COP28Atemberaubender, Interessenkonflikt

COP28 / 'Atemberaubender Interessenkonflikt': Kritik an Öl-PlĂ€nen der Emirate

05.12.2023 - 12:39:00

Auf der Weltklimakonferenz in Dubai haben KlimaschĂŒtzer die ExpansionsplĂ€ne des staatlichen Ölkonzerns des Gastgeberlandes Vereinigte Arabische Emirate angeprangert.

Die Projekte seien "ein todsicheres Rezept, um den katastrophalen Klimawandel zu beschleunigen", heißt es in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht der Organisationen Urgewald, Lingo, Reclaim Finance und Banktrack. TatsĂ€chlich plant der Adnoc-Konzern nach eigenen Angaben, seine Ölförderung bis 2030 um 25 Prozent zu erhöhen.

Die Organisatoren schrieben, es bleibe schockierend, dass ausgerechnet der Adnoc-Chef, Sultan al-Dschaber, nun PrĂ€sident der laufenden UN-Klimakonferenz von knapp 200 Staaten sei. Dies sei ein "atemberaubender Interessenkonflikt", der einen "unauslöschlichen Fleck" auf der COP28 hinterlasse. "Der COP-PrĂ€sident hat keine Vision von einer Zukunft ohne fossile Energien", hieß es weiter. Stattdessen treibe seine Firma Adnoc die Expansion von Öl und Gas voran, wolle aber nur einen winzigen Teil der entstehenden Treibhausgasemissionen unter der WĂŒste speichern.

Den Recherchen der Organisationen zufolge, plant Adnoc ganz konkret zahlreiche neue Gas- und Ölprojekte. Schon 17 Projekte seien gebilligt worden. "Adnoc hat keine Absicht, sein GeschĂ€ftsmodell umzustellen oder gar seine AbhĂ€ngigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern", heißt es dazu.

Al-Dschaber hatte erst am Sonntag viel Kritik auf sich gezogen: Laut "Guardian" und "Centre for Climate Reporting" sagte er im November in einer Videoschalte unter anderem mit UN-Vertretern, es gebe "keine Wissenschaft", die belege, dass der Ausstieg aus fossilen EnergietrĂ€gern notwendig sei, um die ErderwĂ€rmung auf 1,5 Grad gegenĂŒber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Zudem habe er in der Schalte gesagt, Entwicklung ohne die Nutzung fossiler Energien sei nicht möglich, "wenn man die Welt nicht in die Steinzeit katapultieren will".

Die Internationale Energie-Agentur (IEA) hat mehrfach festgehalten, dass die Erschließung neuer Öl- und Gasfelder nicht vereinbar ist mit dem 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens. Doch noch viele andere Staaten wollen zusĂ€tzliche ÖlförderungsplĂ€ne trotz der Klimakrise genehmigen, darunter die USA, Norwegen und Großbritannien.

Erst diesen Monat hatte ein Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) und fĂŒhrender Forschungsinstitute ergeben, dass die weltweit geplanten Fördermengen an Kohle, Öl und Gas weiter jedes Maß ĂŒbersteigen. Die von Staaten geplante Produktion fĂŒr 2030 betrage mehr als das Doppelte (110 Prozent mehr) dessen, was nach den Pariser Klimazielen zulĂ€ssig wĂ€re. Die Fördermengen von Öl und Gas weltweit werden demnach noch bis mindestens 2050 weiter steigen.

Auch die Klimaaktivistin Luisa Neubauer von Fridays for Future hatte die Aussagen des COP-PrĂ€sidenten kritisiert. "Wenn SchlĂŒsselpersonen den wissenschaftlichen Konsens anzweifeln, zieht das den ganzen Verhandlungsprozess ins LĂ€cherliche. Wir sind hier, um die WĂŒrde und die IntegritĂ€t dieser Konferenz zu schĂŒtzen", sagte sie. Leider mĂŒsse man noch immer auf simpelste Erkenntnisse der Klimaforschung hinweisen, die seit Jahrzehnten vorliegen. "Das kann jedes Schulkind verstehen. Das ist lĂ€cherlich. Und darĂŒber sind wir wĂŒtend."

@ dpa.de