschäftigte und die Region rund um Neckarsulm verbindet sich das US-Projekt mit der Frage, welche Perspektive deutsche Werke künftig haben. Der baden-württembergische Ministerpräsident Cem Özdemir forderte deshalb konkrete Aussagen zur Zukunft des Standorts. Audi betont dagegen, eine Produktion in Georgia richte sich nicht gegen Deutschland, sondern solle das internationale Geschäft stärken.
Strategisch bleibt zudem die Antriebsfrage offen. Audi plant in Georgia SUVs für den US-Markt, macht aber bislang keine Angaben zu den vorgesehenen Antrieben. Der geringe Elektroautoanteil in den USA erklärt den Fokus auf große Fahrzeuge mit, verschärft aber zugleich die Auseinandersetzung über die langfristige Ausrichtung des Konzerns.
Entscheidung steht noch aus
Das Werk ist nach den vorliegenden Angaben noch nicht endgültig beschlossen; der VW-Aufsichtsrat muss den Plänen zustimmen. Für die öffentliche Debatte dürften daher neben dem Auftritt Döllners auch Investitionsumfang, Arbeitsplätze, Modellstrategie und die Folgen für deutsche Standorte entscheidend bleiben.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
SWR Aktuell: „Gemeinsame Sache mit Trump? Audi verteidigt Auftritt in den USA“ (27.10.2026)
Der Beitrag schildert Audis Begründung, die Teilnahme sei ausschließlich im Unternehmensinteresse erfolgt und verstoße nicht gegen die Konzernregeln. Einen Schwerpunkt setzt der Artikel auf die Kritik von Betriebsrat und IG Metall sowie auf die noch ausstehende Zustimmung des VW-Aufsichtsrats.
Stern: „Umweltminister kritisiert Gernot Döllner: Audi wettet 'auf totes Pferd'“ (28.10.2026)
Der Beitrag hebt die grundsätzliche Kritik von Bundesumweltminister Carsten Schneider an Audis strategischer Ausrichtung hervor. Zusätzlich ordnet er die Debatte in Audis wirtschaftlichen Druck, die US-Zölle und die Entwicklung des Geschäfts in China und den USA ein.
Beide Beiträge stellen den Auftritt bei Trump als Auslöser der Kontroverse dar. Der SWR betont stärker die interne Rechtfertigung und die Folgen für Beschäftigte, während der Stern den Konflikt über Antriebe, Marktstrategie und wirtschaftliche Belastungen in den Mittelpunkt rückt.
