Experte warnt vor erdrĂŒckender Beitragslast
13.04.2025 - 09:57:42"Die neue Koalition steuert in ernsthafte Finanzierungsschwierigkeiten hinein", sagte IW-Steuer- und Sozialexperte Jochen Pimpertz der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.
Bereits heute seien die Sozialabgaben fĂŒr BeschĂ€ftigte und Arbeitgeber auf inzwischen 42,3 Prozent des Einkommens gestiegen. Pimpertz verwies auf eine Erhebung des Forschungsinstituts IGES, das einen Anstieg auf knapp 46 Prozent fĂŒr die nĂ€chsten Jahre vorhersagt.
Ein Grund seien vor allem die steigenden Gesundheitskosten. Der Ausgabenschub sei auch gröĂer als in der Vergangenheit angenommen, da der Gesetzgeber die Krankenkassen nach Corona verpflichtet habe, ihre Finanzreserven zur Stabilisierung des Beitragssatzes abzuschmelzen. Ein Puffer, um einen fortlaufenden Anstieg des Beitragssatzes abzufedern, fehle nun.
Experte: Möchte nicht in der Haut des Finanzministers stecken
Bei der Rente wollen Union und SPD nach EinschĂ€tzung von Pimpertz vom bisherigen "grundsĂ€tzlichen Prinzip" abkehren, dass die laufenden Renten schwerpunktmĂ€Ăig durch die BeitrĂ€ge finanziert wĂŒrden.
Denn im Koalitionsvertrag versprechen die Partner, das Rentenniveau bis 2031 bei 48 Prozent zu halten. Und um dieses Ziel zu erreichen, mĂŒssten wegen der Alterung der Gesellschaft immer mehr Mittel in Milliardenhöhe eingesetzt werden, so Pimpertz. Dieses aber solle laut Koalitionsvertrag mit Hilfe von Steuermitteln geschehen. "In der Haut des Finanzministers, der darĂŒber zu entscheiden hat, möchte ich nicht stecken", sagte der IW-Forscher.
Dazu sollen eine "FrĂŒhstart-Rente" mit zehn Euro monatlich fĂŒr MinderjĂ€hrige zum Anlegen eines Sparkapitals fĂŒrs Alter sowie eine "Aktivrente" kommen. Dahinter steckt, dass Ăltere, die jenseits des Rentenalters noch weiterarbeiten, ihr Gehalt bis zu 2.000 Euro im Monat steuerfrei erhalten sollen.
"Negativspirale droht"
Bei Union und SPD vermisst Pimpertz "eine grundlegende Weichenstellung", wie mit den absehbar wachsenden Finanzproblemen umgegangen werden solle. Es mangele vor allem an mehr Wettbewerbselementen im Sozialbereich.
Bereits vor der PrĂ€sentation des Koalitionsvertrags durch CDU-Chef Friedrich Merz, CSU-Chef Markus Söder und die SPD-Vorsitzenden Saskia Esken und Lars Klingbeil hatte Pimpertz festgestellt, die steigenden SozialbeitrĂ€ge seien eine Hypothek fĂŒr das im Land sehnlich ersehnte Wachstum. Umso mehr drohe nun eine Negativspirale, "wenn aufgrund der schwĂ€cheren wirtschaftlichen Entwicklung das Wachstum der beitragspflichtigen Einkommen weiter hinter die Ausgabenentwicklung zurĂŒckfĂ€llt".

