Umfrage: Mittelstand zeigt «nahezu depressive ZĂŒge»
29.09.2024 - 06:00:37Die Stimmung im deutschen Mittelstand hat sich einer Studie zufolge weiter verschlechtert und bleibt angespannt. Eine geringe InvestitionstĂ€tigkeit und die schwache Konsumneigung belasteten die GeschĂ€fte der mittelstĂ€ndischen Unternehmen schwer, wie die Wirtschaftsauskunftei Creditreform mitteilte. Der Mittelstand zeige «nahezu depressive ZĂŒge», sagte der Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung, Patrik-Ludwig Hantzsch. Die Stimmung sei «so schlecht wie zur Corona-Hochzeit, als keiner wusste, wie schlimm die Pandemie noch wird».
Die Untersuchung stĂŒtzt sich auf eine reprĂ€sentative Umfrage von Creditreform unter 1200 kleinen und mittleren Betrieben. Das Ergebnis: Die GeschĂ€fte liefen zuletzt enttĂ€uschend, positive wirtschaftliche Impulse sind nicht erkennbar. Ein Drittel der Befragten musste AuftragseinbuĂen hinnehmen, lediglich 18 Prozent verzeichneten steigende EingĂ€nge. Nur knapp ein Viertel der Unternehmen erzielte in den vergangenen Monaten ein Umsatzplus. Es sei 20 Jahre her, dass das GeschĂ€ftsklima im Mittelstand zwei Jahre in Folge negativ war, sagte Hantzsch. «Die gute Stimmung zu Jahresbeginn, die Konjunkturexperten und die Bundesregierung verbreiteten, war leider verfrĂŒht.»
Vor allem im verarbeitenden Gewerbe und im Handel habe sich die Situation deutlich verschlechtert, hieà es. Zu einem Einbruch kam es der Untersuchung zufolge besonders im Bausektor. Der Mittelstand, der der Industrie zuliefere, gerate in der aktuellen KonjunkturschwÀche zunehmend unter Druck, die steigenden Insolvenzen seien nur der Anfang, so Hantzsch.
Einstellungsbereitschaft auf niedrigstem Stand der vergangenen zehn JahreÂ
Knapp 80 Prozent der MittelstĂ€ndler sind laut Umfrage unzufrieden mit der Wirtschaftspolitik der Bundesregierung. Die drĂ€ngendsten Themen sind aus der Sicht der Unternehmen der BĂŒrokratieabbau sowie der FachkrĂ€ftemangel. Unsichere Wirtschaftsaussichten und fehlende LiquiditĂ€t hemmen der Untersuchung zufolge die Investitionsbereitschaft. Lediglich 40 Prozent der Firmen planen Investitionen. Dies ist zwar mehr als im Vorjahr, aber laut Creditreform weniger als im Durchschnitt der vergangenen Jahre.
Die negative wirtschaftliche Entwicklung wirkte sich auch auf den Arbeitsmarkt aus. Gut 21 Prozent der Unternehmen, und damit noch mehr als 2023, bauten Personal ab. Grund dafĂŒr sind den Angaben nach vor allem die schwache Auftragslage und der FachkrĂ€ftemangel. Die Einstellungsbereitschaft im Mittelstand ist demnach auf den niedrigsten Stand der vergangenen zehn Jahre gesunken.Â
Aufgrund der sinkenden Inflation haben weniger Unternehmen ihre Preise erhöht. Nur rund 30 Prozent haben die Verkaufspreise gesteigert, im Vorjahr hatten dies noch 40 Prozent angegeben. Gut 10 Prozent haben die Preise gesenkt.Â





