Motor, E-Bikes

Ohne Motor geht nichts: E-Bikes sollen Fahrradbranche retten

24.06.2025 - 15:13:26

Auf der Fahrradmesse Eurobike dreht sich fast alles um hochpreisige E-Bikes. Sie sollen die Branche aus dem Tal ziehen, in dem sie nach dem Corona-Boom steckt - und mit neuen Features Kunden locken.

  • E-Bikes holen schnell auf: Schon 18 Prozent der FahrrĂ€der in Deutschland haben einen Motor. (Archivbild) - Foto: Arne Dedert/dpa

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  • RĂ€der ĂŒber RĂ€der bei der Messe Eurobike.  - Foto: Boris Roessler/dpa

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E-Bikes holen schnell auf: Schon 18 Prozent der FahrrĂ€der in Deutschland haben einen Motor. (Archivbild) - Foto: Arne Dedert/dpaRĂ€der ĂŒber RĂ€der bei der Messe Eurobike.  - Foto: Boris Roessler/dpa

Zum Auftakt der Fahrradmesse Eurobike will Burkhard Stork nicht allzu laut jubeln. Der GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Zweitradindustrieverband ZIV ist nach zwei schwachen Jahren mit ĂŒberraschend guten Zahlen nach Frankfurt gekommen: Im ersten Quartal wurden in Deutschland mit 885.000 Einheiten 11 Prozent mehr FahrrĂ€der verkauft als ein Jahr zuvor. Auch Produktion, Import und Export sind im Startquartal zweistellig gewachsen. 

Rabattschlachten laufen immer noch

Weil aber schon im April und Mai das GeschĂ€ft wieder schwĂ€chelte, wiegeln Stork und andere Branchenvertreter ab. Die hohen LagerbestĂ€nde aus den Vorjahren seien nicht wie erhofft abgeflossen, berichtet der Handelsverband Zweirad. Schon frĂŒh im Jahr konnten Kunden hohe PreisnachlĂ€sse nutzen. FĂŒr die HĂ€ndler fĂŒhren die Rabattschlachten zu sinkenden UmsĂ€tzen und Margen. 

Stork kommt dennoch zu dem Schluss: «Das Licht am Ende des Tunnels ist deutlicher zu sehen. Es wird heller.» Der Verband geht aktuell von einer Absatzsteigerung um 5 Prozent im gesamten FrĂŒhjahr aus. Erneut wurden in Deutschland mehr E-Bikes verkauft als RĂ€der mit herkömmlichem Antrieb. 

Nach dem Boom in der Corona-Zeit hatte die Branche deutliche Absatzverluste erlitten. Die Zahl der verkauften Bikes sackte von rund 5 Millionen 2022 auf 3,85 Millionen im vergangenen Jahr. Die Folge waren hohe LagerbestĂ€nde, teilweise Dumpingpreise und eine zwischenzeitlich zurĂŒckgefahrene Produktion. 

Erstmals Direktverkauf an Endkunden

Auch die Messe selbst leidet unter der schwachen Bike-Konjunktur. Auf der aktuellen Schau finden sich mit 1.800 Ausstellern rund 300 weniger als im Jahr zuvor. Erstmals dĂŒrfen zudem die Firmen an den Publikumstagen ihre Waren direkt an die Besucher verkaufen. 

Deutschland Hochburg fĂŒr E-Bikes

LĂ€ngst dominieren im Verkauf motorisierte FahrrĂ€der: Denn Deutschland ist die absolute E-Bike-Hochburg in Europa. 5,4 Milliarden Euro Umsatz bedeuteten im vergangenen Jahr fast die HĂ€lfte des Wertes fĂŒr die gesamte EuropĂ€ische Union (12 Mrd. Euro), berichtet die Beratungsgesellschaft EY. 

Getrieben wird das GeschĂ€ft durch steuerbegĂŒnstigte Leasing-Modelle ĂŒber den Arbeitgeber, die viele nutzen, um teure Bikes anzuschaffen. 2024 sind aber auch hier die Zahlen leicht gesunken von 790.000 auf 750.000 NeuvertrĂ€ge. 

Motoren fĂŒr alle Fahrradtypen

Mehr als jedes zweite hierzulande neu verkaufte Fahrrad (54 Prozent) hatte 2024 einen Motor. Wegen der höheren Durchschnittspreise sorgten die E-Bikes damit fĂŒr 86 Prozent des Branchenumsatzes. «Das E-Bike ist lĂ€ngst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Inzwischen wird jeder Fahrradtyp auch mit elektrischem Antrieb angeboten und gekauft», sagt Claus Fleischer, Chef des Komponentenriesen Bosch eBike Systems. 

Im Bestand von 88,7 Millionen FahrrĂ€dern finden sich inzwischen schon 15,7 Millionen E-Bikes, was einen Anteil von knapp 18 Prozent bedeutet. Letzte Bastion der «Bio-Bikes» sind hochwertige RennrĂ€der, die zumeist noch ohne elektrische UnterstĂŒtzung gefahren werden. Anders sieht es schon bei den trendigen «Gravel-Bikes» aus - etwas gröber bereifte RennrĂ€der, die auch im leichten GelĂ€nde oder auf Schotterpisten (Gravel) zurechtkommen. Sie werden zunehmend mit Motor geordert und können leicht an die 5.000 Euro kosten. 

Dienstleasing stĂŒtzt Radmarkt

Einer der wenigen Lichtblicke im schrumpfenden Fahrradmarkt ist das Dienstradleasing, das immer mehr Arbeitgeber ihren BeschÀftigten anbieten. Bereits 269.000 Arbeitgeber boten Dienstradleasing an - rund ein Drittel mehr als im Vorjahr, aber immer noch weniger als die HÀlfte sÀmtlicher Betriebe. 

FĂŒr den Handel liegen die Vorteile des Leasings auf der Hand: Hier leisten sich viele Leute teure RĂ€der, zu denen sie sonst nicht greifen wĂŒrden, um sich eine hohe Ersparnis zu sichern. Ein geleastes E-Bike etwa kostete laut der Beratungsgesellschaft Deloitte 2024 im Schnitt 3.720 Euro, 40 Prozent mehr als fĂŒr ein vergleichbares Modell am Markt (2.650 Euro). Deloitte-Experte Stefan Ludwig rechnet kĂŒnftig wieder mit Wachstum beim Dienstradleasing, wenngleich mit gedĂ€mpften Raten. «Vor allem bei kleineren und mittelstĂ€ndischen Unternehmen besteht fĂŒr Dienstradleasing-Anbieter noch Potenzial.» 

Elektronik und digitale Dienste immer wichtiger

Anti-Blockier-Systeme, automatische Schaltungen und immer stĂ€rkere Motoren: Die E-Bikes werden mit immer mehr Technologie hochgerĂŒstet, die man sonst eher von Autos oder MotorrĂ€dern kennt. Große Komponentenhersteller wie Bosch perfektionieren ihr Angebot kontinuierlich von Jahr zu Jahr und greifen dabei auf ihr Wissen aus anderen Fahrzeugsegmenten zurĂŒck. 

Neben dieser «normalen» Entwicklungsarbeit an der Hardware setzt der E-Bike-Chef von Bosch, Claus Fleischer, auf digitale Dienste. «Da wird in den kommenden Jahren sehr viel passieren.» Bereits ĂŒblich sind individuelle Einstellungsmöglichkeiten der Antriebe ĂŒber begleitende Apps, digitaler Diebstahlschutz, Streckenvorausberechnungen und Software-Updates «over the air» - also drahtlos. Geplant sind zudem digitale Zustandsberichte insbesondere zu Batterie und Motor, die ebenfalls drahtlos ĂŒbermittelt werden könnten - wichtig beim Handel mit gebrauchten E-Bikes.

@ dpa.de